US-Angriffe im Iran: Teheran greift Golfstaaten an – Eskalation trotz Waffenruhe
US-Angriffe im Iran: Teheran greift Golfstaaten an

Die angespannte Lage im Nahen Osten hat sich trotz einer offiziellen Waffenruhe und laufender Verhandlungen über ein Kriegsende erneut zugespitzt. Die USA und der Iran liefern sich gegenseitig Angriffe in der Golfregion. Nach dem Abschuss eines US-Militärhubschraubers bombardierte das amerikanische Militär in der Nacht zum Mittwoch iranische Luftabwehranlagen, Bodenkontrollstationen und Radaranlagen im Bereich der strategisch wichtigen Straße von Hormus. Das teilte das Regionalkommando Centcom auf der Plattform X mit. Teheran reagierte umgehend: Nach Angaben iranischer Medien griffen die Revolutionsgarden US-Stützpunkte in der Golfregion und in Jordanien an, unter anderem mit ballistischen Raketen. Die Luftabwehr Kuwaits war nach Armeeangaben im Einsatz, und auch in Bahrain heulten erneut die Sirenen.

US-Militär spricht von verhältnismäßiger Antwort

Das US-Militär bezeichnete die Angriffe als eine „verhältnismäßige“ Reaktion auf den iranischen Abschuss eines Apache-Kampfhubschraubers vor der Küste des Omans. Bereits am Dienstagabend hatte US-Präsident Donald Trump den Iran für den Hubschrauberabschuss verantwortlich gemacht und Vergeltung angekündigt. Laut US-Medien erfolgten die Angriffe im Iran in drei Wellen und richteten sich gegen rund 20 Ziele. Iranische Medien berichteten über Explosionen in der Stadt Sirik an der Straße von Hormus sowie auf der Insel Qeschm. Auch aus der Großstadt Bandar Abbas wurden Einschläge gemeldet. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim meldete, dass zwei Wassertanks in Sirik getroffen wurden und die Trinkwasserversorgung unterbrochen ist.

Iran droht mit weiteren Gegenschlägen

Während das US-Militär von „Selbstverteidigung“ sprach, wies Irans Militär dies als „fadenscheinigen“ Vorwand zurück. Irans Außenminister Abbas Araghtschi drohte prompt mit weiteren Gegenschlägen. Auf X schrieb er: „Verlassen Sie unsere Region, wenn Sie in Sicherheit sein wollen. Die Geschichte des Persischen Golfs kennt viele Kapitel über das tragische Schicksal von Eindringlingen.“ Nur wenig später führten die Revolutionsgarden nach iranischen Medienangaben eine Drohnenattacke auf das Hauptquartier der US-Marine für den Nahen Osten in Bahrain aus. Zudem sei ein Stützpunkt in Jordanien angegriffen worden. Die jordanischen Streitkräfte teilten mit, fünf iranische Raketen in al-Asrak abgefangen zu haben. In Bahrain heulten am frühen Morgen erneut die Sirenen.

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Die Inselnation Bahrain sowie Kuwait und andere Golfstaaten beherbergen US-Militärstützpunkte, die nur wenige Hundert Kilometer von der Islamischen Republik entfernt liegen. Sie waren bereits zuvor mehrfach unter iranischen Beschuss geraten. Ungeachtet der erneuten Angriffe äußerte sich US-Präsident Trump in einem Telefoninterview mit ABC News zuversichtlich über die Verhandlungen mit Teheran. Mit Blick auf die zähen Gespräche um ein Kriegsende sagte er: „Es gibt ein sehr gutes Abkommen. Dieses wird wahrscheinlich Bestand haben.“ Trump hatte zu Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar einen schnellen Sieg versprochen, doch die Bemühungen um eine Öffnung der Straße von Hormus für die Schifffahrt stocken seit Wochen.

Experte warnt vor weiterer Eskalation

Der israelische Iran-Experte Danny Citronowicz warnte auf X: „Das Risiko einer weiteren Eskalation bleibt erheblich, selbst wenn weder Washington noch Teheran aktiv einen größeren Konflikt anstreben.“ Offiziell gilt im Iran-Krieg seit zwei Monaten eine Waffenruhe, doch diese scheint von Tag zu Tag brüchiger zu werden. Bereits am Sonntag war der Konflikt mit iranischen Raketenangriffen auf Israel gefährlich eskaliert. Israel griff daraufhin Ziele im Iran an. Trump rief beide Staaten zu einer „sofortigen“ Waffenruhe auf, woraufhin beide Seiten erklärten, ihre Angriffe einzustellen. Der Iran hatte seine Angriffe nach Angaben aus Teheran wegen der israelischen Attacken gegen die proiranische Hisbollah-Miliz im Libanon begonnen. Israels Regierung hat jedoch kaum Zweifel daran gelassen, dass sie weiter gegen die schiitische Miliz im nördlichen Nachbarland vorgehen wird.

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Netanjahu zu Alleingang bereit?

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu soll nach Angaben des TV-Senders i24News unter Umständen auch zu einem eigenständigen Schlag gegen den Iran ohne US-Unterstützung bereit sein. Der Sender berief sich auf eine Kabinettssitzung am Montagabend und zitierte Netanjahu mit den Worten: „Es könnte sein, dass wir in eine Situation geraten, in der wir den Iranern allein, ohne Rückendeckung der USA, gegenüberstehen – mit allen damit verbundenen Kosten: Rüstungsausgaben und weltweite Isolation.“ Israel wolle nicht, dass es so weit komme, wisse aber, dass es so weit kommen könne. Trump hatte Netanjahu zuvor vor einem Alleingang gewarnt.

Schusswechsel vor Jemens Küste

Am Morgen lieferten sich vor der Küste des Jemen unterdessen Angreifer auf einem kleinen Boot einen Schusswechsel mit Sicherheitskräften eines Frachtschiffs, wie die britische Behörde für die Sicherheit der Handelsschifffahrt (UKMTO) mitteilte. Das kleine Boot sei wieder abgedreht. Im Jemen ist die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz aktiv, die bereits seit 2023 Dutzende Schiffe mit angeblichem Bezug zu Israel in der Region angegriffen hatte. Im Golf von Aden kommt es aber immer wieder auch zu Piraterie-Vorfällen mit Beteiligung von kriminellen Netzwerken aus Somalia.