Ukraine: Drohnen greifen Kiew an – Selenskyj warnt vor massivem Angriff
Ukraine: Drohnen greifen Kiew an – Selenskyj warnt vor Angriff

Russische Drohnen greifen Kiew an – Brand in der Innenstadt

Russische Streitkräfte haben erneut die ukrainische Hauptstadt Kiew mit Drohnen angegriffen. Augenzeugen berichteten der Nachrichtenagentur Reuters, dass durch den Angriff ein Feuer in einem Gebäude am zentralen Schewtschenko-Boulevard ausgebrochen sei und das Dach in Flammen stehe. Rettungskräfte seien zum Einsatzort ausgerückt, teilte Kiews Bürgermeister Witali Klitschko mit. Ihm zufolge sind Trümmerteile von Gebäuden im Stadtzentrum sowie in einem nordöstlichen Vorort zu Boden gestürzt. Ein weiterer Augenzeuge berichtete von Explosionen in den westlichen Bezirken der Hauptstadt.

Selenskyj warnt vor massivem russischen Angriff

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat bei einer Pressekonferenz in Dublin am Rande der Zeremonie zur Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft durch Irland vor einem bevorstehenden massiven russischen Angriff gewarnt. „Heute gibt es die unangenehme Information über die nächste Vorbereitung eines solchen massiven russischen Angriffs“, sagte Selenskyj. Er kündigte an, direkt nach der Pressekonferenz in die Ukraine zurückzukehren, und rief die Bevölkerung auf, Alarmsignale zu beachten und Schutzräume aufzusuchen. Tags zuvor hatten bereits der Bürgermeister von Iwano-Frankiwsk, Ruslan Marzinkiw, und der Gouverneur des Gebiets Cherson, Olexander Prokudin, vor einem möglichen größeren russischen Angriff gewarnt.

Tote nach russischen Angriffen auf Odessa und Charkiw

Bei einem russischen Raketenschlag im südukrainischen Gebiet Odessa sind mindestens zwei Menschen getötet und 13 weitere verletzt worden, teilte Militärgouverneur Oleh Kiper auf Telegram mit. Infolge des Angriffs gebe es Schäden auf dem Gelände eines Unternehmens; ein ausgelöster Brand wurde gelöscht. Auch in der ostukrainischen Großstadt Charkiw gab es Tote nach russischen Gleitbombenangriffen. Bürgermeister Ihor Terechow berichtete von mindestens zwei getöteten Zivilisten und rund einem Dutzend Verletzten. Es habe insgesamt fünf Einschläge in zwei Stadtteilen gegeben.

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EU zahlt Milliarden für Drohnenbeschaffung

Die Ukraine erhält erste Gelder aus dem 90 Milliarden Euro schweren Unterstützungsdarlehen der EU für die Drohnenbeschaffung. Die Europäische Kommission begann mit der Auszahlung von 3,9 Milliarden Euro. In einer ersten Tranche sollen insgesamt sechs Milliarden Euro für Drohnen nach Kiew fließen. „Diese Investitionen werden der Ukraine helfen, ihre Bürger zu schützen, ihre Souveränität zu verteidigen und die Sicherheit Europas zu stärken“, sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Das Geld soll auch für Munition, Flugkörper und Luftverteidigungssysteme verwendet werden.

Selenskyj kritisiert europäische Firmen für Zusammenarbeit mit Russland

Bei seiner Rede in Dublin übte Selenskyj scharfe Kritik an Geschäftsmöglichkeiten russischer Oligarchen in Europa. Es gebe Firmen in europäischen Ländern, „deren einziger Zweck es ist, für Russland zu arbeiten“, sagte er. Diese seien im Besitz oder unter der Kontrolle sanktionierter russischer Oligarchen und versorgten den Aggressor weiterhin mit essenziellen Materialien. Selenskyj rief die EU dazu auf, die Sanktionen gegen Russland entsprechend zu erweitern. In Irland hatte zuletzt der Export von Aluminiumoxid nach Russland für Debatten gesorgt, da das Rohmaterial auch für die Rüstungsproduktion wichtig ist.

Ukrainische Drohnenangriffe lassen russische Exporte einbrechen

Ukrainische Drohnenangriffe auf wichtige Raffinerien haben Russlands Dieselsexporte im Juni drastisch sinken lassen. Die Exporte von Diesel und Gasöl sanken im Vergleich zum Vormonat um 39 Prozent auf rund 1,8 Millionen Tonnen, wie aus Daten des Finanzdienstleisters LSEG hervorging. Das entspricht einem Rückgang von 46 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Lieferungen aus dem Hafen Primorsk sanken um mehr als die Hälfte auf 623.000 Tonnen. Die Produktionsausfälle wirken sich auch auf den russischen Inlandsmarkt aus, wo es zu Engpässen und Verkaufsbeschränkungen kommt. Händler erwarten, dass die Exporte im Juli fast zum Erliegen kommen könnten.

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Ökonomen sehen russische Wirtschaft in der Krise

Das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) prognostiziert für die russische Wirtschaft ein Wachstum von nur 0,6 Prozent im Jahr 2026. Schuld sei vor allem die restriktive Geldpolitik der Notenbank, die Kredite verteuere. Die Investitionstätigkeit brach im ersten Quartal um 14 Prozent ein. Auch ukrainische Angriffe auf Energieanlagen und Internetsperren schadeten der Wirtschaft, so Russlandexperte Vasily Astrov. Dennoch bleibe Russland weiter in der Lage, den Krieg zu finanzieren. Für 2027 rechnet das Institut mit einem Wachstum von 1,3 Prozent.

Weitere Entwicklungen

Russland hat einseitig sieben Grenzübergänge für den Bahnverkehr mit Finnland, Estland und Lettland geschlossen. Die Ukraine zerstörte eine Brücke im Donezker Gebiet. Zudem beschloss das ukrainische Parlament die Schaffung einer nationalen Gedenkstätte „Pantheon“. Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte an, sich auf dem Nato-Gipfel für eine neue Finanzhilfe für die Ukraine einzusetzen. Der schwedische Rüstungskonzern Saab liefert 16 Kampfjets des Typs Gripen E an die Ukraine. Dänemark stellte ein neues Militärhilfepaket im Wert von rund 589 Millionen Euro bereit.