Bei einem massiven russischen Angriff auf die ukrainische Hauptstadt Kyjiw in der Nacht zum heutigen Tag sind mindestens 13 Menschen getötet und 46 weitere verletzt worden. Bürgermeister Vitali Klitschko bezeichnete die Attacke als die schwerste seit Kriegsbeginn. Der ukrainische Zivilschutz bestätigte die Opferzahlen. Der Leiter der Militärverwaltung der Hauptstadt, Tymur Tkatschenko, warf Russland eine gezielte Attacke auf Wohngebiete und Zivilisten vor.
Massive Zerstörung in Kyjiw
Nach Angaben des Nachrichtenportals „The Kyiv Independent“ setzten die Angreifer Dutzende Raketen und Marschflugkörper ein. Mehrstöckige Gebäude, darunter ein Hotel, gerieten in Flammen, einige Wohnhäuser wurden vollständig zerstört. Erwachsene und Kinder flohen in U-Bahn-Stationen, viele mit Haustieren. Immer wieder ertönte Luftalarm. Im Zentrum der Stadt brach mindestens ein Feuer aus; Feuerwehr und Krankenwagen rasten unter einer dicken Rauchwolke zu den Explosionsorten. Bereits am Abend hatte es erste Einschläge gegeben, am frühen Morgen wurde erneut Luftalarm ausgelöst. Reporter des Portals berichteten von „unglaublich lauten Explosionen“, die selbst in tief gelegenen Luftschutzbunkern deutlich zu hören waren. Die ukrainische Nachrichtenagentur Ukrinform bestätigte zahlreiche Einschläge in Kyjiw.
Angriffe auf weitere Städte
Auch in anderen Städten der Ukraine gab es Luftalarm und Explosionen, darunter Saporischschja und Pawlohrad im Südosten sowie Sumy und Charkiw im Nordosten. Der Gouverneur von Saporischschja, Iwan Fedorow, berichtete von drei Verletzten. Weitere Informationen zu Schäden und Opfern in diesen Städten lagen zunächst nicht vor. Die Angriffe erfolgten nur wenige Stunden nach einer Warnung von Präsident Wolodymyr Selenskyj vor einem bevorstehenden russischen „Großangriff“.
Ukraine greift Raffinerie an der Wolga an
Die Ukraine hat ihrerseits eine Raffinerie in der russischen Wolgaregion Nischni Nowgorod attackiert. Der Gouverneur des Gebiets, Gleb Nikitin, bestätigte den Angriff indirekt und schrieb bei Telegram von „unbedeutenden Schäden an einem Industrieobjekt und an mehreren Wohnhäusern“ durch herabfallende Drohnentrümmer. Nach seinen Angaben kam ein Mensch ums Leben, vier weitere wurden verletzt.
Selenskyj äußert sich zurückhaltend zu Nord-Stream-Anklage
Präsident Wolodymyr Selenskyj will die Anklageerhebung gegen einen mutmaßlichen Drahtzieher der Nord-Stream-Anschläge vorerst nicht kommentieren. Auf einer Pressekonferenz in Irland sagte er, er kenne noch nicht alle Details. Er gehe davon aus, dass die zuständigen Behörden aus Deutschland und der Ukraine nun Kontakt aufnähmen. „Wenn wir mehr Details erhalten, dann können wir sicherlich reagieren. Derzeit ist es noch zu früh, etwas dazu zu sagen.“ Zuvor war bekannt geworden, dass die Bundesanwaltschaft erstmals Anklage gegen einen mutmaßlichen Beteiligten erhoben hat. Dem Ukrainer Serhij K. wird unter anderem das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion und die Zerstörung von Bauwerken vorgeworfen. Das Hanseatische Oberlandesgericht in Hamburg muss über die Zulassung der Anklage entscheiden.
Kyjiw legt Regeln für Waffenexporte fest
Die ukrainische Regierung hat einen Mechanismus für den Export ihrer Waffen gebilligt. Verteidigungsminister Mychailo Fedorow erklärte: „Die Regierung hat den ersten transparenten Mechanismus für den Export ukrainischer Waffen beschlossen.“ Andere Länder könnten „ukrainische Waffen und Technologien kaufen und direkt mit ukrainischen Herstellern zusammenarbeiten“. Oberste Priorität bleibe die eigene Verteidigung. „Exporte sind nur möglich, wenn die Versorgung des ukrainischen Militärs garantiert ist.“ Falls Kyjiw bestimmte Waffen benötige, könnten Exportgenehmigungen verweigert werden. Die Ukraine hat eigene Technologien entwickelt, insbesondere bei Drohnen und Anti-Drohnen-Systemen.
RKI: Jeder fünfte Geflüchtete aus Ukraine mit depressiven Symptomen
Das Robert Koch-Institut (RKI) hat einen Bericht veröffentlicht, wonach 21 Prozent der ukrainischen Geflüchteten in Deutschland depressive Symptome aufweisen. 13 Prozent leiden an einer Angststörung. Damit sind sie häufiger betroffen als Menschen deutscher Herkunft oder regulär Zugewanderte. Die Studie zeigte zudem, dass soziale Bindungen, Arbeit und Diskriminierungserfahrungen großen Einfluss auf die psychische Gesundheit haben. Bei Ukrainern waren auch Alter, Geschlecht, Einkommen und Wohnzufriedenheit starke Faktoren. Der psychosoziale Versorgungsbedarf sei hoch.



