OECD senkt Prognosen drastisch: Iran-Krieg belastet Weltwirtschaft
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat ihre Wachstumsprognosen für Deutschland und die Weltwirtschaft deutlich nach unten korrigiert. Grund sind die steigenden Energiepreise infolge des anhaltenden Krieges im Nahen Osten. Sollte der Konflikt bis weit ins Jahr 2027 andauern, drohen laut OECD schwerwiegende wirtschaftliche Folgen.
Wachstumseinbruch in Deutschland
Für das laufende Jahr rechnet die OECD nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 0,7 Prozent in Deutschland – ein Rückgang um 0,1 Prozentpunkte gegenüber der Prognose vom März. Für 2027 wurde die Erwartung sogar um 0,4 Prozentpunkte auf lediglich 1,1 Prozent gesenkt. Die höheren Energiepreise dürften zudem die Inflation weiter anheizen. Die OECD warnt, dass eine längere Dauer oder eine Eskalation des Konflikts zu noch stärkeren Preissteigerungen führen und Konsum sowie Investitionen dämpfen würde. Auch die handelspolitischen Spannungen belasten die deutsche Industrie, die stark in globale Lieferketten eingebunden ist.
Globale Auswirkungen
Weltweit schwächt sich das Wachstum von 3,4 Prozent im Jahr 2025 auf 2,8 Prozent im Jahr 2026 ab, bevor es sich 2027 auf 3,1 Prozent erholen soll. Doch bei einer Fortdauer des Iran-Krieges bis 2027 prognostiziert die OECD nur noch 2,1 Prozent für 2026 und 1,8 Prozent für 2027. „Je länger der Konflikt andauert, desto höher sind die wirtschaftlichen und sozialen Kosten“, heißt es in dem Bericht.
Weitere Eskalation im Nahen Osten
Netanjahu droht Iran: „Verschwinden aus der Welt“
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat bei einer Zeremonie für den neuen Mossad-Chef Roman Gofman erneut den Sturz der iranischen Regierung gefordert. Die Führung in Teheran sei „dazu bestimmt, aus der Welt zu verschwinden“, erklärte er. Israel hatte bereits mehrere hochrangige iranische Vertreter, darunter Ayatollah Chamenei, durch Luftangriffe getötet.
Teheran plant Staatsbegräbnis für Chamenei
Mehr als drei Monate nach der Tötung des obersten Führers hat Teheran ein dreitägiges Staatsbegräbnis angekündigt. Die Feierlichkeiten sollen Mitte Juni im islamischen Trauermonat Muharram stattfinden. Geplant sind Zeremonien in Teheran, Ghom und Maschhad, wo Chamenei beigesetzt werden soll. Die Behörden rechnen mit bis zu 20 Millionen Trauergästen.
Angriffe auf Kuwait und Bahrain
Der Iran hat erneut Raketen und Drohnen auf Kuwait und Bahrain abgefeuert. Nach Angaben des US-Militärs konnten die meisten Geschosse abgefangen werden, dennoch gab es Verletzte und Schäden am Flughafen von Kuwait. Die USA haben einen Gegenschlag auf eine iranische Bodenstation auf der Insel Qeschm durchgeführt. Die Straße von Hormus bleibt ein zentraler Konfliktpunkt.
Kämpfe im Libanon und Gaza
Israel setzt seine Angriffe im Südlibanon fort, trotz einer vereinbarten Waffenruhe. Die Hisbollah-Miliz reagiert mit Vorstößen, verzichtet aber auf grenzüberschreitende Raketenangriffe. Im Gazastreifen wurden bei israelischen Angriffen mindestens drei Palästinenser getötet. Die indirekten Verhandlungen zwischen Israel und der Hamas stocken.
Humanitäre Krise und diplomatische Bemühungen
Unicef warnt vor Versorgungsengpässen
Das UN-Kinderhilfswerk Unicef schlägt Alarm: Steigende Transportkosten und unterbrochene Lieferketten infolge der Nahost-Krise gefährden die Versorgung von Kindern mit lebensrettenden Hilfsgütern. Lieferungen in den Libanon und den Gazastreifen verzögern sich um bis zu sechs Monate. Unicef ist zunehmend auf teure Luftfracht angewiesen, was das Budget belastet.
Merz ruft zur Deeskalation auf
Bundeskanzler Friedrich Merz hat beide Seiten zur Einhaltung der Waffenruhe aufgerufen. „Die Hisbollah muss sofort aufhören, Israel anzugreifen, und ihre Waffen niederlegen“, sagte Merz. Auch Israel forderte er auf, die vereinbarte Feuerpause einzuhalten. Die USA vermitteln weiterhin zwischen Israel und dem Libanon, doch die Kämpfe dauern an.
Iran zu Verhandlungen bereit?
US-Außenminister Marco Rubio erklärte, der Iran sei bereit, über Aspekte seines Atomprogramms zu verhandeln. Voraussetzung sei jedoch die Wiederöffnung der Straße von Hormus und konkrete Zusagen zum Verbleib von hochangereichertem Uran. Eine Lockerung der Sanktionen stehe nicht allein für die Öffnung der Meerenge in Aussicht.



