Er schoss sein Land zur ersten WM-Teilnahme seit 40 Jahren – und seine eigene Turnierteilnahme stand noch kurz vor knapp auf der Kippe: Aymen Hussein, Vizekapitän und der wichtigste Stürmer des Irak, wurde bei der Einreise der irakischen Nationalmannschaft in die USA offenbar stundenlang festgehalten.
Stundenlange Befragung am Flughafen Chicago
Wie zuerst die Agentur Reuters berichtete, wurde Hussein am O’Hare-Flughafen in Chicago fast sieben Stunden lang von Offiziellen der US-Grenzschutzbehörde befragt, bevor ihm die Einreise schließlich gewährt wurde. Auch Husseins Mobiltelefon wurde dabei durchsucht. Der Schlüsselspieler Hussein hatte mit seinem Tor gegen Bolivien in den Playoffs maßgeblich zur WM-Qualifikation des Irak beigetragen. Für das Land ist es die erste Teilnahme an einer Fußballweltmeisterschaft der Herren seit 1986.
Fotograf muss zurückfliegen
Während Hussein schließlich ins Land gelassen wurde, hatte ein weiterer Mitreisender des Teams weniger Glück: Dem Teamfotografen Talal Salah wurde die Einreise verweigert; er musste den Rückweg antreten. Salah sei mit mehr als zehn Stunden sogar noch länger festgehalten worden als Hussein. „Die Entscheidung über die Einreiseberechtigung wird von Fall zu Fall auf der Grundlage der zum Zeitpunkt der Kontrolle verfügbaren Informationen aus den Bereichen Strafverfolgung, nationale Sicherheit und Einwanderung getroffen“, sagte ein Sprecher der US-amerikanischen Zoll- und Grenzschutzbehörde (CBP) der „New York Times“ über den Vorfall. „CBP-Beamte sind befugt, Reisende zu befragen, Kontrollen durchzuführen und die Einreiseberechtigung im Einklang mit US-amerikanischem Recht zu prüfen.“
Bewegte Lebensgeschichte: Vater und Bruder von Terroristen getötet
Aymen Hussein hat eine besonders bewegte Lebensgeschichte. Wie die Zeitung „Guardian“ berichtet, stammt er aus der Region al-Hawidscha, die während des Irak-Kriegs der USA als besonders gefährlich galt. Sunnitische Aufständische führten hier in den 2000er Jahren regelmäßig Anschläge durch, später wurde die Region vom IS besetzt. Dem „Guardian“ zufolge wurde Husseins Vater 2008 von der Terrorgruppe Al-Qaida getötet. Sein Bruder sei vom sogenannten „Islamischen Staat“ entführt und höchstwahrscheinlich umgebracht worden. Sein Verbleib ist bis heute unbekannt.
Kritik an US-Einreisepolitik vor der WM
Im Vorfeld der WM, die am Donnerstag startet, standen die USA als eines von drei Gastgeberländern immer wieder in der Kritik – unter anderem wegen restriktiver Einreiseregelungen. So musste das Teamquartier der iranischen Mannschaft kurzfristig nach Mexiko umverlegt werden, weil die Erteilung von US-Visa für das Team noch ausstand. Inzwischen wurde bekannt, dass sich die iranischen Spieler nur an den Spieltagen für ihre WM-Partien in den USA aufhalten dürfen und das Land am jeweils gleichen Tag wieder verlassen müssen.
Somalischer Schiedsrichter abgewiesen
Am Dienstag wurde bekannt, dass dem somalischen Schiedsrichter Omar Artan offenbar komplett die Einreise in die USA verweigert wurde. Das berichten mehrere französische und afrikanische Sportjournalisten. Artan musste zurück in die Türkei fliegen, von wo aus sein Flug in die USA kam. Zuvor war ihm ein reguläres Visum verweigert worden, woraufhin Somalia ihn mit einem Diplomatenpass ausstattete. 2025 wurde er vom afrikanischen Fußballverband CAF zum Schiedsrichter des Jahres gewählt. Die Einreise in die USA ist für somalische Staatsangehörige aufgrund eines Dekrets von Präsident Trump in den allermeisten Fällen vollständig untersagt. Staatsbürger aus Somalia benötigen grundsätzlich ein Visum und unterliegen einer umfassenden Einreisesperre, sofern sie nicht unter ganz bestimmte Ausnahmeregelungen fallen.



