Eine Woche nach den verheerenden Erdbeben in Venezuela hat die Hauptstadt Caracas mit einer Schweigeminute der Opfer gedacht. Nach offiziellen Regierungsangaben ist die Zahl der Toten auf fast 2300 gestiegen, während zehntausende Menschen weiterhin als vermisst gelten. Internationale Rettungskräfte kämpfen gegen die Zeit, um Überlebende in den Trümmern zu finden.
Schweigeminute und Trauer in Caracas
Am Morgen des 2. Juli versammelten sich tausende Menschen auf der Plaza Bolívar in Caracas, um der Erdbebenopfer zu gedenken. Um 10:00 Uhr Ortszeit legte das öffentliche Leben für eine Minute still. „Wir trauern um jeden einzelnen Verlust und danken den Helfern aus aller Welt für ihre Unterstützung“, sagte Bürgermeisterin Carmen Meléndez während der Zeremonie.
Rettungsarbeiten unter Zeitdruck
Die Rettungsteams aus mindestens 15 Ländern, darunter Mexiko, Kolumbien und Spanien, setzen ihre Suche nach Überlebenden fort. Bislang konnten mehr als 1200 Menschen lebend aus den Trümmern geborgen werden. Doch die Hoffnung schwindet: „Nach einer Woche ist die Wahrscheinlichkeit, noch Überlebende zu finden, äußerst gering“, erklärte ein Sprecher des venezolanischen Katastrophenschutzes. Dennoch würden die Einsätze unvermindert fortgesetzt.
Zahl der Opfer steigt weiter
Die Regierung von Präsident Nicolás Maduro bestätigte am Freitag, dass die Zahl der Toten auf 2297 gestiegen sei. Die meisten Opfer gab es in den Bundesstaaten Mérida und Táchira, die nahe der Epizentren der beiden Beben der Stärken 7,3 und 6,8 lagen. „Wir arbeiten mit Hochdruck an der Identifizierung der Toten und der Versorgung der Verletzten“, so Gesundheitsministerin Magaly Gutiérrez. Mehr als 15.000 Menschen wurden verletzt, viele von ihnen schwer.
Internationale Hilfe und Spendenaufrufe
Die Vereinten Nationen haben einen Spendenaufruf in Höhe von 200 Millionen US-Dollar gestartet, um die Notversorgung der Betroffenen zu sichern. Die Weltgesundheitsorganisation warnt vor Seuchengefahr durch zerstörte Wasserleitungen und unzureichende sanitäre Einrichtungen. „Die Lage ist katastrophal, aber die Solidarität der internationalen Gemeinschaft gibt uns Kraft“, sagte Vize-Präsident Delcy Rodríguez.
Beben erschüttert Wirtschaft und Infrastruktur
Neben den menschlichen Verlusten hat die Erdbebenserie auch massive Schäden an der Infrastruktur verursacht. Straßen, Brücken und Gebäude in mehreren Städten sind zerstört. Die Ölindustrie, Venezuelas wichtigster Wirtschaftszweig, meldete Schäden an Pipelines und Raffinerien. Die Regierung schätzt den wirtschaftlichen Schaden auf mehrere Milliarden US-Dollar.
Hintergrund der Erdbeben
Die beiden schweren Beben ereigneten sich am 25. Juni im Abstand von wenigen Stunden. Ihr Epizentrum lag in der Region der Anden, die als seismisch aktiv gilt. Experten der Universidad Central de Venezuela warnen vor möglichen Nachbeben, die die Rettungsarbeiten weiter erschweren könnten.



