Auftragseinbruch: Nahost-Krieg trifft deutsche Industrie hart
Auftragseinbruch: Nahost-Krieg trifft deutsche Industrie

Der anhaltende Nahost-Krieg belastet die deutsche Industrie schwer. Im April brachen die Aufträge um 3,8 Prozent zum Vormonat ein, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Ökonomen hatten lediglich mit einem Minus von 2,0 Prozent gerechnet. Besonders die Kernbranchen wie Maschinenbau und Automobilindustrie verzeichnen deutliche Rückgänge.

Ursachen des Einbruchs

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer erklärte, der Einbruch sei teilweise eine Gegenbewegung zum starken Anstieg im März, als Unternehmen Bestellungen aus Angst vor Lieferproblemen vorgezogen hätten. Dennoch bereite die Höhe des Minus Kopfschmerzen, ergänzte Thomas Gitzel von der VP Bank. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) führt den Rückgang auf den Nahostkonflikt, steigende Öl- und Gaspreise sowie die daraus resultierende Unsicherheit zurück.

Betroffene Branchen im Detail

Besonders stark fielen die Aufträge in der Elektroindustrie mit minus 16,3 Prozent, im Maschinenbau mit minus 7,4 Prozent und in der Automobilindustrie mit minus 5,3 Prozent. Die Auslandsaufträge gaben insgesamt um 4,2 Prozent nach, wobei die Nachfrage aus der Eurozone um 11,1 Prozent einbrach. Inlandsaufträge sanken um 2,9 Prozent.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Ausblick: Rezession möglich

Stimmungsindikatoren wie das Ifo-Geschäftsklima lassen keine rasche Erholung erwarten. Commerzbank-Experte Krämer rechnet mit einem Schrumpfen der deutschen Wirtschaft im zweiten Quartal. Deutsche Bank Research hält eine technische Rezession für möglich, falls keine Entspannung im Nahen Osten eintritt. Die Ökonomen prognostizieren für 2026 nur ein Wachstum von 0,5 Prozent, trotz staatlicher Investitionen in Infrastruktur und Aufrüstung.

Lieferketten unter Druck

Der am 28. Februar ausgebrochene Iran-Krieg führt zu steigenden Ölpreisen und Lieferengpässen. Laut Ifo-Institut berichteten im Mai 15,9 Prozent der Betriebe von Engpässen bei Vorprodukten, nach 13,8 Prozent im April. Ifo-Experte Klaus Wohlrabe betonte, dass vor allem Branchen mit hohem Bedarf an öl- und energieintensiven Vorprodukten die Folgen der geopolitischen Spannungen spüren.

Die DIHK-Konjunkturumfrage zeigt, dass jeder dritte Industriebetrieb mit einer weiteren Verschlechterung rechnet. Das Bundeswirtschaftsministerium erwartet eine verhaltene Entwicklung in den kommenden Monaten aufgrund gestiegener Kosten, Unsicherheiten und Lieferkettenengpässen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration