Venezuela trauert um die Opfer der verheerenden Erdbeben der vergangenen Woche. Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez rief am Mittwochabend (Ortszeit) eine siebentägige Staatstrauer aus. Die Zahl der bestätigten Todesopfer liegt nach aktuellen Angaben bei 2295, dürfte in den kommenden Tagen allerdings weiter steigen. Laut den Vereinten Nationen werden weiter mehr als 50.000 Menschen vermisst.
Staatstrauer und Rettungsarbeiten
„Die Seele Venezuelas ist zerrissen durch die menschlichen Verluste, die diese verheerenden Erdbeben verursacht haben“, erklärte Rodríguez auf Telegram. Eine Woche nach den Beben schwinden die Chancen, in den Trümmern der zahlreichen zerstörten Gebäude noch Überlebende zu finden. Rettungskräfte suchen jedoch unermüdlich weiter.
Medizinische Versorgungslage verschärft sich
In den besonders betroffenen Gebieten verschärft sich die ohnehin prekäre medizinische Versorgungslage. Durch die Beben wurden 11.000 Menschen verletzt, 13.000 Menschen sind obdachlos. Ein Arzt aus der Hauptstadt Caracas warnte gegenüber der Nachrichtenagentur AP vor der Ausbreitung von Infektionskrankheiten nach der Naturkatastrophe.
Plünderungen durch Sicherheitskräfte
Sorgen bereiten zudem Berichte über mutmaßliche Plünderungen durch staatliche Sicherheitskräfte. In der Stadt La Guaira wurden vier Polizisten festgenommen, die auf frischer Tat dabei ertappt worden sein sollen, Wertsachen gestohlen zu haben. Eine Gruppe von Beamten habe „auf beschämende Weise“ gehandelt, teilte das Justizministerium mit. Die Polizisten hätten Pflichten vernachlässigt und die Rettungs- und Hilfsmaßnahmen ausgenutzt. Videos der Vorfälle verbreiten sich rasant in den sozialen Medien. In einem Clip hält ein von Menschen umringter Polizist eine kleine verbogene Schachtel mit Dollarscheinen, die er vermutlich aus den Trümmern geborgen hat. Die Menschen fordern ihn auf, die Box loszulassen. In einem anderen Video zerreißt eine Frau Geldscheine, die dem Polizisten offenbar abgenommen wurden.
Hoffnung auf Rettung eines Verschütteten
Hoffnung macht der Fall eines verschütteten Wachmannes in der Stadt Catia La Mar, der rund eine Woche nach den Beben womöglich noch lebend aus den Trümmern eines siebenstöckigen Gebäudes gerettet werden kann. Rettungskräfte versuchen bereits seit drei Tagen, den 43-Jährigen zu befreien. Am Mittwochabend waren sie nur noch gut einen Meter von ihm entfernt, hieß es.



