In der aktuellen Hitzewelle entbrennt ein bizarrer Kulturkampf um Klimaanlagen. Rechte Politiker und Medien, die sonst die Erderwärmung leugnen, preisen plötzlich die Geräte als Lösung für die Hitze. Dabei handelt es sich bei Klimaanlagen technisch gesehen um Wärmepumpen – eine Technologie, die dieselben Kreise zuvor verteufelt haben.
Rechte Propaganda und widersprüchliche Positionen
Die Hitzewelle stellt die „Klimakrise-ist-kein-Problem“-Fraktion vor ein Dilemma: Einerseits behaupten sie, es werde gar nicht wärmer, andererseits leiden sie selbst unter der Hitze. Um diesen Widerspruch aufzulösen, suchen sie Feindbilder. Schuld an der Hitze seien „Linksgrüne“, „Klimaspinner“ oder „die deutschen Medien“. Julian Reichelt, Chefredakteur der rechten Plattform „Nius“, behauptete sogar, die Medien hätten „der Klimaanlage den totalen Krieg erklärt“.
In der „Welt“ aus dem Hause Springer wetterte der Chefreporter Wissenschaft gegen angebliche „Klimaanlagen-Phobie“ der Deutschen. Die französische Rechtsradikale Marine Le Pen forderte „Klimaanlagen für alle“ und machte dafür die Linken verantwortlich. Die AfD behauptet, der „Klimawahn“ führe zu mehr Hitzetoten durch „ideologische Baufehler wie den Verzicht auf Klimaanlagen“. Dabei übersehen sie, dass Klimaanlagen und Wärmepumpen identisch funktionieren.
Technische Fakten: Klimaanlagen sind Wärmepumpen
Eine Wärmepumpe kann im Sommer auch kühlen, indem sie den Prozess umkehrt. Bei einer Luft/Wasser-Wärmepumpe wird dem Haus Wärme entzogen und nach außen abgegeben. Auch mit Fußbodenheizung ist passive oder aktive Kühlung möglich. So kann ein Gebäude um zwei bis drei Grad abgekühlt werden, was den Unterschied zwischen 28 und 25 Grad Celsius ausmacht. Noch einfacher ist es mit einer Luft-Luft-Wärmepumpe, die im Grunde eine Split-Klimaanlage ist.
Während rechte Kreise nun für Klimaanlagen werben, lehnen sie gleichzeitig Wärmepumpen ab. Dabei sind beide Technologien identisch. Wer heute ein Haus mit Wärmepumpe baut, kann damit auch kühlen. Ein Neubau mit Gasheizung hingegen ist technisch rückständig und kann nicht kühlen.
Scheinargumente und Strohmann-Debatten
Die Behauptung einer „Klimaanlagen-Phobie“ oder eines „totalen Kriegs gegen die Klimaanlage“ ist ein Strohmann. Die Grünen fordern laut Tagesschau sogar ein „Sofortprogramm für Klimaanlagen“. Tatsächlich wird es ohne Klimaanlagen in Zukunft nicht gehen, da die Erderwärmung fortschreitet. Die Hitzewellen sind das Ergebnis vergangener Treibhausgasemissionen, die weiter steigen.
Klimaanlagen müssen jedoch richtig eingesetzt werden: Sie sollten mit Sonnenstrom betrieben werden, nur bei Bedarf laufen und Innenräume nicht übermäßig herunterkühlen. 24 oder 25 Grad sind in Sommerkleidung ausreichend. Zudem heizen Luft-Luft-Klimaanlagen die Umgebung auf, was in engen Straßen problematisch sein kann.
Notwendigkeit von Klimaanpassung und Stadtplanung
Allein mit Klimaanlagen lassen sich die Hitzeprobleme nicht lösen. Erforderlich sind Begrünung, Entsiegelung, Wasserflächen und öffentliche Kühlungsorte. Die Temperaturdifferenz zwischen einer Grün- und einer Asphaltfläche kann 20 Grad Celsius betragen. Die Bundesregierung sollte in solarbetriebene Klimaanlagen für Kliniken und Pflegeheime investieren. Die Realitätsverweigerung gegenüber der Klimakrise muss endlich aufhören.



