Jährlich pilgern über vier Millionen Touristen zu der bronzenen Rocky-Statue am Fuße der Treppe des Philadelphia Museum of Art. Sylvester Stallone, der die Figur 1976 in seinem oscarprämierten Film erschuf, wird am Montag 80 Jahre alt. Die Statue in Siegerpose, die für den dritten „Rocky“-Film angefertigt wurde, steht heute im Museum – das Original aus Fleisch und Blut hingegen feiert Geburtstag.
Vom Außenseiter zur Ikone: Der Aufstieg des Sylvester Stallone
Geboren 1946 im New Yorker Viertel Hell’s Kitchen in eine italienische Arbeiterfamilie, schien Stallones Karriere zunächst vorgezeichnet: Gangsterrollen. Doch seine nuschelnde Aussprache und das hängende Augenlid, eine Geburtskomplikation, ließen ihn bei Agenturen durchfallen. Also schrieb er nachts Drehbücher – 15 oder 16 Skripts entstanden. Die Geschichte des Boxers Rocky Balboa weckte das Interesse des Produzenten Irwin Winkler, der jedoch einen anderen Star im Sinn hatte. Stallone bestand darauf, die Hauptrolle selbst zu spielen, und Winkler lenkte widerwillig ein. 1977 gewann „Rocky“ den Oscar als bester Film – gegen Größen wie „Taxi Driver“ von Martin Scorsese.
Der Erfolg war für Stallone auch ein persönlicher Triumph über die Zurückweisung seines Vaters. Jede seiner strahlenden Heldenfiguren, wie der traumatisierte Vietnam-Veteran John Rambo, kam einem symbolischen Vatermord gleich. Frank Senior und Sylvester versöhnten sich erst am Sterbebett.
Die wilden 80er: Duell mit Schwarzenegger und kalter Krieg im Kino
Die 1980er waren die perfekte Dekade für Stallones Exzess. Die turbulente Ehe mit Brigitte Nielsen, das Duell mit Arnold Schwarzenegger um die Krone des kassenträchtigsten Stars – sie übertrumpften sich gegenseitig in Muskelmasse und Gagen. Absurder Höhepunkt war der Wrestlingfilm „Over the Top“. Zweimal besiegte Stallone im Kino die bösen Russen: 1985 im Ring in „Rocky 4“ und 1987 mit der Panzerfaust in Afghanistan an der Seite der Taliban. Damit wurde er zur amerikanischen Ikone der Reagan-Ära.
Im Dezember 2025 zeichnete US-Präsident Donald Trump Stallone mit der Ehrenmedaille für sein Lebenswerk aus. Stallone steht politisch im Lager des verstorbenen NRA-Mitglieds Chuck Norris, nicht in dem seines Trump-kritischen Freundes Arnold Schwarzenegger. Den amtierenden Präsidenten verglich er mit George Washington.
Späte Selbstironie und neue Franchises
In Interviews hat Stallone Bedauern geäußert, nicht wie Bruce Willis den Mut für kleine, unabhängige Filme gehabt zu haben. Versuche, aus seinem Rollenprofil auszubrechen, scheiterten – ob mit Komödien wie „Oscar – Vom Regen in die Traufe“ oder dem Polizeidrama „Copland“ mit Robert De Niro. Danach akzeptierte er, dass sein Erfolg in der Pflege seiner Marke liegt. Er schuf mit „Rocky“, „Rambo“ und „The Expendables“ drei erfolgreiche Franchises. 2015 belebte er die „Rocky“-Reihe mit Michael B. Jordan wieder. In der Serie „Tulsa King“ spielt er mit amüsierter Selbstironie einen Mafia-Boss im Exil.



