Nach einer historischen Hitzewelle mit Rekordtemperaturen bis 41,7 Grad in Deutschland kündigt sich bereits die nächste extreme Hitzeperiode an. Meteorologe Alban Burster von „wetter.com“ sieht „ganz klare Tendenzen, dass die nächste Hitzewelle folgt“. Die Prognosen für Juli deuten auf „signifikant überdurchschnittliche Temperaturen“ hin, und Burster hält es für eine „reine Formsache“, dass sich die Hitzewelle wiederholt. In der kommenden Woche könnten sogar bis zu 45 Grad erreicht werden, was alles bisher Erlebte in Deutschland übertreffen würde.
Historische Hitzewelle im Juni
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) bezeichnet die jüngste Hitzewelle, die seit Mitte Juni anhält, als „historisch“ und „eine Hitzewelle für die Geschichtsbücher“. Am vergangenen Sonntag wurde in Coschen in Ost-Brandenburg mit 41,7 Grad ein neuer deutscher Temperaturrekord gemessen. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen habe es in Deutschland und weiten Teilen Europas noch nie so früh im Jahr eine derart lange und intensive Hitzewelle gegeben.
Prognosen für Juli: Extreme Temperaturen erwartet
Meteorologe Alban Burster erklärt, dass es mittlerweile gute Prognoseverfahren gebe, aus denen sich Tendenzen ableiten ließen. So könne man sehr gut vorhersagen, ob ein Monat eher zu kühl, zu heiß, zu trocken oder zu nass wird. Für den Juli zeichne sich ab: „Es deuten sich für den Juli wirklich signifikant überdurchschnittliche Temperaturen an.“ Wer sich die Wetterkarten der kommenden Woche anschaue, sehe regelrecht eine Kopie der letzten Hitzewelle. „Es ist sehr früh, um verlässliche Angaben zu machen, aber uns könnten bis zu 45 Grad in der nächsten Woche erwarten“, so Burster. Das drohende Extremwetter sei derzeit nicht von der Hand zu weisen: „Wenn es dazu kommt, sprengt das wirklich alles, was wir bisher in Deutschland erlebt haben.“ Selbst der „Jahrhundertsommer“ 2003 könnte dadurch in den Schatten gestellt werden.
Wärmer werdende Meere als Treiber
Als Grund für die wiederkehrenden Hitzewellen nennt Burster die frühe und ebenfalls historische Hitzewelle im Mai dieses Jahres in Westeuropa, insbesondere in Frankreich und England. Temperaturen von weit über 30 Grad im Frühjahr hätten die Wasseroberflächentemperatur drastisch erhöht. „Wasser ist ein sehr guter Wärmespeicher und hat einen großen Einfluss darauf, wie sich ein Wetterhoch und ein Wettertief positionieren“, erklärt er. Eine Hitzeglocke, wie Deutschland sie erlebt habe, „liebt es, wenn es warm in der Umgebung ist“. Die Hitze habe sich über Westeuropa gestaut und sei dann nach Mitteleuropa gelangt. „Diese Wärme hat aber auch wieder dazu geführt, dass sich die Wassertemperatur noch einmal ordentlich erhöht“, so Burster. Aus diesem Grund sei es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Hitze wiederhole.
Klimakrise macht Hitzewellen extremer
Der DWD betont, dass die Hitzewelle ohne den menschengemachten Klimawandel nicht möglich gewesen wäre. Eine Studie der „World Weather Attribution“ zeige: „Eine vergleichbare Juni-Hitzewelle wie in diesem Jahr wäre demnach im Jahr 1976 um 3,5 Grad kälter gewesen und im Jahr 2003 um etwa 2 Grad kälter gewesen.“ Die Klimakrise führe aber nicht nur zu höheren Temperaturen, sondern vor allem zu immer wärmeren Meeren. „Dadurch gibt es keine Garantie mehr für eine beständige Wetterlage“, warnt Burster. Wechselhaftes, windiges Sommerwetter wie in früheren Jahren könne kaum noch stattfinden. Wenn die Wasserflächen immer wärmer werden, habe das einen direkten Einfluss auf die Temperaturen an Land. Phänomene wie die Hitzeglocke würden immer wahrscheinlicher. „Das werden wir in den kommenden Jahrzehnten in Deutschland spüren“, macht Burster deutlich.
Vorsicht vor Panik, aber Vorbereitung nötig
Burster mahnt dennoch zur Besonnenheit: Genaue Prognosen könne derzeit noch niemand seriös treffen, gerade weil viele Menschen wegen der vergangenen Hitzewelle noch „emotionalisiert“ seien. Man müsse aufpassen, dass keine Panik vor extremen Temperaturen entstehe. Für die kommende Woche sei aber mit einer „beständigeren Hitzewelle“ zu rechnen, die sich aus dem Südwesten über Deutschland ausbreite. Die tropischen Nächte mit über 20 Grad blieben eine Herausforderung, besonders im Südwesten.



