Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verliert im Norden Israels vor den für Oktober geplanten Parlamentswahlen massiv an Rückhalt. Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Instituts Agam Labs an der Hebräischen Universität hervor, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Viele Menschen dort fordern ein härteres Vorgehen gegen die radikal-islamische Hisbollah, die vom Libanon aus immer wieder Raketen auf Nordisrael abfeuert. Laut der Umfrage würden in der Region derzeit nur 23 Prozent der Wähler für Netanjahus Likud-Partei stimmen. Bei der Wahl im Jahr 2022 waren es noch 35 Prozent.
Einbruch der Zustimmung im Norden
Der Einbruch der Zustimmung für die Regierungspartei ist im Norden, wo etwa ein Fünftel der Wahlberechtigten lebt, dreimal so hoch wie im Rest des Landes. Rund 70 Prozent der dort Befragten gaben an, mit Netanjahus Umgang mit dem Konflikt unzufrieden zu sein. Die Skepsis über die am Mittwochabend vereinbarte Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon ist groß. Viele Bewohner fordern ein härteres militärisches Vorgehen bis zur vollständigen Entwaffnung der Hisbollah.
Befürchtungen und politische Reaktionen
Viele Wähler äußerten die Befürchtung, Netanjahu gebe dem Druck von US-Präsident Donald Trump nach. Netanjahu erklärte kurz nach der Vereinbarung, dass die Militäroperationen trotz der Waffenruhe vorerst fortgesetzt würden. Politische Konkurrenten wie der ehemalige Generalstabschef Gadi Eisenkot warfen dem Ministerpräsidenten vor, die nationale Sicherheit aufs Spiel zu setzen. Das öffentliche Leben in Städten wie Kiryat Schmona, einer ehemaligen Likud-Hochburg, ist wegen der anhaltenden Angriffe weitgehend zum Erliegen gekommen.
Hintergrund des Konflikts
Die Hisbollah hatte nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 mit dem Beschuss begonnen. Nach einer Eskalation und dem Beginn des Krieges zwischen den USA, Israel und dem Iran am 28. Februar hatte Israel seine Offensive im Südlibanon ausgeweitet. Seit Oktober 2023 wurden in Nordisrael nach Angaben des Instituts für Nationale Sicherheitsstudien der Universität Tel Aviv mehr als 50 Zivilisten durch Angriffe der Hisbollah getötet. Im Libanon kamen nach offiziellen Angaben seither mehr als 7500 Menschen durch israelische Militäreinsätze ums Leben.



