Taliban lassen Frauen ohne Ganzkörperschleier in Herat festnehmen
Taliban verhaften Frauen ohne Ganzkörperschleier

Schikane in Afghanistan: Taliban lassen Frauen ohne Ganzkörperschleier festnehmen

Fünf Jahre nach ihrer Machtübernahme schränken die Taliban die Rechte von Frauen in Afghanistan immer weiter ein. Im Westen des Landes wurden mehrere Frauen von der sogenannten Sittenpolizei der Radikalislamisten festgenommen, weil sie sich angeblich nicht an die Kleidervorschriften gehalten haben.

Die Uno-Mission in Afghanistan (Unama) zeigte sich am Sonntag besorgt angesichts „mehrerer Festnahmen und Inhaftierungen“ von Frauen in der westlichen Stadt Herat wegen „angeblicher Nichteinhaltung der Kleiderordnung“. Laut der Agentur AP hatten Imame am Freitag in den Moscheen von Herat Vorgaben gemacht, laut denen Frauen nur noch im Ganzkörperschleier aus dem Haus dürften. Kurz nach diesen Ankündigungen begannen die Kontrollen auf den Straßen.

Peitschen und Transporter: Gewalt gegen Frauen auf offener Straße

Zeugen, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben wollten, berichteten der Nachrichtenagentur AFP, dass am Samstag Frauen festgenommen worden seien, weil sie keine Ganzkörperschleier wie den Tschador oder die Burka trugen. Sie habe gesehen, wie zwei Mitarbeiter des Ministeriums für die Verbreitung der Tugend und die Verhinderung des Lasters – von denen einer eine Peitsche bei sich hatte – „zwei Frauen, die keinen Tschador trugen, in ein Fahrzeug setzten“, sagte eine 23-jährige Frau. Die Festgenommenen hätten ein muslimisches Kopftuch getragen. „Alle haben Angst“, fügte sie hinzu.

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Eine andere Frau teilte mit, sie habe gesehen, wie Beamte des Ministeriums Autos anhielten und die Kleidung der Insassen prüften. Dabei seien mehrere Frauen in Transporter gesetzt worden. Das Ministerium äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht zu den Festnahmen. Es gebe „nichts Ungewöhnliches“ in Herat, teilte die Pressestelle mit. Die Kleiderordnung sei „ein göttliches Gebot und ein geltendes Gesetz, und wir sind verpflichtet, sie durchzusetzen“, erklärte das Ministerium.

Ein AFP-Journalist berichtete, dass sich wegen der Festnahmen viele Frauen nicht mehr auf die Straße wagen. Ein 20-jähriger Taxifahrer sagte, man sehe keine Frauen mehr in der Stadt. Taxifahrer seien angehalten worden, „keine Frauen ohne Tschador mehr zu befördern“, sagte er.

Frauen aus dem öffentlichen Raum verbannt

Die Taliban hatten in Afghanistan im Jahr 2021 die Macht zurückerlangt, eine Folge des Abzugs der internationalen Truppen. Die Islamisten hatten zunächst angekündigt, liberaler zu regieren als während ihrer Herrschaft zwischen 1996 und 2001. Schnell wurden die Rechte von Frauen und Mädchen aber wieder drastisch eingeschränkt. Diese sind weitgehend aus dem öffentlichen Raum verbannt. Der Besuch weiterführender Schulen ist ihnen untersagt, ihre Arbeitsmöglichkeiten sind weitestgehend eingeschränkt.

Anfang des Jahres war ein Gesetz verabschiedet worden, das Gewalt gegen Frauen praktisch legalisiert. In 119 Artikeln wird geregelt, wer bei vermeintlichem Fehlverhalten Strafen verhängen darf. So heißt es der Übersetzung zufolge in Artikel 4 etwa, wer eine „Sünde“ beobachte, dürfe vor Ort eine korrigierende Strafe verhängen, um „Übel zu verhindern“. Feste Strafen dürfe demnach ein Imam anordnen, Ermessensstrafen auch ein Ehemann. Dabei werden selbst Misshandlungen mit Knochenbrüchen nur milde geahndet – darauf stehen 15 Tage Haft.

Uno-Menschenrechtskommissar Volker Türk erklärte im März, das Dekret legitimiere „Gewalt gegen Frauen und Kinder“ und warnte, Afghanistan sei „ein Friedhof für Menschenrechte“. Das Gesetz sieht zudem harte Strafen gegen Andersdenkende vor: Wer den Taliban-Führer Hibatullah Akhundzada beleidigt, soll mit 39 Peitschenhieben und einem Jahr Gefängnis bestraft werden. Für Menschen, die der „Gesellschaft als Ganzes Schaden zufügen“, verhängt das Regelwerk die Todesstrafe. Dazu zählen unter anderem Menschen, die homosexuell sind.

Die internationale Gemeinschaft steht vor der Herausforderung, auf die sich verschlechternde Menschenrechtslage in Afghanistan zu reagieren. Während einige Länder humanitäre Hilfe leisten, bleibt die politische Anerkennung der Taliban umstritten. Die Unterdrückung der Frauenrechte ist zu einem Symbol für die radikale Politik der Islamisten geworden.

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