Island: Walfang kehrt zurück – trotz sinkender Quoten und Protesten
Island: Walfang kehrt zurück – trotz sinkender Quoten

In Island könnte der umstrittene Walfang nach einer mehrmonatigen Pause wieder aufgenommen werden. Die Reederei Hvalur hf. bereitet sich darauf vor, in diesem Sommer erneut Finnwale zu erlegen. Eigentümer Kristján Loftsson besitzt noch eine gültige Lizenz und ließ gegenüber dem Portal „Morgunblaðið“ verlauten: „Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, die Schiffe werden nächste Woche zur Slipanlage gebracht.“

Hintergrund: „Timmy“ tot und zerlegt

Der Tod des Buckelwals „Timmy“ auf der dänischen Insel Anholt hatte Ende Mai für Bestürzung gesorgt. Das Weibchen wurde obduziert und in Einzelteile zerlegt – ein Schicksal, das in Island vielen Walen droht. Die Reederei Hvalur hf. möchte in diesem Sommer wieder Finnwale jagen, nachdem die isländische Regierung den Walfang 2023 vorübergehend ausgesetzt hatte.

Neue Lizenz trotz sinkender Quoten

Ende 2024 erteilte Premierminister Bjarni Benediktsson der Reederei eine Fünf-Jahres-Lizenz. 2025 machte das Unternehmen jedoch keinen Gebrauch davon, da die Preise im Hauptabnehmerland Japan zu stark gefallen waren. In Japan gilt Finnwalfleisch als Nischen-Delikatesse, die unter anderem als Sashimi angeboten wird. Der Markt ist für ausländische Exporteure klein geworden, weil japanische Fischer selbst Finnwale erlegen.

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Zudem müssen sich Loftsson und seine Crew an neue, deutlich gesenkte Quoten halten. Das Meeresforschungsinstitut Islands (Hafrannsóknastofnun) und der Nordatlantische Meeressäugerrat (NAMMCO) haben die erlaubten Fangmengen für Finnwale und Zwergwale im April dieses Jahres reduziert. Im Gebiet Ostgrönland/Westisland dürfen nur 116 Finnwale erlegt werden, in Ostisland/Färöer lediglich 34 Tiere. Insgesamt sind es 150 Stück – ein Rückgang von 28 Prozent im Vergleich zur bisherigen Empfehlung. Für Zwergwale wurde eine Obergrenze von 168 Tieren (minus 23 Prozent) festgelegt.

Walfang in Island: Gesetzesreform soll endgültiges Aus bringen

Die zuständige Industrie- und Handelsministerin Hanna Katrín Friðriksson setzt sich dafür ein, das Walfangrecht zu reformieren. Gegenüber dem isländischen Rundfunksender RUV erklärte sie, die aktuelle Gesetzgebung sei ein Kind ihrer Zeit und die Situation alles andere als ideal. Wer eine gültige Lizenz besitze, dürfe bis auf Weiteres unter Einhaltung der Auflagen und Quoten Tiere erlegen. Bis zum kommenden Winter soll jedoch ein neuer Gesetzesentwurf entstehen, der den Walfang ein für alle Mal beendet.

Bevölkerung und Organisationen gegen Walfang

In der isländischen Bevölkerung zeichnet sich eine klare Tendenz gegen den Walfang ab. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts „Maskína“ sprachen sich knapp 49 Prozent der Befragten gegen eine Verlängerung der Jagd-Lizenz aus. 34,5 Prozent waren dafür, 16,5 Prozent enthielten sich. Auch zahlreiche Umweltorganisationen wie die isländische Umwelt- und Tierschutzorganisation Hvalavinir oder der International Fund for Animal Welfare (IFAW) fordern ein Ende des Walfangs.

Tatsächlich waren die Erfolge der Walfangunternehmen in den vergangenen Jahren nicht gerade üppig. Laut dem Portal „Salty Lava“ wurden 2018 und 2022 noch knapp 150 Wale gefangen, 2023 waren es nur 24 Stück – insgesamt nur ein Viertel der möglichen Quote.

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