Paris als Vorbild: Stadtplaner Carlos Moreno über die 15-Minuten-Stadt
Paris als Vorbild: Carlos Moreno über die 15-Minuten-Stadt

Immer mehr Menschen in Großstädten sehen sich mit explodierenden Mietpreisen, zunehmendem Leerstand und den negativen Folgen von Plattformen wie Airbnb konfrontiert. Viele sind gezwungen, aus den Metropolen wegzuziehen. Der renommierte Stadtplaner Carlos Moreno, der das Konzept der „15-Minuten-Stadt“ in Paris maßgeblich vorantreibt, erklärt im Gespräch, wie er diese Herausforderungen in der französischen Hauptstadt angeht und welche Lehren daraus für andere Städte wie Berlin gezogen werden können.

Die Idee der 15-Minuten-Stadt

Moreno beschreibt die 15-Minuten-Stadt als ein urbanes Modell, bei dem alle wichtigen Einrichtungen des täglichen Bedarfs – von Schulen über Ärzte bis hin zu Supermärkten und Grünflächen – in einem Radius von 15 Minuten zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar sind. Dies reduziert nicht nur den Autoverkehr, sondern fördert auch die lokale Gemeinschaft und senkt die Umweltbelastung. „Paris hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 eine echte 15-Minuten-Stadt zu werden“, betont der Stadtplaner.

Herausforderungen und Lösungen

Auf die Frage nach der aktuellen Wohnungskrise antwortet Moreno: „Die steigenden Mieten sind ein globales Phänomen, aber wir können gegensteuern, indem wir mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen und Leerstand bekämpfen.“ In Paris setzt man auf eine Mischung aus strengen Regulierungen für Kurzzeitvermietungen, dem Bau von Sozialwohnungen und der Umwidmung von Büroflächen in Wohnraum. „Berlin könnte von diesen Maßnahmen profitieren, allerdings muss jede Stadt ihren eigenen Weg finden“, fügt er hinzu.

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Autofreie Städte als Zukunft

Moreno ist überzeugt, dass autofreie Innenstädte unvermeidlich sind. „Der Verkehr ist nicht nur eine Lärm- und Schadstoffquelle, sondern auch ein Platzfresser. Wenn wir die Straßen zurückerobern, schaffen wir Raum für Begegnung und Erholung.“ In Paris wurden bereits zahlreiche Straßen in Fußgängerzonen umgewandelt und Radwege ausgebaut. „Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist hoch, sobald die Vorteile sichtbar werden“, so der Experte.

Vorbild und Herausforderung zugleich

Paris dient vielen Städten als Vorbild, doch Moreno warnt vor einer bloßen Kopie. „Jede Stadt hat ihre eigene Historie, Struktur und Bewohnerschaft. Was in Paris funktioniert, muss nicht in Berlin oder München gelingen.“ Entscheidend sei die Beteiligung der Bürger an der Planung. „Nur wenn die Menschen mitgenommen werden, können nachhaltige Veränderungen gelingen.“

Das Interview zeigt: Die 15-Minuten-Stadt ist kein utopischer Traum, sondern ein realisierbares Konzept, das bereits in einer der bekanntesten Metropolen der Welt umgesetzt wird. Für deutsche Städte bieten sich daraus wertvolle Impulse, um die drängenden Probleme der Urbanisierung zu bewältigen.

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