Kunstausstellung im Capital Club: Shen Jingdong zeigt „The Color of Smiles“
Im Capital Club am Gendarmenmarkt in Berlin-Mitte sind derzeit Werke des Pekinger Künstlers Shen Jingdong zu sehen. Der Künstler mischt reale Personen mit Comic-Figuren und schuf bereits Stühle mit Konterfeis von Hitler und Bin Laden. Die Ausstellung unter dem Motto „The Color of Smiles“ wird noch vier Monate lang zu sehen sein.
Leichtigkeit im Businessclub
Die Unternehmerin Yu Zhang lud am Montag zum Kunstfrühstück. Sie wollte nach eigenen Worten „Leichtigkeit in den Capital Club bringen“. Mit Kunst handele sie nicht. „Ich habe den Künstler im Mai in seinem Atelier bei Peking besucht und finde es spannend, wie er kulturelle Grenzen auflöst“, so Zhang. Hinter den niedlichen Gemälden beschäftige sich Jingdong mit der Frage: „Was ist Macht?“ Offene Gesellschaftskritik äußere er nicht, das sei unmöglich. Doch je länger man die Bilder betrachte, desto mehr entdecke man.
Besucherin Katharina Erdem über Merkel-Porträt
Die Berliner Unternehmerin Katharina Erdem, die das Merkel-Porträt besonders mag, traf die Ex-Kanzlerin 2014. „Sie hat mir die Hand gedrückt und gesagt: Wir brauchen mehr Führerinnen, mehr erfolgreiche Frauen. Das werde ich nie vergessen. Eine wie sie fehlt jetzt.“ Zu den bonbonbunten Gemälden Jingdongs meint Erdem: „Die größten Menschen mit den höchsten Positionen, die ich kenne, sind im Privatleben oft die zerbrechlichsten.“
Chinesische Perspektive auf Macht und Freiheit
Hong Shen Roskoden lebt seit über 30 Jahren in Berlin und betrachtet die Bilder interessiert. „China ist in den Augen des Westens kein freies Land. Doch wer dort aufgewachsen ist, blickt anders auf die Machthaber.“ Deutschland werde als zuverlässiger Partner geschätzt, deutsche Technologien genössen hohes Ansehen. Yu Zhang bestätigt: „Made in Germany ist noch immer ein Vorzug in China.“ Deutsche Autos wie Porsche, Maybach, Bentley seien Statussymbole, doch chinesische E-Autos könnten bereits 1000 Kilometer zurücklegen und seien billiger.



