Delfinweibchen erkennen aggressive Männchen und meiden sie bei der Paarung
Delfinweibchen erkennen aggressive Männchen

Eine neue Studie aus Australien belegt, dass Delfinweibchen ein bemerkenswertes Gedächtnis für aggressive Männchen haben. Forscherinnen und Forscher der Universität Bristol untersuchten in der Shark Bay an der Westküste Australiens, wie weibliche Delfine auf die Rufe von Männchen reagieren, die sie zuvor bedrängt hatten. Die Ergebnisse wurden im renommierten Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht.

Männchen bedrängen Weibchen tagelang

Während der Paarungszeit schließen sich männliche Delfine oft zu Gruppen zusammen, um Weibchen über Stunden oder sogar mehrere Tage hinweg zu umkreisen und von anderen Männchen fernzuhalten. Diese Strategie schränkt die Bewegungsfreiheit der Weibchen erheblich ein. Die Männchen verständigen sich dabei über spezielle Pfeiftöne, die es ihnen ermöglichen, einander zu erkennen und koordiniert vorzugehen.

Abwehrreaktionen auf bekannte Rufe

Das Team um Studienleiterin Stephanie King sammelte 34 charakteristische Pfeiftöne von Männchen und spielte sie unter Wasser ab. Mit Hilfe von Drohnen beobachteten sie die Reaktionen von 17 Weibchen. Das Ergebnis war eindeutig: Paarungsbereite Weibchen zeigten deutliche Abwehrreaktionen, wenn sie die Töne von Männchen hörten, die sie zuvor bedrängt hatten. Ältere, nicht paarungsbereite Weibchen reagierten hingegen nicht mit Abwehr.

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Strategische Partnerwahl

Die Forschenden interpretieren dieses Verhalten als Hinweis darauf, dass Delfinweibchen die Männchen über lange Zeiträume beobachten, wiedererkennen und auf Basis ihrer Erfahrungen entscheiden, mit wem sie sich paaren. In der Studie heißt es, die Weibchen könnten „ihre Beziehungen und die Partnerwahl strategisch steuern“. Dies unterstreicht die hohe soziale Intelligenz der Tiere.

Experten loben die Studie

Der Walforscher Mike Bossley, der nicht an der Untersuchung beteiligt war, lobte die Arbeit als „wertvolle Feldstudie, die die Komplexität von Delfingesellschaften bestätigt“. Er betonte, dass es im Wesentlichen darum gehe, die Persönlichkeit jedes Männchens zu kennen und diese Informationen zu nutzen, um zu entscheiden, wer der Vater des Kalbs sein solle.

Die Erkenntnisse erweitern das Verständnis über das Sozialverhalten von Delfinen und zeigen, dass Weibchen aktiv und gezielt Einfluss auf ihre Fortpflanzung nehmen können. Dies könnte auch Auswirkungen auf den Schutz dieser intelligenten Meeressäuger haben.

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