Ebola-Ausbruch in der DR Kongo: Drittgrößte Epidemie der Geschichte
Im Osten der Demokratischen Republik Kongo breitet sich das Ebolavirus weiter aus. Seit Mitte Mai 2026 kämpft das Land gegen den 17. Ausbruch der Seuche. Mit 1.307 bestätigten Erkrankungen und 377 Todesfällen handelt es sich bereits um den drittgrößten Ebolaausbruch aller Zeiten. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen, nachdem die neue Virusart Bundibugyo von Schnelltests zunächst nicht erkannt worden war.
Helferin vor Ort: Lage in Beni und Nord-Kivu
Theresa Berthold, 39, ist Projektkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen (MSF) in der Provinz Nord-Kivu. Sie leitet den Einsatz in der Stadt Beni, rund 200 Kilometer vom Ursprungsort des Ausbruchs in Ituri entfernt. „Vor etwa einer Woche konnten wir unsere tatsächliche Arbeit aufnehmen“, sagt Berthold. Zuvor habe man Isolationszentren und Teststrukturen aufbauen müssen. „Aktuell gibt es bei uns 22 bestätigte Fälle, von denen 17 Patienten bereits verstorben sind. Jeden Tag kommen zwei oder drei neue bestätigte Fälle hinzu, dazu 15 bis 30 Verdachtsfälle pro Tag.“
Keine Medikamente gegen Bundibugyo – aber Behandlung möglich
Für die Virusart Bundibugyo gibt es weder zugelassene Medikamente noch einen Impfstoff. „Das stimmt“, bestätigt Berthold. „Die Menschen in Beni fragen uns auch: Warum sollen wir überhaupt kommen?“ Dennoch könne man helfen: „Wir können Mittel gegen Fieber, Erbrechen oder Durchfall verabreichen, sie erhöhen die Überlebenschancen – aber eben nur, wenn die Patienten rechtzeitig kommen.“ Genau das sei das Problem: „Die Menschen kommen erst in die Gesundheitszentren, wenn es schon fast zu spät ist.“
Misstrauen und Gerüchte erschweren die Arbeit
Viele Menschen im Osten des Kongos glauben nicht an die Existenz des Virus. „Es gibt viele Gerüchte in den Gemeinschaften, und die Menschen haben wenig Vertrauen in die Gesundheitsversorgung“, erklärt Berthold. Bei früheren Ausbrüchen hätten Angehörige erlebt, wie Patienten lebend in Isolationszentren gingen und tot wieder herauskamen. Deshalb baue man die Zentren heute so, dass Patienten trotzdem gesehen werden können, um Gerüchten vorzubeugen. Zudem führt MSF Informationskampagnen durch: „Wir sprechen viel mit Gemeindevorstehern, mit führenden Persönlichkeiten. Auch sie wollen helfen, ihre Gemeinschaften zu beschützen.“ Geplant seien Aufklärungstouren mit lokalem Personal, unterstützt von Comedians. „Wir suchen gerade jemanden für Social Media, viele Informationen verbreiten sich auf Instagram oder TikTok.“
Sicherheitslage: Bewaffnete Konflikte und Angriffe
Berthold, die bereits 2014 in Sierra Leone den damals schlimmsten Ebolaausbruch erlebte, betont den Unterschied: „Dieser Einsatz ist sehr viel unsicherer.“ Im Ostkongo herrschten seit Jahrzehnten bewaffnete Konflikte. „Wir können einige Menschen nur schwer erreichen. Sie verbringen die Nacht hier in Beni, weil es nachts in ihren Dörfern zu unsicher ist.“ Hinzu komme die Bedrohung durch Menschen, die den Ebola-Maßnahmen misstrauen. „In der vergangenen Woche wurde ein Feuer in einem Zimmer eines Isolationszentrums gelegt. In anderen Teilen des Landes gab es bereits Angriffe.“
Schutzmaßnahmen: No-touch-Policy und ständige Desinfektion
Zum Eigenschutz gelte eine strikte No-touch-Policy: „Wir fassen einander nicht an. Gar nicht so anders als während Corona. Ich wasche und desinfiziere mir ständig die Hände.“ Für Kollegen, die mit Patienten arbeiten, gebe es abgestufte Schutzprotokolle – von Gummistiefeln und Visier bis zur Vollmontur auf den Isolierstationen. „Wir haben gut funktionierende Schutzmaßnahmen, aber die Angst vor einer Ansteckung schwingt natürlich mit. Wir messen auch ständig Fieber an allen Eingängen.“
Finanzierungskürzungen belasten die Hilfsarbeit
Internationale Geldgeber haben ihre Ausgaben für humanitäre Hilfe drastisch gekürzt, vor allem die USA und europäische Staaten wie Deutschland. MSF finanziert sich zu 98 Prozent aus Privatspenden, doch Berthold spürt die Folgen: „Andere Organisationen sind mit weniger Personen vertreten als bei früheren Ausbrüchen, und die Reaktion erfolgt langsamer. Die WHO würde normalerweise die Kontaktnachverfolgung übernehmen, aber die sind noch nicht da. Also machen wir das gerade. Wir müssen viel mehr abdecken, als wir das bislang mussten – aber mit denselben Mitteln.“
Ausbreitung des Virus noch unklar
Ob sich das Virus bereits in Beni selbst ausgebreitet hat oder nur durch Reisende aus Ituri eingeschleppt wurde, ist noch unklar. „Aktuell können wir noch nicht sagen, ob es sich bei den Kranken ausschließlich um Personen handelt, die persönlich aus Ituri nach Beni gereist sind, oder ob das Virus hier bereits grassiert. Die Gefahr besteht“, warnt Berthold.



