Düsseldorf – Martin Armknecht (64) gratuliert seinem alten Freund Georg Uecker (63) zum Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen, den dieser kürzlich von Ministerpräsident Hendrik Wüst (50, CDU) verliehen bekam. Der Schauspieler erinnert sich im Gespräch mit BILD an die gemeinsame Zeit in der Kultserie „Lindenstraße“ und die Folgen ihres berühmten Kusses.
Ein Kuss, der Geschichte schrieb
1990 sorgte der Kuss zwischen Robert Engel (Martin Armknecht) und Carsten Flöter (Georg Uecker) in der „Lindenstraße“ für große Aufregung. Es war der erste Kuss zwischen zwei Männern in einer deutschen Vorabendserie und löste eine Welle der Empörung aus. Armknecht, damals 28 Jahre alt, erhielt Morddrohungen und eine sogenannte „Hetero-Klausel“ in seinen Vertrag aufgenommen, die vorsah, dass seine Figur fortan auch heterosexuelle Beziehungen eingehen sollte.
„Für die Beliebtheit auf dem Bildschirm half die nur bedingt“, sagt Armknecht heute. „Ich hatte dann eine Serienfreundin und war ein bisexueller Drogendealer. Da wird man auch nicht automatisch zum Liebling des Publikums.“ Mit einem Schmunzeln fügt er hinzu: „Aber bei Frauen kam der Bösewicht ganz gut an.“
Der Wandel der Gesellschaft
Heute, 36 Jahre später, ist ein solcher Kuss in Serien völlig normal. Armknecht freut sich über die gesellschaftliche Entwicklung und betont, dass der Kuss vielen Männern geholfen habe, ihr Coming-out zu erleben. „Mir begegnen seit 30 Jahren immer wieder auch prominente Männer, die sagen, dass sie meinetwegen ihr Coming-out hatten“, erzählt er. „Die haben dann ihren Eltern gesagt: ,Guck mal, Mama, ich bin so wie der.’ Dann hätten die Eltern erwidert: ,Der ist doch völlig normal.’ Und es hieß: ,Ja, genau. Ich bin eben normal, aber schwul.’ Das hat wohl für viele Männer ganz viel gebracht.“
Georg Uecker erhält Verdienstorden
Georg Uecker, der als Carsten Flöter zum Publikumsliebling wurde, erhielt den Verdienstorden des Landes NRW für sein Engagement für die queere Gemeinschaft. „Die Auszeichnung ist parteiunabhängig und ich freue mich, dass ich bei der Verleihung in guter Gesellschaft bin, mit vielen anderen Menschen, die sich für die queere Gemeinschaft engagiert haben“, so Uecker.
Armknecht, der privat zweimal geschieden ist und eine Tochter hat, ist bis heute erfolgreich im Theater- und Filmgeschäft tätig. Er spielt unter anderem mit seiner engen Freundin Isabel Varell (64) in Köln und ist demnächst in der finalen Staffel von „Babylon Berlin“ zu sehen. Sein letzter Auftritt in der „Lindenstraße“ war 2017.
Der Kuss in der „Lindenstraße“ bleibt ein Meilenstein der deutschen Fernsehgeschichte. Armknecht resümiert: „Ich hatte mir damals vorgenommen, Robert Engel einfach als – in Anführungszeichen – normalen Menschen zu spielen. Keine überzeichneten Klischees!“



