Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit leidet seit Jahren an einer Lungenfibrose. Nun hat sich ihr Zustand verschlechtert, und die 52-Jährige muss sich auf eine Lungentransplantation vorbereiten. Doch wie genau läuft eine solche Operation ab, und wie hoch sind die Aussichten auf ein normales Leben danach? BILD hat mit zwei deutschen Experten gesprochen: dem Chirurgen Prof. Dr. Fabio Ius von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und dem Pneumologen Prof. Dr. Christian Taube von der Universitätsmedizin Essen Ruhrlandklinik.
1. Schritt: Vorbereitung und Auswahlverfahren
Bevor ein Patient auf die Transplantationsliste gesetzt wird, müssen alle anderen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sein. Zudem muss der Patient fit genug für die Operation sein, und bösartige Erkrankungen müssen ausgeschlossen werden. Deutschland ist Mitglied von Eurotransplant, der Vermittlungsstelle für Organspenden in acht Ländern: den Benelux-Staaten, Deutschland, Österreich, Slowenien, Kroatien und Ungarn. „Wenn ein Spenderorgan verfügbar ist, müssen Blutgruppe und Körpergröße zum Patienten passen“, erklärt Prof. Ius. Treffe dies zu, werde die Operation eingeleitet. Transplantationstourismus sei selten. „Mette-Marit kann nicht einfach in Deutschland operiert werden, es sei denn, die Transplantation wäre in Norwegen nicht möglich“, so der Chirurg.
2. Schritt: Operation und Krankenhausaufenthalt
In Deutschland werden jährlich etwa 330 Lungentransplantationen durchgeführt, ein Drittel davon an der MHH. „Bei uns ist eine minimal-invasive OP Standard, das bedeutet, dass zwei kleine Schnitte unter der Brust gesetzt werden“, erklärt Prof. Ius. Zuerst wird der alte rechte Lungenflügel entfernt und der neue rechte Lungenflügel der Spenderlunge implantiert. „Die Patienten atmen dann für kurze Zeit nur mit einem Lungenflügel. Viele benötigen daher Unterstützung durch eine ECMO, eine Art externe Lunge“, so der Chirurg. Anschließend wird der linke Lungenflügel transplantiert. In Ausnahmefällen wird nur eine Seite transplantiert oder mit der linken Seite begonnen. Die Operation dauert etwa vier bis fünf Stunden. Danach kommt der Patient auf die Intensivstation. „Die Mehrheit der Patienten kann bereits am nächsten Tag auf die Normalstation verlegt werden, wo sie etwa 21 Tage bleiben“, sagt Prof. Ius. Im Anschluss folgt eine rund dreiwöchige Reha, danach eine lebenslange Nachsorge. Etwa 90 Prozent der Patienten überleben das erste Jahr.
3. Schritt: Nachsorge und Leben mit einer Spenderlunge
Was nach der Transplantation besonders wichtig ist, weiß Prof. Dr. Taube: „Die Patienten sind langfristig eng an das Transplantationszentrum angebunden und kommen regelmäßig zur Nachsorge. Im Mittelpunkt stehen lebenslang Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, um eine Abstoßung des Organs zu verhindern.“ Die Prognose bei Lungentransplantationen sei jedoch schlechter als bei anderen Organen. So komme es in 50 Prozent der Fälle innerhalb von fünf Jahren zu einer chronischen Abstoßungsreaktion des Körpers. Manchmal sei dann eine erneute Transplantation möglich, aber nicht bei allen Patienten. Viele überleben diese Komplikation nicht. Prof. Taube ist auch Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), die kürzlich eine neue Leitlinie zur Nachsorge nach einer Lungentransplantation veröffentlicht hat. „Darin gibt es genaue Empfehlungen zur Immunsuppression, zur Häufigkeit von Untersuchungen, zur Lungenspiegelung und zu möglichen Infektionen“, erklärt der Pneumologe.



