Tricky, Zucchero & Co.: Konzerttipps für die kommende Woche in Berlin
Tricky, Zucchero & Co.: Konzerttipps für Berlin

Showdown in Neukölln: Tricky kehrt zurück

Lange vor Harry Styles hatte Tricky einen Wohnsitz in Berlin – nur weniger glamourös. Der Trip-Hop-Visionär kehrt für einen Auftritt in seine temporäre Wahlheimat zurück. Wir haben außerdem weitere Konzertempfehlungen für die kommende Woche zusammengestellt: einen Italiener mit Reibeisenstimme, britische Nirvana-Klone, neuseeländische Reggae-Superstars, Lieder aus der Hüpfburg und eine Songwriterin mit Heavy-Metal-Camouflage.

1. Tricky

Harry Styles ist der prominenteste, aber nicht der erste britische Popstar, den der räudige Charme Berlins magisch anzog. Schon vor über zehn Jahren erfasste Tricky das Berlin-Fieber. Der visionäre Klangschöpfer aus der Trip-Hop-Brutstätte Bristol hatte jedoch nicht die Kohle für ein Loft in Mitte, sondern musste sich mit einer Behausung im damals noch nicht so hippen Neukölln begnügen. Adrian Thaws, wie Tricky bürgerlich heißt, wurde 1968 in Knowle West geboren, einer prekären Gegend von Bristol. Sein Vater, ein Reggaemusiker, der ihm 14 Halbgeschwister bescherte, verließ die Familie früh; seine Mutter nahm sich das Leben, als Adrian vier war. Seine Großmutter, bei der er aufwuchs, ließ ihm viel Freiraum, den er für exzessiven Horrorfilmkonsum und jugendliche Kleingangstersünden nutzte. All das spiegelte sich in seiner Musik wider. Nach Erfahrungen als Sänger bei den Trip-Hop-Pionieren Massive Attack trat er 1995 mit einem Paukenschlag ins Rampenlicht. Sein Debütalbum „Maxinquaye“ (eine Hommage an seine Mutter Maxine Quaye) war ein Meisterwerk, das die Katakombenklänge von Portishead noch unterkellerte. Trickys von schweren Beats vorangetriebene Düsterschleicher trugen Titel wie „Hell Is Round the Corner“ und klangen auch so. Als Trip-Hop-Artist wollte er nie gelten; seine Musik veränderte sich permanent, integrierte Trends von Drum ’n’ Bass bis Dubstep und wurde auf Alben wie „Angels with Dirty Faces“ (1998) zum apokalyptischen Blues für Großstadtneurotiker. Reich wurde Thaws damit nicht, was Rastlosigkeit und ruppige Umgangsformen beitrugen. Im Juli erscheint sein 15. Album „Different When It’s Silent“, auf dem er sich dem nächtlichen Trademark-Sound des Debüts wieder annähert. Und Neukölln? War dem Wandergeist keine dauerhafte Heimat – der nächste Versuch war Toulouse.

2. Zucchero

Ein einziger Buchstabe machte 1989 aus „Oro, Incenso & Mirra“ (Gold, Weihrauch und Myrrhe) das weniger sakrale „Oro Incenso & Birra“ (Gold, Weihrauch und Bier). Das entsprach dem rauf- und sauflustigen Image des italienischen Bluesrockers, dem mit diesem Album der internationale Durchbruch gelang. Gaststars wie Eric Clapton oder Springsteen-Saxofonist Clarence Clemons sorgten für Furore. Zucchero, bürgerlich Adelmo Fornaciari, erhielt seinen Künstlernamen von einer Grundschullehrerin und ist mit Reibeisenstimme und festgetackertem Hut seit fast vier Jahrzehnten aus der Italopop-Szene nicht wegzudenken. Auf der aktuellen Tour feiert der 70-Jährige das 25. Jubiläum seines Superhits „Baila (Sexy Thing)“ von 2001, dürfte aber auch seinen größten Hit „Senza una donna“ aus dem Jahr 1991 auf der Setlist haben.

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3. Fat Freddy’s Drop

Die neuseeländische Band Fat Freddy’s Drop gehört zu jenen Acts, deren Magie sich erst im Konzert vollends entfaltet. Im Zusammenspiel des achtköpfigen Bühnenkollektivs verwandelt sich die bekiffte Ziellosigkeit ihrer Songs in einen gemächlichen, aber unaufhaltsamen Stream of Groovyness. Mit ihren Dub-Reggae-Infusionen wurden sie in den Nullerjahren in ihrer Heimat zu Stars. Ihr Ruhm verbreitete sich auch in der nördlichen Hemisphäre und wird am Abendhimmel über der Zitadelle Rauchzeichen gemeinsamen Musikgenusses hinterlassen.

4. Bush

Als Bush 1994 ihr Debütalbum „Sixteen Stone“ veröffentlichten, hinkten sie dem Zeitgeist hinterher. Die Grunge-Welle hatte nach den Erfolgen von Nirvana, Pearl Jam und Co. ihren Höhepunkt überschritten. Doch der Suizid von Kurt Cobain hinterließ eine Leerstelle, die Bush-Sänger Gavin Rossdale auszufüllen bereit war. Auf Hits wie „Everything Zen“ und „Glycerine“ kam er dem Nirvana-Sänger stimmlich beängstigend nahe. Bush bauten darauf eine erstaunlich konsistente Karriere mit inzwischen zehn wohlgelittenen Platten auf.

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5. Gelli Haha

„Bounce House“ (Hüpfburg) ist nicht nur der Titel eines eingängigen Songs auf „Switcheroo“, dem Debütalbum von Gelli Haha. Es könnte auch die Arbeitsmaxime der 29-jährigen Amerikanerin sein, die bürgerlich Angel Abaya heißt und unter diesem Namen bereits zwei harmlose Platten veröffentlicht hatte, ehe sie sich als quietschbunte Fantasiefigur neu erfand. Gelli Haha schreckt vor keinem stilistischen No-Go zurück, kombiniert Spielzeugklänge mit professioneller Studiotechnik zu einem infantil-anarchischen Dancefloor-Pop, der in der Sesamstraße genauso gut funktionieren könnte wie im Berghain.

6. Skullcrusher

Der Name Skullcrusher lässt an eine brachiale Heavy-Metal-Band denken, doch dahinter verbirgt sich Helen Ballentine aus New York. Ihr irreführendes Alias täuscht: Ballentine zelebriert als Skullcrusher einen labyrinthisch verspulten, aber aggressionsfreien Folkpop, dessen Wurzeln bis zu Genre-Legenden wie Vashti Bunyan oder Sandy Denny zurückreichen. Ihr Debütalbum „Quit The Room“ aus dem Jahr 2022 war eine beachtliche Masterclass in kontemplativer Songwriter-Konzentration.