WM-TV-Zeugnis: Hummels und Klopp als Gewinner, Streich und ZDF als Flops
WM-TV-Zeugnis: Hummels und Klopp top, Streich und ZDF flop

Deutschland ist raus, doch die WM ist in vollem Gang. Auch abseits des Platzes wird viel geboten: singende Experten, brüllende Kommentatoren, drei Sender, drei Wochen, hunderte Stunden Live-Programm. Zeit für das große TV-Urteil der BILD am Sonntag.

Top: Mats Hummels – der Tacheles-Texter

Jetzt bekommen wir eine Ahnung, was seine Ex-Trainer meinen, wenn sie vom hummelschen Killer-Gen berichten. Gestartet als solider, braver Magenta-Mitarbeiter, hat Mats Hummels (37) im Gegensatz zur DFB-Elf eindrucksvoll bewiesen, dass er ein Turnier-Experte und Tacheles-Texter sein kann. Hummels forderte als Erster in der Nacht den Nagelsmann-Rücktritt und Spieler-Konsequenzen. In den Tagen danach legte er mit Tiefgang nach: „Was war in den vier Jahren Nagelsmann-Amtszeit wirklich gut?“ An der Seite von Primetime-Queen Laura Wontorra (37) lieferte Hummels journalistisch starke Sendungen ab. Ein Duo mit Zukunftspotenzial!

ARD-Turteltauben: Schweinsteiger und Sedlaczek

„Hier sind die beiden Engelchen aus LA …“ Wenn Moderatorin Esther Sedlaczek (40) und Hobby-Sänger Bastian Schweinsteiger (41) für die ARD auf Sendung sind, fehlt manchmal der analytische Tiefgang, dafür ist der Gefühls-Tango garantiert: Frotzeleien, Fragen, Unterhaltungs-TV auf Top-Niveau. Selbst die Recherche nach einem möglichen Schweini-Job beim DFB wird zum Schmunzel-Moment. „Esther, mit dir und der ARD habe ich doch den schönsten Job der Welt.“ „Völler und Klopp wären für mich das Dream-Team“, sagt Schweini und zeigt freiwillig seinen Spickzettel in die Kamera. Die Sedlaczek sucht „die Leine“, um ihn vom Ausreißen abzuhalten. Kein TV-Duo harmoniert besser als die beiden ARD-Turteltauben.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

MagentaTV: Klopp und Müller – die Gebrüder TNT

In der Branche wird von rund 200 Millionen Euro gemunkelt, die die Telekom für ihr WM-Rechtepaket gezahlt haben soll. On top kommen weitere Millionen für ein weltmeisterliches Expertenteam inklusive Dachterrassen-Studio in New York. Eine Investition, die sich für den MagentaTV-Zuschauer maximal gelohnt hat. Das wird selbst DFB-Chefkritiker Rudi Völler (66) eingestehen müssen, der sich ob der Noch-Affäre zwischenzeitlich im Comedy-Programm wähnte. Weltmeister Thomas Müller (36) und der designierte Nagelsmann-Nachfolger Jürgen Klopp (59) haben mit dem „Head of Global Magenta Show“ Johannes B. Kerner (61) direkt in ihrer ersten gemeinsamen Experten-Sendung derart viel Lach- und Nachrichten-Sprengstoff angerührt, dass sie als Gebrüder TNT in die WM-Historie eingehen werden. Wie Klopp als Bundestrainer in künftigen Interviews mit den Ex-TV-Kollegen umgeht, wird extrem spannend. Arbeitszeile für Müller: Comedy meets Klopp!

Breakfast Club: Die frühe Perle als WM-Gewinner

Warum schaffen das die Öffentlich-Rechtlichen nicht? Während ARD und ZDF uns nach durchspielten WM-Nächten mit gefühlten 5-Minuten-Sportblöcken im Morgenmagazin abspeisen, hat MagentaTV mit dem „Breakfast Club“ eine frei empfangbare Frühstücksoase geschaffen. Von 7 bis 9 Uhr gibt es alles aus der Nacht und darüber hinaus. Oft in der Runde dabei: Chef-Humorist Micky Beisenherz (49), Schiri-Sabbelmaschine Patrick Ittrich (47) und die herrlich unkonventionelle und super meinungsstarke Weltmeisterin Tabea Kemme (34), die auch mal in Badeschlappen und Bollerbuchse kommt und im Wohnmobil vor dem Studio pennt. Selten hat Fernsehen zum Aufstehen so viel Laune gemacht. Leider endet das Format mit dem Achtelfinale – Grund: reduzierter WM-Nachtbetrieb. Mensch, Infantino!

Flop: Christian Streich – der Taktiktafel-Quälgeist

Welcher Mundart-Liebhaber ist beim ZDF nur auf diese irre Idee gekommen, Ex-Freiburg-Trainer Christian Streich (61) als WM-Experten zu engagieren? Höhepunkt: Vor dem deutschen Untergang schiebt er die Magnete im Affenzahn über die Old-School-Taktiktafel und babbelt schwer verständliches Zeug. Sogar Co-Expertin Fritzy Kromp (41) verdreht es die Augen. Per Mertesacker (41) flüstert leise, aber hörbar „zu schnell gemacht“. Taktik-Analysen aus der Hölle. Wie es moderner geht? Einfach mal bei Taktik-Papst Jan Henkel (52, MagentaTV) vorbeischauen. Gut, dass der Badisch-Crashkurs mit dem Chrischschtian bald over isch.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Flop: ZDF – die Koma-Arena

Jumbo-Sofa im Berlin-Studio, endlose Expertenrunden, kaum WM-Nähe. Stimmungskiller ZDF! Das dezentrale Sendekonzept ist nach Olympia einmal mehr gefloppt. Im Fernsehgarten gilt nach Suff-Vorfällen neuerdings ein Alkoholverbot. Der Atmosphäre in der komatösen WM-Arena hätten ein paar Runden Freibier wohl nicht geschadet. Erkenntnis: Das ZDF hat seinen Top-Experten Christoph Kramer (35) und Per Mertesacker (41) unnötig Redezeit sowie dem eigenen Programm exklusive Zugänge in den USA geraubt. Erst Kommentator-Legende Béla Réthy (69) in Rente geschickt, jetzt das. Warum wrackt das ZDF sich ab?

Flop: Christian Straßburger – der Brüll-Automat

Sie haben einen ausgeprägten Brüll-mich-an-Fetisch und stehen auf schräge Sprachbilder? Dann sind Sie bei MagentaTV und Kommentator Christian Straßburger (37) exakt richtig! „In ANKAAARAAAAAA wird jetzt geweint!“, schreit der „Strassi“ beim Türkei-Spiel. Der Kanadier Promise David ist für ihn „halb Mensch, halb Feuerzeug – was der alles anzündet!“ Der Schweizer Embolo, krakelt Straßburger, „könnte bei IKEA auch als Schrankwand durchgehen. Name: Riccola!“ Straßburger liebt seinen Job, er ist der „Mr. 1000 Volt“ der Telekom, ein Wolff Fuss auf 100 Liter Red Bull. „Machen Sie die Lautstärke auf Maximum“, fordert er ungeniert. Ich sage: Drehen Sie ihn lieber leise! Dann schmerzt er weniger und macht teils sogar Spaß.

Flop: WM-Songs – Schlaflos mit Helene

Danke, liebe ARD! Ihr habt dem Druck standgehalten und seid ohne „eigenen“ WM-Song am Start. Woher kommt überhaupt dieses bescheuerte Pflichtgefühl, immer eine Erkennungsmelodie haben zu müssen? Das ZDF („Kurz für immer“ von Wincent Weiss) und vor allem MagentaTV („Heute Nacht“ von Helene Fischer) sind dem ollen Quoten-Prinzip, ihre Zuschauer mittels Musik-Hypnose vom Umschalten abzuhalten, unglücklicherweise treu geblieben. So bemerkt man nach 24 WM-Tagen und durchschwitzten Helene-Nächten (diese 3-Uhr-Anstoßzeit ist ein Albtraum), wie langsam die Hirnschmelze einsetzt. Bitte, liebes Magenta, stop the music! Ich gehe auch mit dem Straßburger zum Fischer-Konzert und brülle lauter als er.

Ganz okay: Lili Engels – Mrs. Einzelkämpferin

Als die Veteranin des deutschen TV-Fußballs, Katrin Müller-Hohenstein (60), aus Berlin die Live-Schalte zu Lili Engels (29) nach Boston einleitet, befürchtet der Zuschauer Schlimmstes. „Lili, Du stehst dort im 1-Million-Dollar-Spot, erzähl uns, was spürst Du da“, fragt die KMH und meint den Mittelkreis, in dem die junge ZDF-Reporterin steht. Engels berichtet aufgedreht von einem „anderen Fokus“, „Gefühl“, „Spannung“ und „Würze“, die sie mit Blick auf die Nationalelf vor dem Paraguay-Anpfiff erspäht. „Ich bin bereit“, ruft sie noch. Dass der Mittelkreis aus DFB-Sicht später zum Million-Dollar-Schrott wird, ahnt sie da noch nicht. Traurig: Das ZDF hat sie als Einzelkämpferin vor die Kamera geschickt. Bedenkt man all das, macht sie am Ende im Nagelsmann-Interview einen ordentlichen Job.

Ganz okay: Tom Kaulitz – Heidis Fanman

„Wir benötigen noch einen USA-affinen Showstar, der Deutsch spricht …“ Man kann sich lebhaft vorstellen, wie die Casting-Konferenz bei Magenta ausgesehen haben muss, als es um die vielen zu besetzenden Experten-Stellen für die WM ging. Erst hat jemand den Namen Thomas Hayo (57) gerufen, Hardcore-Bayern-Fan und Wahl-New-Yorker seit über 30 Jahren. Und der Model-Guru hat dann gleich eine weitere Idee im Gepäck: den Bayern-Buddy und Mann seiner Super-Freundin Heidi Klum, Musiker Tom Kaulitz (36). Ergebnis: Kaulitz und Hayo füllen Sendestrecke bei Magenta, Kaulitz führt sogar Interviews, unter anderem mit DFB-Star Tah, den er zum Gebetskreis nach dem Curacao-Spiel befragt. Das haben wir auf anderen Sendern schlechter gesehen.

Ganz okay: Lea Wagner – solide schwanger

Dürfen werdende Mütter wie ARD-Frau Lea Wagner (31) hochschwanger im TV arbeiten? Es ist eine der wohl bescheuertsten Fragen, die in den letzten WM-Wochen deutschlandweit diskutiert wurde. Natürlich dürfen sie das! Weder die Wagner noch ihre schwangere MagentaTV-Kollegin Laura Hofmann (32) sind plötzlich ansteckend oder inkompetent. Wagner moderiert solide, man schaut ihr gerne zu. Trotzdem darf sie gerne noch zulegen, um ihren Gesprächspartnern mehr zu entlocken.