WM-Alternativen im TV: Radcliffe als furzende Leiche, Guinness in acht Rollen
WM-Alternativen: Radcliffe als furzende Leiche, Guinness in acht Rollen

Die TV-Spielfilmtipps fürs Wochenende bieten spektakuläre Rollenwechsel von Daniel Radcliffe und Alec Guinness. Der Harry-Potter-Star spielt einen furzenden Leichnam, während Sir Alec Guinness gleich acht verblichene Adlige verkörpert – mörderisch gute Alternativen zur Fußball-WM.

Der gestiefelte Kater: Der letzte Wunsch

Mit Hut, Mantel, Degen, den berühmten Stiefeln sowie dem spitzen spanischen S und dem rollenden R (im Original von Antonio Banderas gesprochen) hatte der Kater in „Shrek 2“ seinen ersten Auftritt. Der erste Langfilm floppte, doch der bessere zweite Teil zeigt den milchsaufenden Kämpfer, der erfährt, dass er acht seiner neun Leben bereits verspielt hat und sich schonen soll. Er landet im Katzenseniorenheim, was er jedoch nicht wirklich genießen kann. Mit dem verrückten Hund Perro macht er sich auf die Suche nach dem magischen Wunschstern, der ihm seine neun Leben zurückbringen soll. In den Weg kommen ihm Goldlöckchen und ihre Bären, der böse Wolf, der gruselige Gevatter Tod und die ehemalige Geliebte Kitty Samtpfote, die nicht gerade gut auf den alten Charmeur zu sprechen ist.

James Bond 007: Der Hauch des Todes

Nachdem feststand, dass Roger Moore nicht für einen weiteren James-Bond-Film zur Verfügung stehen würde, waren für das neue Drehbuch, dessen erster Teil auf Ian Flemmings Kurzgeschichte „The Living Daylights“ basiert, vor allem zwei Schauspieler in der engeren Auswahl: Pierce Brosnan und Timothy Dalton. Nachdem Brosnan nicht aus seinem Vertrag für die TV-Serie „Remington Steele“ aussteigen konnte, erhielt Dalton, der bisher als Shakespeare-Mime und durch Literaturverfilmungen aufgefallen war, den Zuschlag. Die Produzenten nutzten dieses Image, um nach Moore einen ernsthafteren Bond-Typus einzuführen, der sich enger an der literarischen Vorlage orientierte. Daran misst sich auch die Bewertung in der ewigen Bond-Hitliste. Die einen vermissen den Humor, die anderen halten „Den Hauch des Todes“ für eine der authentischsten Ausgaben des Bond-Franchises. Was zuerst wie ein heißer Krieg zwischen West und Ost aussieht, führt James Bond bis nach Afghanistan. Dort wird klar, dass die Machenschaften weniger mit Politik als mit schierer Habgier zu tun haben. Bonds Gegenspieler Necros wurde von dem deutschen Schauspieler Andreas Wisniewski verkörpert.

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Swiss Army Man

Bevor „die Daniels“ mit „Everything Everywhere All at Once“ 2023 sieben Oscars abräumten, ermöglichten sie 2016 in ihrem Langfilmdebüt Daniel Radcliffe den radikalsten seiner zahlreichen Versuche, mit seinem Image als bekanntester Kinderdarsteller der Welt zu brechen: In „Swiss Army Man“ verkörperte der junge Mann, der Harry Potter war, eine furzende Leiche. Der Schiffbrüchige Hank (Paul Dano) ist kurz davor, Selbstmord zu begehen, als er am Strand Manny (Daniel Radcliffe) entdeckt. Der ist zwar mausetot, doch eignet sich die Leiche hervorragend als Surfbrett mit Furzantrieb, als Wasserspender und als Gewehr. Eine wahre Multifunktionsleiche. Im Grunde geht es bei all dem makabren Humor um etwas ganz anderes: Hank ist ein Loser, der an der Zivilisation mit ihren Regeln gescheitert ist. Manny, der in Hanks Fantasie immer munterer werdende Tote, agiert hingegen völlig frei von Zwängen: Er ist so ungehemmt, wie Hank es gerne wäre. So ganz geht der Mix aus Fantasy, Charakterstudie, Zivilisationskritik und Humor nicht auf, dennoch ist die gut gespielte Geschichte einer seltsamen Freundschaft sympathisch.

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Blue Beetle

Jaime Reyes, Spross mexikanischer Einwanderer in der mondänen US-Küstenmetropole Palmera City, verschmilzt mit einem geheimnisvollen Artefakt, das ihm eine Rüstung mit Superkräften verleiht. Dadurch geraten er und seine Familie ins Visier eines Rüstungskonzerns, der die außerirdische Technologie für Waffen nutzen will. Nach mehreren Flops in Serie kommt die erste DC-Comicverfilmung mit einem Latino-Superhelden vermutlich zu spät, um noch ein Kassenschlager zu werden. Als Origin Story ist „Blue Beetle“ sympathisch und lustig, aber auch etwas überladen. Zudem wirken manche Motive wie kompiliert aus Spider-Man (junger, tapsiger Held wider Willen), Venom (Alien-Symbiont) und Iron Man (Rüstung). Auf der Habenseite ist die mit mexikanischen Stars wie Adriana Barraza und Damián Alcázar perfekt gecastete Familienbande zu nennen, deren turbulente Interaktionen humorvoll die Klischees lateinamerikanischer Seifenopern spiegeln. Eher kurios fehlbesetzt ist Susan Sarandon als böse CEO, die zu wenig Screen Time hat, um wirklich furchteinflößend zu sein. So bleibt „Blue Beetle“ eine kurzweilige Episode im sommerlichen Superhelden-Kinogeschäft.

Notting Hill

Es ist über ein Vierteljahrhundert her, dass Superstar Anna Scott (Julia Roberts) Buchladenbesitzer William Thacker (Hugh Grant) zu überzeugen versuchte, dass sie einfach nur ein Mädchen sei, das vor einem Jungen stünde, um ihn zu bitten, sie zu lieben. Inzwischen ist aus dem charmant-bunten Viertel Notting Hill eines der teuersten Pflaster Londons geworden, der Film trug ganz entscheidend zum Gentrifizierungsprozess bei. Auch Hugh Grant bezeichnet die damalige Zeit mit „Notting Hill“ und „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ als seine alte Karriere. Inzwischen brilliert er in ausgesprochen unangenehmen Charakterrollen. Ihn noch einmal als Schwiegermutterliebling mit floppy hair zu sehen, macht immer wieder Spaß. Regisseur Roger Michell und Drehbuchautor Richard Curtis schufen einfach einen süßen, charmanten Liebesfilm, der sehr gut altert.

Adel verpflichtet

Der Verkäufer Louis möchte sich an seiner adligen Familie rächen, die einst seine Mutter verstieß, da sie unstandesgemäß den italienischen Opernsänger Mazzini geheiratet hatte. Um selbst Herzog zu werden, muss er allerdings alle Personen um die Ecke bringen, die in der Erbfolge vor Louis stehen – insgesamt acht Personen. Diese acht Rollen übernahm in Robert Hamers britischer Kultkomödie Sir Alec Guinness mit unglaublicher Wandlungsfähigkeit. Im Jahr 1999 wählte das British Film Institute „Adel verpflichtet“ auf Platz 6 der besten britischen Filme aller Zeiten.