Berlin. Der Musikkabarettist William Wahl gastiert mit zwei Soloabenden in der Berliner Wühlmäuse. Im Gespräch erzählt der 52-Jährige von seinem neuen Programm „Wahlweise“, seiner musikalischen Entwicklung und seiner Leidenschaft für AC/DC.
Programmtitel „Wahlweise“ mit doppeltem Sinn
Der Titel seines dritten Soloprogramms spielt bewusst mit der deutschen Sprache. „Die ‚Weise‘ bezieht sich auf die Melodie und gleichzeitig auf die eine oder andere Lebensweisheit, die ich vermittle und einflechte“, erklärt Wahl. Es gehe um Dinge, die nicht nur amüsant seien, sondern die man vielleicht mitnehmen könne.
Keine politischen Botschaften
Anders als viele Künstler verzichtet Wahl bewusst auf politische Belehrungen. „Ich finde es sehr schwierig, Lieder zu machen, die in dieser Hinsicht deutlich und gleichzeitig künstlerisch noch attraktiv sind“, sagt er. Zudem glaube er nicht an die Wirksamkeit einer belehrenden Haltung auf der Bühne. „Das erreicht die Menschen nicht, die sowieso schon eine Meinung haben. Und diejenigen, bei denen man hofft, dass sie andere Meinung einnehmen, fühlen sich belehrt.“
Auszeichnung mit dem Deutschen Kleinkunstpreis
Für seine künstlerische Arbeit erhielt Wahl den Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte Musik. „Besser geht es in Deutschland nicht. Das ist das Größte, was ich in meiner Szene erreichen kann“, freut er sich. Dass seine Arbeit als Kleinkunst bezeichnet wird, stört ihn nicht, auch wenn der Begriff nicht besonders „sexy“ sei. „Aber wir haben in Deutschland nun mal keine besseren Begriffe. Deshalb muss ich damit leben.“
Von Basta zur Solokarriere
Nach 30 Jahren mit seiner A-cappella-Band Basta trennte sich die Gruppe 2023. „Es war eine gute Zeit, aber irgendwann erschöpfte es sich kreativ und energetisch“, erklärt Wahl. Man habe bewusst zu einem Zeitpunkt aufgehört, an dem alle Beteiligten und das Publikum bedauern würden. Mittlerweile ist er solo erfolgreicher als je zuvor. „Damit war nicht zu rechnen, darauf war nur zu hoffen. Es ist aber so gekommen.“
Work-Life-Balance und Social Media
Obwohl Wahl ständig präsent scheint, spielt er nur etwa acht Konzerte im Monat. „Das ist eine ganz angenehme Work-Life-Balance“, sagt er. Social Media habe ihm zum Soloerfolg verholfen, auch wenn es nicht ohne Mühe sei. „Insofern bin ich froh, dass es diesen Kanal gibt.“
Musikalische Anfänge und A-cappella
Schon als Kind wollte Wahl Jazzmusiker werden. Mit drei Geschwistern wuchs er in einem musikalischen Haushalt auf. „Ich habe als Einziger von uns vieren gemerkt, dass das eine Sprache ist, die mich wirklich bewegt.“ In der Oberstufe gründete er mit Freunden eine Straßenmusikgruppe, aus der sich schnell das A-cappella-Singen als erfolgreichste Form herauskristallisierte.
Kinderbuchreihe über legendäre Bands
Neben der Musik ist Wahl auch Autor einer Kinderbuchreihe, in der er Bands wie die Rolling Stones, Queen, die Beatles, Kraftwerk und AC/DC vorstellt. „Ich hatte zum Beispiel mit AC/DC überhaupt nichts am Hut“, gesteht er. Doch durch intensive Recherche sei er nachträglich zu einem Fan geworden. Als nächstes plant er ein Buch über Take That – eine Band, die für eine ganze Generation prägend sei.
Konzerte in den Wühlmäusen
William Wahl tritt am 27. Juni und 19. November mit „Wahlweise“ sowie am 28. Juni und 20. November mit „Nachts sind alle Katzen grau“ in den Wühlmäusen auf. Beginn ist jeweils um 20 Uhr.



