Die Galerie Photokunst in Berlin präsentiert unter dem Titel „Wahlverwandtschaften“ eine außergewöhnliche Ausstellung, die Werke namhafter Fotografen in einen Dialog setzt. Die Schau offenbart verblüffende Parallelen und Analogien zwischen Aufnahmen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Kurator Peter Zander, Kultur-Redakteur, beschreibt die Ausstellung als ein „Memory-Spiel“ der Bildwelten.
Spiegelungen und Doppelgänger
Ein zentrales Motiv der Ausstellung sind Spiegelungen und Doppelgänger. So zeigt Lillian Birnbaums Porträt „Hannah und Spiegel“ eine junge Frau, die in einen Spiegel blickt, während Max Schelers Aufnahme „Romy Schneider während einer Drehpause“ die Schauspielerin in einer ähnlich reflexiven Pose darstellt. Die beiden Bilder, die in der Ausstellung nebeneinander hängen, wirken wie ein visuelles Echo. „Es ist, als ob die Fotografien miteinander kommunizieren“, erklärt Zander. „Ich habe Memory gespielt mit den Bildern und dabei erstaunliche Wahlverwandtschaften entdeckt.“
Chemie zwischen den Bildern
Der Ausstellungstitel „Wahlverwandtschaften“ ist bewusst gewählt. Er verweist auf Goethes Roman, in dem chemische Anziehungen als Metapher für menschliche Beziehungen dienen. Ähnlich verhält es sich mit den Fotografien: Sie gehen Verbindungen ein, die über das Offensichtliche hinausgehen. Die Schau umfasst Arbeiten von Künstlern wie Henri Cartier-Bresson, Robert Mapplethorpe und Nan Goldin. „Die Bilder stammen aus verschiedenen Epochen und Kontexten, aber sie treten in eine Art chemische Reaktion miteinander“, so Zander.
Konkrete Beispiele für Analogien
Ein weiteres Beispiel ist die Gegenüberstellung von Cartier-Bressons „Der entscheidende Augenblick“ und Mapplethorpes „Lisa Lyon“. Beide Aufnahmen zeigen eine Figur in einer dynamischen, fast tänzerischen Bewegung. Die formale Ähnlichkeit ist verblüffend, obwohl die Motive völlig unterschiedlich sind. Insgesamt sind rund 40 Werke in der Ausstellung zu sehen, die in Zweier- oder Dreiergruppen arrangiert sind. „Jede Kombination erzählt eine eigene Geschichte“, betont der Kurator.
Ausstellungsdetails und Besuchshinweise
Die Ausstellung „Wahlverwandtschaften“ ist noch bis zum 30. September 2026 in der Galerie Photokunst in Berlin-Mitte zu sehen. Geöffnet ist täglich außer montags von 11 bis 19 Uhr. Der Eintritt beträgt acht Euro, ermäßigt fünf Euro. Weitere Informationen unter www.photokunst-berlin.de.



