Jeden Freitag stellen vier Musikjournalistinnen und -journalisten ab 21 Uhr ihre Alben der Woche in der Sendung „Soundcheck“ bei Radio eins vor. Diese Woche stehen folgende Platten im Fokus: Ibeyi, Beth Orton, Sincere Engineer und Brutalismus 3000.
Ibeyi: „Offering“ – Leichtigkeit für heiße Sommertage
Keine Zaubersprüche mehr, nur noch Opfergaben. Das verkünden Ibeyi auf ihrem neuen Album „Offering“. Die französisch-kubanischen Zwillingsschwestern Naomi und Lisa-Kaindé Diaz singen über Herzschmerz, Lebenskrisen, Wiedergeburt und schließlich Akzeptanz. Anders als auf ihrer letzten Platte mit zahlreichen Gaststars setzen Ibeyi jetzt ganz auf sich selbst: „Offering“ ist das erste Album unter ihrem eigenen Label Ibeyi Records. Einziges Feature ist der französische Starpianist Sofiane Pamart. Auf Englisch, Französisch, Spanisch und Yoruba bewegen sie sich durch Musikstile von R'n'B über Latin bis Elektro – mit einer Leichtigkeit, die Lust auf die richtig heißen Sommertage macht, so Inga Barthels vom Tagesspiegel.
Beth Orton: „The Ground Above“ – Lebenserfahrung pur
In den 90er Jahren sang Beth Orton für englische Dance-Projekte und nahm Alben zwischen Trip-Hop und Folk auf. Nach einer Phase der Orientierungslosigkeit erschien 2022 mit „Weather Alive“ ein Alterswerk: die Stimme brüchig, die Musik erhaben, die Texte voller Lebenserfahrung. Nun schreibt sie diese Geschichte mit „The Ground Above“ fort: acht Lieder zwischen Hoffen und Bangen, Leben und Sterben. André Boße, freier Kulturjournalist, sieht Parallelen zu Beth Gibbons.
Sincere Engineer: „Probable Claws“ – Atemloser Pop-Punk
Das mittlerweile vierte Studioalbum der Pop-Punk-Band aus Chicago lässt keine Sekunde zweifeln, wo es hin will. Geradliniger Nach-vorne-Punkrock bringt den Hörer außer Atem. Sängerin und Songwriterin Deanna Belos shoutet sich teils fröhlich, teils am Rande der Verzweiflung durch elf Songs. Nilz Bokelberg, Moderator und Autor, betont den Spaßfaktor: „Wenn man sich vorstellt, dabei im Circle Pit zu rennen, noch viel mehr.“
Brutalismus 3000: „Harmony“ – Hyperpop-Irrsinn aus Berlin
Das Duo Theo Zeitner und Victoria Vassiliki Daldas lernte sich auf Tinder kennen, gründete während der Pandemie ein Hobbyprojekt und spielt sechs Jahre später auf dem Coachella Festival – ihre Sets werden millionenfach geklickt. Auf ihrem zweiten Album „Harmony“ führen sie einen wild bratzenden Hyperpop-Irrsinn auf, der Genregrenzen ignoriert. Daldas singt auf Slowakisch, Deutsch und Englisch, es gibt Spuren von Trap, Punk, Industrial und vereinzelte Metal-Gitarren. Torsten Groß, Moderator, kommentiert: „Oh du heiliges Geballer, Gabber Gabber Hey!“



