Silent Book Clubs: Gemeinsam lesen in Mainz
Silent Book Clubs: Gemeinsam lesen in Mainz

In einer lauten und hektischen Welt bieten Silent Reading Clubs eine Oase der Ruhe. Der Silent Book Club Mainz ist ein Beispiel dafür, wie gemeinsames Lesen in Stille Menschen verbindet. An einem lauen Sommerabend sitzen rund elf Teilnehmer auf Stühlen um einen Tisch in der Mainzer Altstadt. Es ist so still, dass man das Gurren der Tauben hört.

Das Konzept des Silent Book Clubs

Der Club wurde 2024 gegründet und lädt kostenlos zu Leseabenden ein, die in der Regel zweimal im Monat stattfinden. Zunächst stellt jeder kurz sein mitgebrachtes Buch vor. Dann wird eine Stunde lang gelesen, danach gibt es bei Bedarf Gelegenheit zum Austausch. Die Auswahl der Bücher ist vielfältig: Eine Teilnehmerin liest „Die Enigma der Otilia“ von George Călinescu, ein anderer widmet sich den Erzählungen von Alexander Puschkin, und eine dritte hat sich für den Roman „Weird Girls“ von Gráinne O‘Hare entschieden, den sie wegen des Leoparden-Einbands gekauft hat.

Warum das Konzept ankommt

Die Stiftung Lesen bezeichnet den Silent Book Club als „wunderbares Konzept“. Geschäftsführerin Sabine Uehlein erklärt: „In einer ruhigen Umgebung ohne Ablenkung fällt die Konzentration leichter, und das Format lädt im Anschluss zum Austausch ein, was neue Ideen und Sichtweisen anregt.“ Die Teilnehmer bestätigen dies. Luca Simonis schätzt die Ruhe zum Lesen, während Sebastian die Kombination aus Lesen und Geselligkeit als ideal empfindet. Marie Ahlers, die vor zwei Jahren nach Mainz zog, nutzt den Club, um Kontakte zu knüpfen und sich ganz auf ein Buch einzulassen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Treffpunkte und Hintergrund

Bei schlechtem Wetter trifft sich der Club in den Räumen des Vereins kunSTück. Joshua Hirschauer aus dem Vorstand betont: „Sozialität wird ermöglicht, aber nicht erzwungen.“ Anna Lopatina gründete den Verein 2024 mit Freundinnen. Inspiriert vom klassischen Buchclub ihres Großvaters, wollte sie ein ungezwungenes Format ohne Lesepflicht schaffen. „Das Lesen steht im Mittelpunkt“, sagt sie. Ein Teilnehmer berichtete, dass ihn zu Hause schon die Anwesenheit eines Bildschirms ablenke.

Verbreitung und Bedeutung

Ähnliche Clubs gibt es in Rheinland-Pfalz von Trier bis Koblenz. Die Mainzer Bibliothek Anna Seghers veranstaltete am Welttag des Buches ein Lese-Event. In der Ankündigung hieß es, Silent Reading Clubs begeisterten weltweit immer mehr Menschen und stärkten das Gemeinschaftsgefühl gegen Einsamkeit. Die Stiftung Lesen betont, dass die Clubs ohne Vorbereitung und Druck auskommen. „Das verringert Hürden und macht den Einstieg ins Lesen einfacher“, so Uehlein. Finden die Veranstaltungen in Büchereien oder Buchhandlungen statt, werde auch die lokale Community gestärkt. Im Grunde seien Silent Book Clubs eine erwachsene Form des freien Lesens, das man aus der Leseförderung für Kinder kenne.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration