Die iranisch-französische Comic-Künstlerin Marjane Satrapi ist tot. Sie starb im Alter von 56 Jahren, wie der Élysée-Palast in Paris und der Leiter des iranischen Kulturvereins Pouya in Paris, Abbas Bakhtiari, bekannt gaben. Laut ihrem Umfeld erlag sie der Trauer um ihren vor einem Jahr gestorbenen Ehemann Mattias Ripa. Satrapi galt als eine der bekanntesten iranischen Comic-Künstlerinnen ihrer Generation.
Würdigung durch Frankreichs Präsidenten
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron würdigte Satrapi als eine „außergewöhnliche Künstlerin“, die sich für das iranische Volk und die Rechte der Frauen eingesetzt habe. „Ihr Tod bedeutet den Verlust einer prägenden Figur der französischen Kultur und einer freiheitsliebenden Künstlerin, deren Werk eine universelle Botschaft trug“, erklärte Macron.
Auch andere Künstler trauerten um Satrapi. Der französische Comic-Autor Riad Sattouf schrieb: „Mit ihrem Werk war sie vielen ein Vorbild, mir ganz besonders. Du hast die Welt mit deinen Comics verändert, und dabei waren Comics dir egal.“ Der Zeichner Joann Sfar äußerte: „Ich habe meine Zwillingsschwester verloren.“
Leben und Werk von Marjane Satrapi
Satrapi wurde 1969 in der nordiranischen Stadt Rascht geboren und wuchs in Teheran auf. Als Jugendliche schickten ihre Eltern sie Mitte der Achtzigerjahre nach Wien, um den politischen Repressionen nach der Islamischen Revolution und dem Iran-Irak-Krieg zu entgehen. Später zog sie nach Frankreich und entwickelte sich zu einer international bekannten Comic-Künstlerin.
Ihre autobiografische Graphic Novel „Persepolis“ machte sie weltberühmt. Darin schilderte sie ihre Kindheit im Iran, die Erfahrungen von Exil und Migration sowie die Folgen politischer Umbrüche. Das Werk wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und 2007 von Satrapi gemeinsam mit Vincent Paronnaud als preisgekrönter Animationsfilm verfilmt. Neben weiteren Comics wie „Broderies“ („Sticheleien“) und „Poulet aux prunes“ („Huhn mit Pflaumen“) arbeitete Satrapi auch als Filmregisseurin und Drehbuchautorin.
Engagement für Frauenrechte
Satrapi galt als wichtige Stimme für Meinungsfreiheit, Frauenrechte und eine differenzierte Sicht auf die iranische Gesellschaft. Zu den Protesten im Iran nach dem Tod der Kurdin Jina Mahsa Amini veröffentlichte sie 2023 den Band „Frau, Leben, Freiheit“. Im Januar 2025 lehnte sie die Auszeichnung mit dem höchsten französischen Verdienstorden, der Ehrenlegion, aus Protest ab. Auf Instagram erklärte sie: „Die Revolution der Frauen im Iran zu unterstützen, kann sich nicht darauf beschränken, Fotos mit Opfern oder Prominenten bei den Gedenkfeiern zum Tod von Mahsa Amini zu machen.“ Sie kritisierte auch, dass Frankreich jungen Iranern, Künstlern und Dissidenten Touristenvisa verweigere.
Vor knapp einem Jahr war Satrapis Ehemann Mattias Ripa gestorben. Auf ihrem Instagram-Account schrieb sie damals, die Liebe ihres Lebens verloren zu haben. Nun ist sie ihm gefolgt.



