Ein überraschender Auftritt von Madonna mitten in New York: Am Donnerstagabend verwandelte sich der Times Square in eine riesige Tanzfläche. Die 67-jährige Sängerin gab ein Gratiskonzert, um ihr neues Album „Confessions II“ zu bewerben, das am 3. Juli erscheinen soll. Die Show war perfekt inszeniert: Ein gigantischer Bildschirm an einem Eckhaus öffnete sich wie zwei Türen und gab den Blick auf eine Bühne mit DJ-Pult und Lautsprechertürmen frei. Unter einem pinkfarbenen Schleier sitzend, warf Madonna ihn ab und eröffnete das Set mit ihrem Song „I Feel So Free“. Hunderte von Menschen auf den Bürgersteigen, Vordächern und Emporen jubelten ihr zu.
Ein Rückblick auf die Anfänge
Madonna wurde von Stuart Price begleitet, der bereits ihr Album „Confessions On A Dancefloor“ aus dem Jahr 2005 produziert hatte. Dieses Werk gilt als ihr letztes wirklich überzeugendes Album, an das sie nun mit „Confessions II“ anknüpfen möchte. Die bereits veröffentlichte Single „I Feel So Free“ klingt wie eine mild modernisierte Fortschreibung des Sounds von damals. Das folgende Duett „Bring Your Love“, das sie eigentlich mit Sabrina Carpenter aufgenommen hat, präsentierte Madonna mit zwei Tänzerinnen auf einer silbernen Drehscheibe. Der Song tendiert in Richtung House-Pop und löste am Times Square mit den ersten Beats Freudenschreie aus.
Queere Botschaften und Pride-Monat
Madonna sucht derzeit wieder verstärkt die Nähe zur LGBTIQ-Community. Der Auftritt wurde von der schwulen Dating-App Grindr präsentiert, deren Maskenlogo auf den großen Leinwänden allgegenwärtig war. Bereits vor einigen Wochen hatte Madonna die Nutzer der App mit kleinen Werbedurchsagen überrascht. Dass sie ihr Gratiskonzert an den Beginn des Pride-Monats Juni legte, war kein Zufall. In der Mitte des 15-minütigen Auftritts erstrahlte die Bühne in Regenbogenfarben, während weihevolle Streicher erklangen. Madonna nahm ihre blaue Sonnenbrille ab und stand ergriffen auf ihrem Podest, während auf den Leinwänden Fotos vom New Yorker Stonewall-Aufstand sowie von queeren Ikonen wie Marsha P. Johnson und Keith Haring gezeigt wurden.
Neue Songs und Nostalgie
Mit „Love Sensation“ spielte Madonna einen weiteren neuen Song, dessen Produktion von Daft-Punk inspiriert zu sein schien. Auch Modjos „Lady“ kam einem in den Sinn bei diesem mit starken Nuller-Jahre-Vibes ausgestatteten Stück. Die Botschaft „There’s nothing that we cannot do“ ließ sie vom Publikum wiederholen. Die Interaktionen mit dem Publikum blieben jedoch sparsam, und größtenteils schien es sich um eine Playback-Show zu handeln. Das tat dem Spektakel aber keinen Abbruch. Tänzerisch beschränkte sich Madonna weitgehend auf effektvolles Posieren in kniehohen Silberstiefeln. Mal steckte sie sich das Mikro in den Ausschnitt, mal wirbelte sie ihr Jäckchen über dem Kopf herum. Durch die Drehscheibe bekam auch ihr Hinterteil, das unter einem Miniflatter-Röckchen hervorlugte, reichlich Sendezeit – sehr zur Freude der Fans im Netz.
Madonna als „Mother“ der Voguing-Kultur
Dass sich Madonna wiederholt als „Mother“ bezeichnet, ist eine Anspielung auf die Voguing-Kultur, in der von „Müttern“ geführte „Houses“ bei Wettbewerben gegeneinander antreten. Mit ihrem Hit „Vogue“ hatte die Sängerin diese aus dem New Yorker Underground stammende Kultur Anfang der Neunziger einem breiteren Publikum bekannt gemacht. Der Mother-Titel steht Madonna inzwischen vielleicht sogar besser als das Label Queen of Pop, tummeln sich heutzutage doch viele würdige Nachfolgerinnen wie Lady Gaga, Charlie xcx, Sabrina Carpenter und Taylor Swift um den Thron.
Ein starkes Finale
Madonna beendete ihr Set mit „I Love New York“ und dem unverwüstlichen „Hung Up“ – beide vom ersten „Confessions“-Album. Dabei wurde noch einmal klar, warum sie die Krone so lange getragen hat. Ob der Nachfolger an dieses Niveau heranreicht, erscheint nach den bisher veröffentlichten Songs unwahrscheinlich. Besser als das ziellose „Madame X“ von 2019 dürfte es jedoch werden.



