Lucky Luke trifft die Gebrüder Grimm: Hommage „Die Grimm Brothers“
Lucky Luke trifft die Gebrüder Grimm

Das Berliner Comic-Duo Flix und Reinhard Kleist hat mit „Die Grimm Brothers“ eine außergewöhnliche Lucky-Luke-Hommage geschaffen, die zwei Klassikerwelten auf geistreiche Weise miteinander verknüpft. Die Geschichte spielt im Wilden Westen und zeigt, wie die Gebrüder Grimm auf ihrer Lesereise durch die USA zunächst scheitern, bis Lucky Luke ihnen rät, ihre Märchen mit Cowboys und Westernhelden anzureichern. Dieser Kunstgriff beschert ihnen den erhofften Erfolg, führt jedoch zu unerwarteten Problemen, da die neu erfundenen Märchen ein Eigenleben entwickeln.

Ein Crossover der besonderen Art

Fans der von Morris geschaffenen Western-Persiflage kommen ebenso auf ihre Kosten wie Leser, die mit den Märchen der Brüder Grimm aufgewachsen sind. Die Handlung ist reich an Anspielungen auf beide Universen und die Gegenwart, was dem Band eine zeitlose und zugleich aktuelle Note verleiht. Flix, der als Szenarist fungiert, nutzt die fiktive Reise der Brüder durch die USA als erzählerisches Leitmotiv. „Mir ist aufgefallen, dass die Brüder Grimm noch lebten, als es den Wilden Westen schon gab“, erklärt Flix. Diese Erkenntnis führte zur Idee, die Märchensammler auf den Lonesome Cowboy treffen zu lassen.

Die Zusammenarbeit von Flix und Kleist

Reinhard Kleist, bekannt für seine Comicbiografie über David Bowie, stieß nach einer zufälligen Begegnung im Zug zum Projekt. Anfangs zögerte er, da Morris eine enorme Größe sei, an der man gemessen werde. Auch das Zeichnen von Pferden bereitete ihm Sorgen. Erst nach einem Kurs zum Tierzeichnen bei einem ehemaligen Disney-Zeichner änderte er seine Meinung. „Danach habe ich Flix zugesagt“, so Kleist.

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Vielschichtige Handlung

Der Band lässt sich auf mehreren Ebenen lesen. Zum einen ist er eine pointenreiche Abenteuergeschichte, in der Comicfans alten Bekannten wie den Daltons begegnen. Zum anderen erfreuen Märchenfans die fantasievollen Einflechtungen klassischer Figuren. In einer visuell experimentierfreudigen Szene trifft Lucky Luke in einem Hänsel-und-Gretel-Wald auf Rotkäppchen und landet in einem Schneewittchen-Sarg.

Popkulturelle Zitate und Anspielungen

In der Tradition von Morris enthält der Band zahlreiche Bezüge zur Gegenwart. Das Spektrum reicht von Anspielungen auf Amazon-Gründer Jeff Bezos und den modernen Kapitalismus über Verweise auf „Die Simpsons“ und „Shrek“ bis hin zu Motiven aus „Spiel mir das Lied vom Tod“ und einem Gastauftritt David Bowies als Barpianist.

Humor und Zeichenstil

Flix erweist sich als versierter Humorist mit sicherem Gespür für Pointen. Die Kollision der bildungsbürgerlichen Attitüde der Brüder Grimm mit Wildwestklischees ist höchst unterhaltsam. Kleists detailreiche Zeichnungen tragen seine Handschrift, besonders bei den charakterstarken Figuren. Die Actionszenen sind präzise choreografiert, die Kulissen mit schwungvollem Tintenstrich gestaltet. Die knallbunte Kolorierung von Thomas Gilke setzt auf starke Effekte im Dienst der Geschichte.

Metaebenen und Stereotype

Das Spiel mit Metaebenen entfaltet großen Reiz, besonders beim Thema Stereotype. Flix und Kleist hinterfragen Klischees auf kluge und humorvolle Weise. In einer Szene mimt Lucky Luke einen vermeintlich typischen Deutschen, wird aber von einer indigenen Figur zurechtgewiesen, die erklärt, dass es nicht lustig sei, sich über Stereotype lustig zu machen.

Liebe zum Erzählen

Der turbulente Plot enthält eine Liebeserklärung an die Kraft des Erzählens und der Fantasie sowie einen Kommentar zur politischen Lage in den USA. Mehrere Szenen lassen sich als Kritik an einer von Faktenverbiegern dominierten Welt lesen. Für Flix und Kleist war Lucky Luke eine prägende Kindheitserfahrung. „Lucky Luke war einer der franko-belgischen Comics, die ich als Kind geliebt habe“, sagt Flix. Die Märchen der Brüder Grimm waren ebenfalls eine feste Größe.

Kreative Freiheiten

Die Inhaber der Lucky-Luke-Rechte ließen den Künstlern große Freiheiten. An einer Stelle erlaubten sie sogar einen historischen Tabubruch: In einer Schlüsselszene greift Lucky Luke wieder zur Zigarette, obwohl er in offiziellen Alben seit Jahren nicht mehr raucht. „Das wurde auf Verlagsseite diskutiert, aber weil es dramaturgisch wichtig ist, wurde es uns erlaubt“, so Flix.

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Die Aufgabenverteilung war klar: Flix entwickelte das Skript, Kleist übernahm die Zeichnungen. „Ich habe mich dem Kosmos von Morris mit großem Respekt genähert“, sagt Kleist. Nur bei einer Figur änderten sie die Besetzung: Jesse James wurde mit Nick Cave besetzt, was Kleist extrem lustig findet, da Cave den Soundtrack zum Film über Jesse James geschrieben hat.