Herbert Grönemeyer hat die deutsche Politik für ihre anhaltende Sprachlosigkeit scharf kritisiert und die Menschen zur aktiven Teilhabe aufgerufen. Bei der Verleihung des Deutschen Nationalpreises in Berlin warf der 70-jährige Sänger den Regierenden vor, in den vergangenen zwei Jahrzehnten nicht mit der Bevölkerung gesprochen zu haben. „Frau Merkel schwieg, außer dem: 'Wir schaffen das', dann wieder Schweigen. Herr Scholz kopierte den Stil, setzte noch einen darauf, sprach kurz von der 'Zeitenwende' und verfiel dann wieder ins Stumme“, führte Grönemeyer aus. Die aktuelle Koalition sei sprachtechnisch „eher noch lückenhaft und holprig“ und ahme eher das öffentliche Gezerre der Ampel nach, anstatt als Regierung zu Kompromissen und klaren Ergebnissen zu kommen.
Vergleich zur Nationalmannschaft: „Wir wollen Taten und kein Getratsche“
Grönemeyer zog einen Vergleich zum Fußball: In der deutschen Nationalmannschaft spielten Felix Nmecha von Borussia Dortmund und Aleksandar Pavlović vom FC Bayern München, die in der Bundesliga harte Konkurrenten seien. „Aber sie kebbeln sich nicht im Mittelkreis, sondern suchen gemeinsam den direkten Weg zum Tor. So geht das. Wir wollen Taten und kein Getratsche.“ Der Sänger, bekannt für Hits wie „Bochum“, wurde für sein gesellschaftliches Engagement mit dem Deutschen Nationalpreis ausgezeichnet. In seiner Dankesrede rief er die Zivilgesellschaft auf, selbst aktiv zu werden: „Wir brauchen nicht unbedingt eine Mutti oder einen Vati. Wir haben uns selbst. Jetzt sind wir gefragt, in Aktion zu kommen, eine Bewegung der Bürger für Bürger.“
Optimistischer Blick in die Zukunft: „Ich weigere mich, Angst zu haben“
Grönemeyer plädierte für einen optimistischen Blick in die Zukunft. „Wir sind prallvoll mit demokratischen, humanistischen Elementen in uns“, sagte er und erinnerte an die Hilfsbereitschaft während der Flüchtlingskrise 2015, als Menschen in ganz Deutschland Geflüchtete aufnahmen. Er weigere sich, Angst vor der Zukunft zu haben: „Ich bin ein knackiger, mittelalter, weißhaariger, 70-jähriger Mann aus der Boomer-Generation. Ich trage eine große Verantwortung für die mir folgenden Generationen und die trage ich gern.“
Deutscher Nationalpreis: Auszeichnung für Engagement
Mit dem Deutschen Nationalpreis ehrt die Deutsche Nationalstiftung seit 1997 jährlich Personen und Organisationen, die sich für eine demokratische Gesellschaft engagieren. Der parallel verliehene Förderpreis zeichnet Projekte aus, die den Zusammenhalt junger Menschen stärken. Die Auszeichnung ist insgesamt mit 50.000 Euro dotiert. Der Förderpreis geht in diesem Jahr an das Projekt Rhapsody in School.



