Diane Kruger: „Ich fahre nur noch Moped in Paris!“
Diane Kruger: „Ich fahre nur noch Moped in Paris!“

Diane Kruger im Gespräch: Freiheit auf zwei Rädern

Diane Kruger, die deutsche Schauspielerin mit Wohnsitzen in Paris und New York, gibt Einblicke in ihr Leben zwischen Mode, Film und Familie. Zum Shooting mit dem Luxus-Magazin icon. kam sie mit einem ungewöhnlichen Gefährt: einem umgebauten Moped.

Die Leidenschaft fürs Mopedfahren

Auf die Frage, ob der Roller ihr gehöre, antwortet Kruger: „Ja klar. Es ist aber ein Moped, eine alte Peugeot 103, in die ich einen Elektromotor habe einbauen lassen.“ Sie habe schon immer so ein Fahrzeug haben wollen, doch sie seien schwer zu bekommen. „Wenn das Wetter gut genug ist, fahre ich nur noch Moped in Paris. Man sitzt darauf wie auf einer alten Couch, alles knattert. Großer Spaß.“ Auf Bedenken von Agentin oder Familie entgegnet sie: „Ach, das ist nicht viel gefährlicher als ein Elektrorad. Schneller als 50 Kilometer pro Stunde kann man damit ja nicht fahren.“

Heimat zwischen zwei Kontinenten

Kruger pendelt zwischen Paris und New York. Beide Orte seien Heimat, sagt sie. „Wir waren zuletzt viel in Europa, weil mein Mann (Norman Reedus) in Paris drehte und ich in Spanien gearbeitet habe. Unsere Tochter Nova ist mal hier, mal dort zur Schule gegangen. Ich empfinde es als Gewinn. Du nimmst das Beste aus beiden Welten mit.“

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Mode als Teil des Lebens

Die Schauspielerin, die einst als Model begann, interessiert sich intensiv für Mode. „Ich bin ja mal Model gewesen, insofern habe ich eine gewisse ‚Erziehung‘ genossen, die weiterhin anhält. Mein Interesse geht über die reinen Trends hinaus, ich will auch über die Designer hinter den Marken Bescheid wissen.“ Besonders schätzt sie weibliche Designer wie Sarah Burton von Givenchy. „Wenn eine Frau Mode für Frauen macht, ist das irgendwie immer noch etwas anderes. Ihre Kleidung ist modern: schön und wertvoll, aber nicht zu geschmückt. Sie entwirft für Frauen, die selbstbewusst sind, im Sinne von: Sie sind sich ihres Wertes, ihres Alters und ihres Lebens bewusst.“

Rückblick auf die Anfänge

Mit 15 zog Kruger von Algermissen nach Paris, um Model zu werden. Heute, mit einer eigenen Tochter, denkt sie zurück: „Die Zeiten waren anders, heute kann ich mir das gar nicht mehr vorstellen. Ich war kein Partygirl, ich wollte nur mein Leben beginnen. Wenn meine Mutter mich das nicht hätte machen lassen, wäre mein Leben anders verlaufen. Sie hat mir das größte Geschenk gemacht.“ Sie wohnte damals mit anderen Mädchen in einem kleinen Apartment. „Ich hatte nie Heimweh. Es war toll, ernst genommen zu werden. Es dauerte lange, bis ich Jobs bekam, weil ich nicht wie ein Model aussah. Aber ich wusste gleich, dass ich nie wieder zurück nach Hause kommen würde.“

Extreme Dreherfahrungen

Für ihre Rollen ging Kruger an ihre Grenzen. Im Film „Special Forces“ spielte sie eine von den Taliban entführte Journalistin. „Wir mussten zu Fuß über den Himalaja nach Tadschikistan wandern, schliefen in Jurten ohne Heizung oder warmes Wasser. Einmal wurde ich mit dem Helikopter in der Wüste ausgesetzt, nur mit einem Walkie-Talkie. Zum Glück wusste ich das vorher nicht, sonst hätte ich den Film nie gemacht.“

Wandel der Prioritäten

Nach über 50 Filmen und Serien ist Kruger am ersten Drehtag immer noch nervös. „Oft habe ich vorher eine schlaflose Nacht.“ Was besser geworden sei? „Am Anfang hatte ich Angst, hinausgeschmissen zu werden. Mittlerweile weiß ich, dass ich es schaffe, und habe kein Problem mehr, Zweifel anzusprechen. Je verletzlicher man sich zeigt, umso mehr wird man aufgefangen.“ Ihre Prioritäten haben sich verschoben: „Als junge Schauspielerin wolltest du, dass alle dich toll finden. Jetzt geht es mir um das beste Ergebnis. Wenn das länger dauert, ist es mir egal, was andere sagen. Ich möchte nicht nach Hause gehen und denken: Hätte besser sein können.“

Vor- und Nachteile der Vielsprachigkeit

Kruger spricht fließend Deutsch, Französisch und Englisch. Diese Bandbreite sei nahezu einzigartig. „Es hat mir sehr geholfen. Wenn aus Frankreich keine Angebote kamen, war immer etwas in einer anderen Sprache da. Aber manchmal würde ich gerne zu einer Clique in einem Land gehören und sofort angerufen werden. Wenn einen die Leute nicht persönlich kennen, können sie sich schwer vorstellen, dass jemand wie ich auf eine Rolle Lust hätte.“

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Schönheit und Tiefgang

2006 schrieb eine Kritikerin der „New York Times“, Kruger sei zu schön für Rollen mit Tiefgang. Ob so ein Satz heute noch geschrieben würde? „Ich weiß es nicht, der Satz wurde aus dem Zusammenhang gerissen. Wir Frauen sind im Umgang miteinander hoffentlich besser geworden. Wir sollten einander pushen und nicht in die gleichen Fallen tappen wie Männer. Meiner Tochter versuche ich beizubringen, nie etwas Schlechtes oder zu Tolles über das Äußere einer Person zu sagen.“

Aktuelle Projekte und Zukunftspläne

Zuletzt drehte Kruger das europäische Projekt „Each of Us“ und den Science-Fiction-Film „Ami“ mit Mads Mikkelsen. Außerdem spielt sie in einer Apple-TV-Serie die französische First Lady – die in der Geschichte Deutsche ist, sodass sie auch Deutsch spricht. Seit Jahren wird sie auf einen Film über Marlene Dietrich von Fatih Akin angesprochen. „Wenn es endlich passiert, wird es sofort vermeldet. Ich hoffe sehr, aber es ist ein kompliziertes Projekt. Die Bücher waren geschrieben, dann kam Covid, und keiner konnte es finanzieren. Das Kino ist in einer seltsamen Phase. Aber wir arbeiten weiter daran.“

50. Geburtstag und Lebensphilosophie

Am 15. Juli wird Kruger 50. „Ich weiß noch nicht, wie groß ich feiern werde, aber wir machen etwas Schönes mit der Familie und gehen auf Reisen. Ein Problem mit dem Alter habe ich nicht. Es ist ein Geburtstag. Ich bin happy, dass ich hier sein darf.“ Sie blicke nicht mehr zurück oder nach vorn: „Ich habe aufgehört, große Pläne zu machen, weil mein Leben nie so gelaufen ist, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich habe akzeptiert, nichts kontrollieren zu können. Durch die Geburt unserer Tochter habe ich gelernt, mehr im Moment zu leben.“

Smalltalk bei Modenschauen

Auf die Frage, worüber Stars in der Front Row reden, antwortet Kruger: „Man hofft auf jemanden, den man kennt. Richtig viel wird nicht geredet. Wie die Kollektion ist, wie die Schauen sind. Klassischer Fashion-Smalltalk.“