Zum Jubiläum „Der Freischütz“ lebt fort, doch Berlin vergisst seinen Schöpfer. Zum 200. Todestag von Carl Maria von Weber zeigt die Staatsbibliothek kostbare Autografen, im Musikleben bleibt es erstaunlich still. Von Volker Blech, Stv. Ressortleiter/in Kultur 05.06.2026, 10:00 Uhr
Im Konzerthaus wurde 2021 „Der Freischütz“ aufgeführt. An gleicher Stelle war Carl Maria von Webers Oper 200 Jahre zuvor uraufgeführt worden. © Markus Werner
Ein stilles Gedenken
Carl Maria von Weber, der Schöpfer des „Freischütz“, starb vor 200 Jahren. Berlin, die Stadt seiner größten Triumphe, scheint ihn vergessen zu haben. Während die Staatsbibliothek zu seinem Todestag eine Ausstellung mit kostbaren Autografen zeigt, bleibt das Musikleben erstaunlich still. Keine großen Aufführungen, keine besonderen Konzerte – ein leiser Abschied von einem der bedeutendsten Komponisten der Romantik.
Die Ausstellung in der Staatsbibliothek
Die Staatsbibliothek zu Berlin präsentiert anlässlich des 200. Todestages von Carl Maria von Weber eine Auswahl seiner wertvollsten Handschriften. Darunter befinden sich Partituren, Briefe und persönliche Aufzeichnungen, die einen Einblick in das Schaffen des Komponisten geben. Die Exponate stammen aus dem umfangreichen Weber-Archiv der Bibliothek und werden erstmals der Öffentlichkeit gezeigt. Die Ausstellung ist noch bis zum 31. August zu sehen.
Warum schweigt die Musikwelt?
Es ist verwunderlich, dass die Musikstadt Berlin den Todestag eines ihrer großen Söhne so still verstreichen lässt. Weber war nicht nur ein genialer Komponist, sondern auch ein Wegbereiter der deutschen Nationaloper. Sein „Freischütz“ gilt als Inbegriff der Romantik und wird bis heute weltweit aufgeführt. Doch in Berlin, wo die Oper 1821 uraufgeführt wurde, gibt es keine herausragenden Gedenkveranstaltungen. Die großen Opernhäuser und Konzerthäuser schweigen.
Ein Appell an die Kulturpolitik
Dieses Schweigen ist ein Armutszeugnis für die Berliner Kulturpolitik. Es ist an der Zeit, dass die Stadt ihre kulturellen Wurzeln wiederentdeckt und die großen Persönlichkeiten ihrer Geschichte würdigt. Carl Maria von Weber verdient mehr als nur eine stille Ausstellung. Er verdient eine lebendige Erinnerung, die seine Musik in die Gegenwart trägt und für neue Generationen erlebbar macht.
Die Staatsbibliothek leistet mit ihrer Ausstellung einen wichtigen Beitrag, aber sie kann nicht allein das Gedenken stemmen. Es braucht ein gemeinsames Engagement aller Kultureinrichtungen, um das Erbe von Webers zu bewahren und zu feiern. Vielleicht ist der 200. Todestag ein Weckruf, der die Musikwelt endlich aufweckt.



