Der Telekom-Streamingdienst MagentaTV hat sich bei der FIFA das komplette TV-Rechte-Paket für die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 gesichert – alle 104 Spiele exklusiv. Nur 60 davon werden parallel bei ARD und ZDF übertragen. Doch bietet MagentaTV wirklich das bessere Programm? Unser Autor hat ein Abo abgeschlossen und zieht eine ernüchternde Bilanz.
Die Versprechungen: Unterhaltsam, klug, vor Ort
Die Werbung verspricht unterhaltsame, unerschrockene, kluge und spontane Experten, die bei allen WM-Spielen vor Ort in Nordamerika sind. Jürgen Klopp und Thomas Müller sollen das Publikum begeistern. Doch die Realität sieht anders aus. ARD und ZDF senden aus ihren Studios in Köln und Berlin, während MagentaTV mitten im Getümmel ist. Aber ist das automatisch besser?
Jürgen Klopp: Narrenfreiheit statt Analyse
Jedes Mal, wenn Jürgen Klopp neben Moderator Johannes B. Kerner auf der Dachterrasse in New York steht, fragt man sich: Was ist größer – Klopps Selbstbewusstsein oder die Wolkenkratzer im Hintergrund? Klopp haut einen Spruch nach dem anderen raus, provokativ und lustig, aber ohne Rücksicht auf Verluste. „Für einen guten Scherz würde er wahrscheinlich auch seine Oma verkaufen“, schreibt unser Autor. Ein krasses Beispiel: Vor dem Eröffnungsspiel der deutschen Elf gegen Curacao (7:1) sorgte Klopp mit Aussagen zu Julian Nagelsmann für Aufsehen („Zum Glück stellt Julian Nagelsmann die Mannschaft auf – noch, noch“). Marcel Reif nannte die Aussage „toxisch“. Die „Zeit“ schrieb: „Sein Expertentum führt ein Eigenleben.“ Von Klassenclowns ist die Rede.
Thomas Müller und Mats Hummels im Sog
In Klopps extrem forschern Fahrwasser lassen sich auch Thomas Müller und Mats Hummels zu Sätzen hinreißen, die sich vom Turnier eher abgekoppelt haben. Dabei wurden sie zu Spielerzeiten für ihre Analysen gerühmt. Die Devise lautet: Let me entertain you! Doch der Erkenntniswert einer Klopp’schen Expertise ist bei näherem Hinhören nicht stärker als bei Bastian Schweinsteiger (ARD), Christoph Kramer oder Per Mertesacker (ZDF).
Junge Kommentatoren: Phrasen statt Frische
Auch die jungen, vermeintlich frischen Kommentatoren überzeugen nicht. Christian Straßburger drischt bei Magenta TV nicht weniger Phrasen als Tom Bartels in der ARD. So wird Lamine Yamal beim Spiel Spanien gegen Saudi-Arabien von Minute eins an als „fußballspielender Außerirdischer, nicht von dieser Welt“ bezeichnet, nur um später, als ihm ein Ball verspringt, zu sagen: „auch nur ein Mensch.“
Exklusivspiele als Argument?
MagentaTV zeigt sechs Spiele des Sechzehntelfinals exklusiv sowie drei Achtel- und zwei Viertelfinals. Das flexible Streamingabo für elf Euro im Monat könnte sich also lohnen. Doch für viele Zuschauer reichen die 60 Live-Spiele bei den Öffentlich-Rechtlichen, samt Zusammenfassungen in der Mediathek. Und die WM-Spiele sind bislang meistens ziemlich gut – auch ohne Entertainment von Jürgen Klopp.



