Max-und-Moritz-Preis 2026: Die besten Comics ausgezeichnet
Max-und-Moritz-Preis 2026: Die besten Comics

Am vergangenen Wochenende fand in Erlangen der Internationale Comic-Salon statt, bei dem alle zwei Jahre die renommierten Max-und-Moritz-Preise verliehen werden. Diese Auszeichnung gilt als die bedeutendste deutschsprachige Ehrung für grafische Literatur und Comickunst und ist mit insgesamt 10.000 Euro dotiert. In diesem Jahr wurden herausragende Künstler und Werke aus dem In- und Ausland prämiert.

Bester deutschsprachiger Comic-Künstler: Franz Suess

Der österreichische Zeichner und Autor Franz Suess wurde als bester deutschsprachiger Comic-Künstler ausgezeichnet. Die Jury würdigte seinen einzigartigen „Comic-Kosmos über die Vielfalt des persönlichen Versagens“. Seine Werke erzählen oft von gescheiterten Menschen und dem Leben am Rande der Gesellschaft. Zuletzt erschien seine Graphic Novel „Jakob Neyder“ im Berliner Avant-Verlag, deren Protagonist ein tragischer Antiheld ist: der Jugendliche Jakob, der nach einer Straftat mit den Konsequenzen kämpft. Die Jury lobte die feinen Beobachtungen und die schraffierten Bleistiftstriche, die die Figuren deformiert wirken lassen. „Der Comic zeigt, wie die Welt bei unvorhersehbaren Herausforderungen zusammenbrechen kann, weil grundlegende Fähigkeiten des Miteinanders abhandengekommen sind“, so die Begründung. Das Werk wurde bereits mit dem Comicbuchpreis 2024 der Berthold-Leibinger-Stiftung gefördert und von einer Jury aus 30 Kritikern zur besten Veröffentlichung des Quartals gewählt.

Bester deutschsprachiger Comic: „Der verkehrte Himmel“ von Mikael Ross

Der Preis für den besten deutschsprachigen Comic ging an „Der verkehrte Himmel“ von Mikael Ross, ebenfalls im Avant-Verlag erschienen. Der zeichnerisch vom Manga inspirierte Berlin-Krimi erzählt eine fiktive Geschichte in einem realistischen Setting, die unter anderem in der vietnamesischen Community Berlins spielt. Im Mittelpunkt stehen drei Berliner Teenager und eine Vietnamesin, die Opfer von Menschenhändlern geworden ist. Die Jury lobte die vielschichtige Erzählweise und den Respekt, mit dem die Figuren gezeichnet sind. Das Buch wurde bereits mit dem „Peng!“-Preis ausgezeichnet und von einer Jury zum besten Comic des Jahres 2024 gewählt.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Bester internationaler Comic: „In den trüben Gewässern Istanbuls“ von Özge Samancı

Den Preis als bester internationaler Comic erhielt „In den trüben Gewässern Istanbuls“ von Özge Samancı, veröffentlicht im Schweizer Verlag Helvetiq. Die Geschichte spielt im Istanbul des Jahres 1995 und folgt zwei Studentinnen und Hobbytaucherinnen, die im Bosporus einen roten Cadillac mit einer Frauenleiche entdecken. Die Jury beschrieb das Werk als „rasant und begeisternd, todernst und aberwitzig“ und lobte die gelungene Mischung aus Komödie, Krimi, Politthriller, Satire und Familiendrama. Die Handlung sei voller überraschender Wendungen und stelle die Protagonistinnen vor moralische Dilemmata.

Bester Sachcomic: „Die Frau als Mensch – Schamaninnen“ von Ulli Lust

Als bester Sachcomic wurde der zweite Band von Ulli Lusts „Die Frau als Mensch“ mit dem Untertitel „Schamaninnen“ ausgezeichnet, erschienen im Berliner Reprodukt-Verlag. Der erste Band hatte bereits den Deutschen Sachbuchpreis gewonnen. Die in Berlin lebende Österreicherin zeigt auf Basis umfangreicher Recherchen, wie das Leben unserer Vorfahren vor 30.000 Jahren ausgesehen haben könnte, wobei die Rolle der Frauen im Vordergrund steht. Die Jury lobte die leichte Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse und die schönen Naturzeichnungen. „Selten wurde der Stand der Wissenschaft so leicht vermittelt“, hieß es.

Bester Comic für Kinder: „Der Zahn“ von Ayşe Klinge

Der Preis für den besten Kindercomic ging an „Der Zahn“ von Ayşe Klinge, erschienen im Kibitz-Verlag. Die Vampirgeschichte für Leser ab sechs Jahren verbindet Themen wie Ausgrenzung, Angstbewältigung und Freundschaft. Im Mittelpunkt stehen die Mädchen Mila und Karla, die sich als Vampirin entpuppt. Die Jury würdigte die humorvollen und skurrilen Bilder, die die aufeinandertreffenden Welten abwechslungsreich darstellen. Das Buch ist zudem für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2026 nominiert.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Bestes deutschsprachiges Comic-Debüt: „Fleischeslust“ von Martin Oesch

Den Preis für das beste deutschsprachige Comic-Debüt erhielt „Fleischeslust“ von Martin Oesch aus der Schweiz, erschienen im Verlag Edition Moderne. Die Hauptfigur Erwin, ein Metzgermeister, hadert mit der Fleischindustrie und seiner Identität. Oesch, der selbst gelernter Schlachter ist, erzählt eine melancholische Ballade über das Ende einer Zeit. Die Jury lobte die empathische Erzählweise ohne Moral und die bunten Filzstiftzeichnungen mit intensiven fleischlichen Rosatönen.

Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk: Posy Simmonds

Der Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk ging an die Britin Posy Simmonds, die vor allem durch ihre Graphic Novels „Gemma Bovery“, „Tamara Drewe“ und „Cassandra Darke“ bekannt ist. Die Jury würdigte ihren britischen Humor, die psychologische Raffinesse ihrer Figurenzeichnung und die innovative Verbindung von Text und Bild. Ihre Werke, die auf Deutsch beim Reprodukt-Verlag erscheinen, erweitern den Spielraum der Graphic Novel.

Spezialpreis der Jury: Andreas C. Knigge

Der Spezialpreis der Jury wurde an Andreas C. Knigge verliehen, der sich seit den 1970er Jahren um den Comic in Deutschland verdient gemacht hat. Er gründete das Fachmagazin „Comixene“, brachte als Lektor des Carlsen-Verlags wichtige internationale Comics nach Deutschland, darunter „The Dark Knight Returns“ und die ersten Manga-Serien „Akira“ und „Dragon Ball“. Zudem förderte er deutsche Zeichner wie Ralf König und Isabel Kreitz und veröffentlichte Standardwerke wie „Alles über Comics“. Knigge war bis vor zwei Jahren selbst Mitglied der Max-und-Moritz-Jury.