Ex-Berlinale-Chef Moritz de Hadeln mit 85 Jahren gestorben
Ex-Berlinale-Chef de Hadeln mit 85 Jahren gestorben

Der frühere Berlinale-Chef Moritz de Hadeln ist tot. Er starb am Samstagmorgen im Alter von 85 Jahren in einem Spital im schweizerischen Nyon, wie sein Biograf Christian Jungen, Chef des Zurich Film Festivals, unter Berufung auf das persönliche Umfeld bestätigte. Zuvor hatten mehrere Medien berichtet.

Eine prägende Karriere im Dienste des Films

De Hadeln leitete über Jahrzehnte bedeutende Filmfestivals: in Locarno, Berlin und Venedig. Geboren im englischen Exeter, arbeitete er zunächst als Filmemacher, bevor er die Leitung des Festivals in Locarno übernahm. 1979 wechselte er nach Berlin, wo er bis 2001 Direktor der Internationalen Filmfestspiele Berlin (Berlinale) blieb. Selbst im hohen Alter besuchte er noch die Filmfestspiele und ging mit einem Stock über den roten Teppich.

Die Berlinale würdigt ihren langjährigen Direktor

„Die Berlinale trauert um eine der einflussreichsten Personen der internationalen Filmkultur“, teilten die Filmfestspiele auf Instagram mit. Man würdige ihn als leidenschaftlichen Verfechter des Kinos. In einer Zeit tiefgreifender politischer Veränderungen habe de Hadeln den Dialog über Grenzen hinweg gefördert, das internationale Profil des Festivals gestärkt und eine Schlüsselrolle bei der Etablierung des Branchenmarktes European Film Market gespielt. „Danke, Moritz de Hadeln“, hieß es abschließend.

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Die Ära de Hadeln in Berlin

Als de Hadeln die Berlinale übernahm, war Berlin noch eine geteilte Stadt. In seine Amtszeit fielen wichtige Umbrüche wie der Fall der Mauer und der Umzug des Festivals vom Zoo Palast zum Potsdamer Platz. Er lud die Großen der Filmwelt ein, von Regisseur Billy Wilder bis Schauspieler Leonardo DiCaprio. Sein Einsatz für den chinesischen Film brachte ihm Anerkennung ein: 1988 ging der Goldene Bär an Zhang Yimous Film „Rotes Kornfeld“, was als Sensation galt. Früh entwickelte de Hadeln die Berlinale zur Ost-West-Drehscheibe.

Konflikte und schwieriger Abschied

Mit dem deutschen Film tat er sich schwerer. In den 1980er Jahren protestierten deutsche Filmemacher gegen seine Auswahlpolitik. Kritiker warfen ihm vor, zu viele amerikanische Filme einzuladen. Doch mit den US-Filmen kamen auch internationale Stars, die das Publikum begeisterten. Im Jahr 2000 wurde bekannt, dass de Hadeln abgelöst werden sollte. Seine Abberufung bewertete er als „absoluten Affront“, wie er der Deutschen Presse-Agentur damals sagte. Er habe der Berlinale zu internationalem Ansehen verholfen, sowohl mit Hilfe der großen amerikanischen Studios als auch mit der Entdeckung anderer Filmländer wie China. Nicht zuletzt habe die Berlinale die Öffnung nach Osteuropa vorausgenommen.

Nach der Berlinale: Venedig und Kontroversen

Sein Nachfolger wurde Dieter Kosslick, der die Berlinale rund zwei Jahrzehnte führte. Derzeit leitet die US-Amerikanerin Tricia Tuttle das Festival. Nach seinem Abschied aus Berlin übernahm de Hadeln das Festival in Venedig, aber nach zwei Jahren war Schluss. 2018 setzte er sich in einem Artikel für „Die Weltwoche“ noch für den Hollywoodproduzenten Harvey Weinstein ein, der später wegen Sexualverbrechen verurteilt wurde. Christian Jungen, der 2018 das Buch „Moritz de Hadeln – Mister Filmfestival“ veröffentlichte, stand bis zuletzt mit ihm in Kontakt.

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