Wolf nach Angriff in Hamburg: Vorläufige Unterbringung in Niedersachsen
Wolf nach Angriff in Hamburg: Unterbringung in Niedersachsen

Wolf nach Angriff in Hamburg: Vorläufige Unterbringung in Niedersachsen

Nach einem ungewöhnlichen Vorfall in der Hansestadt Hamburg steht ein Wolf im Mittelpunkt behördlicher Überlegungen. Das Tier, das in einer Einkaufsmeile eine Frau verletzt haben soll, hat nun eine vorübergehende Bleibe in Niedersachsen gefunden. Die Entscheidung über sein weiteres Schicksal bleibt jedoch offen.

Vorläufige Lösung für das verletzende Tier

Ein Sprecher der Hamburger Umweltbehörde bestätigte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass der Wolf in einer Wildtierauffangstation in Niedersachsen untergebracht wurde. „In Absprache mit Tierschutzexpertinnen und -experten wurde entschieden, dass der Wolf vorläufig in einer Wildtierauffangstation in Niedersachsen unterkommt“, erklärte der Behördenvertreter. Das Tier sei am Abend gut an seinem neuen vorläufigen Standort angekommen.

Die genaue Station wurde nicht genannt, ebenso wenig wie die voraussichtliche Verweildauer des Wolfs. Eine dauerhafte Lösung für das Tier wird weiterhin gesucht, während die Behörden verschiedene Optionen prüfen.

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Expertenmeinungen und kontroverse Diskussionen

Bei Beratungen mit Fachleuten standen nach Angaben von Hamburgs Umweltsenatorin Katharina Fegebank auch drastischere Maßnahmen zur Debatte. „Das ist eine Situation, die ich mir nicht verzeihen würde“, sagte Fegebank mit Blick auf eine mögliche erneute Verletzung eines Menschen durch den Wolf. Sowohl eine Tötung des Tieres als auch seine Freilassung wurden erwogen.

Arne Vaubel, Geschäftsführer des Wildparks Schwarze Berge südlich von Hamburg, sprach sich hingegen für eine Freilassung aus. „Der Wolf hat nicht mit Absicht angegriffen, sondern aus einer Panik heraus“, betonte Vaubel. Er geht davon aus, dass das Tier die Frau nicht gezielt angreifen wollte, sondern in einer für es ungewohnten urbanen Umgebung die Orientierung verloren hatte.

Vaubel schließt eine Integration des Wolfs in das seit Jahren im Wildpark lebende Rudel jedoch aus. „Das ist eigentlich nicht möglich“, erklärte er. Selbst eine Unterbringung in einem eigenen Gehege wäre schwierig, da es sich nach wie vor um ein wildes Tier handle.

Erster dokumentierter Fall dieser Art

Der Vorfall stellt nach Aussage von Umweltsenatorin Fegebank einen besonderen Fall dar. „Wir haben nun das erste Mal die Situation, dass wir eine durch Wolf verursachte Bissverletzung haben“, sagte sie. Das Bundesamt für Naturschutz bestätigte, dass es sich um den ersten derartigen Fall seit der Etablierung des Wolfs in Deutschland im Jahr 1998 handelt.

Die verletzte Frau konnte das Krankenhaus nach kurzer ambulanter Behandlung wieder verlassen. Zur genauen Schwere der Verletzungen machten die Behörden keine Angaben.

Hintergrund des ungewöhnlichen Stadtbesuchs

Der Wolf war zunächst am westlichen Hamburger Stadtrand gesichtet worden, bevor er am Montag in einer Einkaufspassage im dicht besiedelten Stadtteil Altona auftauchte. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur war dem Tier der Weg aus der Passage durch gläserne Automatiktüren versperrt, als die Frau ihm helfen wollte.

Umweltstaatsrätin Stefanie von Berg (Grüne) vermutet, dass der Wolf auf der Suche nach einem neuen Revier in die Stadt gelangt sei und dann die Orientierung verloren habe. „Das ist die Erklärung dafür, dass er immer weiter rein gegangen ist, anstatt umzudrehen“, sagte sie.

Nach dem Vorfall in Altona lief der Wolf noch bis in die Innenstadt, wo er am Jungfernstieg von der Polizei eingefangen wurde. Bis zu seinem Transport nach Niedersachsen war er im Wildgehege Klövensteen im Westen Hamburgs untergebracht und tiermedizinisch versorgt worden.

Die Behörden betonen, dass der Wolf sich über anderthalb Tage „vollkommen arttypisch“ verhalten und „sich eher vorsichtig und menschenscheu“ bewegt habe. Die Senatorin geht von einer Angstreaktion des Tieres in der ungewohnten urbanen Umgebung aus. Die Diskussion über den weiteren Umgang mit dem Wolf und die Frage nach einer dauerhaften Lösung bleibt weiterhin im Gange.

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