Wolf nach Vorfall in Einkaufsmeile: Vorläufige Unterbringung in Niedersachsen
Ein Wolf, der laut Behördenangaben in einer Hamburger Einkaufspassage eine Frau gebissen hat, hat nun ein vorläufiges neues Zuhause in Niedersachsen gefunden. In Absprache mit Tierschutzexpertinnen und -experten wurde entschieden, dass das Tier zunächst in einer Wildtierauffangstation unterkommt, wie ein Sprecher der Umweltbehörde mitteilte. Der Wolf sei am Abend gut an seinem vorübergehenden Aufenthaltsort angekommen. Welche Station genau für die Unterbringung gewählt wurde, blieb jedoch ungenannt.
Schwierige Entscheidungen für die Behörden
Die Behörden stehen nach dem Vorfall vor komplexen Fragestellungen. Es ist noch nicht klar, wie lange der Wolf in der Auffangstation bleiben kann, und eine dauerhafte Lösung wird weiterhin gesucht. Bei den Beratungen mit Fachleuten standen nach Aussage von Hamburgs Umweltsenatorin Katharina Fegebank auch drastischere Optionen wie eine Tötung des Tieres oder dessen Freilassung im Raum. „Das ist eine Situation, die ich mir nicht verzeihen würde“, erklärte Fegebank mit Blick auf eine mögliche erneute Verletzung eines Menschen durch den Wolf.
Wildparkchef plädiert für Freilassung
Unterdessen sprach sich Arne Vaubel, Geschäftsführer des Wildparks Schwarze Berge südlich von Hamburg, für eine Freilassung des Wolfes aus. Er betonte, dass der Angriff nicht absichtlich erfolgt sei, sondern aus einer Panikreaktion heraus. „Der Wolf war wahrscheinlich in Panik und wollte nur raus“, so Vaubel. Der Experte geht davon aus, dass es sich um einen wilden Wolf handele, der weder Stadt noch Menschen kenne. Eine Integration in das Wolfsrudel seines Wildparks hält Vaubel allerdings für unmöglich, da das Tier ein eigenes Gehege benötigen würde und nach wie vor als wildes Tier einzustufen sei.
Erster dokumentierter Bissvorfall seit 1998
Der Vorfall stellt nach Angaben der Behörden den ersten Fall einer durch einen Wolf verursachten Bissverletzung seit der Etablierung der Art im Jahr 1998 dar. „Seit der Rückkehr der Art nach Deutschland wurde kein Mensch durch einen Wolf verletzt“, bestätigte das Bundesamt für Naturschutz. Die verletzte Frau konnte das Krankenhaus nach kurzer ambulanter Behandlung bereits wieder verlassen, Details zur Schwere der Verletzung wurden nicht bekannt gegeben.
Angstreaktion und Orientierungsverlust als Ursache
Sowohl die Umweltsenatorin als auch Experten gehen von einer Angstreaktion des Wolfes aus. Das Tier habe sich über anderthalb Tage „vollkommen arttypisch“ und „menschenscheu“ verhalten, bevor es in das urbane Zentrum gelangte. Nach dem Vorfall in der Einkaufspassage im dicht besiedelten Stadtteil Altona lief der Wolf noch bis in die Innenstadt, wo er am Jungfernstieg von der Polizei eingefangen wurde. Bis zum Transport nach Niedersachsen war er im Wildgehege Klövensteen im Westen Hamburgs untergebracht und tiermedizinisch versorgt worden.
Umweltstaatsrätin Stefanie von Berg (Grüne) vermutet, dass der Wolf auf der Suche nach einem neuen Revier in die Stadt kam und dabei die Orientierung verlor. „Das ist die Erklärung dafür, dass er immer weiter rein gegangen ist, anstatt umzudrehen“, erklärte sie. Der Weg aus der Passage sei dem Tier durch gläserne Automatiktüren versperrt gewesen, und die Frau habe ihm helfen wollen, was zu dem bedauerlichen Vorfall führte.



