Wiesenzecke erobert Norddeutschland: Neue Risiken für Mensch und Hund
Mit den wärmeren Temperaturen zieht es immer mehr Menschen in die Natur – doch Vorsicht ist geboten. Neben dem bekannten Gemeinen Holzbock breitet sich in Norddeutschland zunehmend die Wiesenzecke aus. Diese Entwicklung stellt neue Herausforderungen für den Gesundheitsschutz dar.
Zwei FSME-Risikogebiete in Niedersachsen
In Niedersachsen gelten die Landkreise Celle und Emsland als Risikogebiete für die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Es handelt sich dabei um die nördlichsten FSME-Risikogebiete in ganz Deutschland. Zecken können nicht nur FSME, sondern auch Borreliose übertragen – beide Krankheiten sind ernst zu nehmen.
„Hat die Zecke zugestochen, sollte man sie schnell entfernen. Die Borreliose-Erreger werden nämlich erst nach ein paar Stunden übertragen“, erklärt Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD). Bei FSME hingegen erfolgt die Virusübertragung sofort mit dem Stich. „Ob eine FSME-Impfung sinnvoll ist, sollte am besten hausärztlich abgeklärt werden“, rät der Minister.
Wiesenzecke: Gefahr vor allem für Hunde
Forscher beobachten in den letzten Jahren vermehrt das Auftreten der Wiesenzecke in Norddeutschland. Laut dem Landesgesundheitsamt Niedersachsen (NLGA) bevorzugt diese Art sonnige Gebiete, Wiesen und trockenes Brachland.
„Diese Art ist zwar für den Menschen weniger gefährlich, kann aber eine tödliche Infektion auf Hunde übertragen“, warnt Andrea Springer von der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Die Ausbreitung der Wiesenzecke wird durch verschiedene Faktoren begünstigt:
- Veränderte Klimabedingungen
- Verändertes Vorkommen von Wildtieren
- Vermehrte Reisen mit Hunden, die bevorzugte Wirte dieser Zeckenart sind
Die Verbreitung erstreckt sich mittlerweile auch auf Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.
Ganzjährige Zeckengefahr und Schutzmaßnahmen
Der Naturschutzbund (Nabu) in Bremen ruft alle Naturfreunde und besonders Haustierbesitzer auf, Fotos von entdeckten Zecken zu machen und einzusenden. „Anders als früher sind Zecken heute aufgrund der höheren Temperaturen nicht saisonal, sondern ganzjährig unterwegs“, erklärt Theresa Seidel vom Nabu. Daher können Zeckenfunde jederzeit gemeldet werden.
Das Landesgesundheitsamt Niedersachsen gibt konkrete Empfehlungen für den Aufenthalt in der Natur:
- Tragen Sie lange Oberteile und Hosen beim Durchstreifen von Grasflächen
- Helle Kleidung erleichtert das Erkennen der oft nur wenige Millimeter kleinen Zecken
- Nach dem Aufenthalt in der Natur gründlich absuchen, besonders:
- Arme
- Schritt
- Kniekehlen
- Hals
- Kopf
Die zunehmende Verbreitung der Wiesenzecke in Norddeutschland erfordert erhöhte Aufmerksamkeit von Naturfreunden und Haustierbesitzern. Während für Menschen weiterhin der Gemeine Holzbock die größere Gefahr darstellt, müssen Hundehalter besonders auf die neue Zeckenart achten.



