Rettungsaktion für gestrandeten Buckelwal vor Poel: Minister Backhaus duldet private Initiative
Wal-Rettung vor Poel: Minister duldet private Initiative

Beispiellose Rettungsaktion für gestrandeten Buckelwal vor Poel

Vor der Insel Poel in der Ostsee hat am Donnerstagmorgen eine bislang beispiellose Rettungsaktion für einen gestrandeten Buckelwal begonnen. Ein Team aus privaten Helfern und Spezialfirmen versucht, den seit Wochen in der Ostsee festsitzenden und stark geschwächten Meeressäuger zu bergen und in die offene See zu schleppen. Die Aktion wird von Mediamarkt-Gründer Walter Gunz und Unternehmerin Karin Walter-Mommert finanziert.

Minister Backhaus: Keine Genehmigung, aber Duldung

Umweltminister Till Backhaus (SPD) hat klargestellt, dass das Land Mecklenburg-Vorpommern keine Genehmigung für die Rettungsmaßnahme erteilt hat. „Es ist mir wichtig, hier für Klarheit zu sorgen“, teilte Backhaus mit. Rechtlich bestehe für eine solche Genehmigung keine Grundlage. Das vorgelegte Konzept der privaten Rettungsinitiative sei als Anzeige einer Inobhutnahme zu bewerten. Nach Prüfung habe man entschieden, die Maßnahme zu dulden, da kein Grund für eine Untersagung bestand.

Backhaus betonte jedoch, dass das wissenschaftliche Gutachten, das den Gesundheitszustand des Tieres als kritisch einschätzt, für das Land weiterhin maßgeblich sei. Gleichzeitig räumte er ein: „Auch die Wissenschaft kann sich mal irren.“ Der Minister verteidigte den Rettungsversuch, da nun erstmals ein geeignetes, minimalinvasives Konzept vorliege.

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Komplexer Rettungsplan mit Verzögerungen

Der Rettungsplan sieht mehrere aufwendige Schritte vor:

  • Zunächst soll der Schlick unter dem Wal weg gespült werden
  • Anschließend wird der Wal mit Luftkissen angehoben
  • Das Tier soll dann auf einer Plane zwischen zwei Schwimmkörpern platziert werden
  • Schlepper sollen den Wal schließlich in die Nordsee transportieren

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Am Hafen von Kirchdorf sind schwere Geräte eingetroffen, darunter mobile Kräne, Pontons und Pumpen. Allerdings verzögert sich die Aktion. „Wir sind einen Tag hinten dran“, räumte Walter Gunz ein. Das Anheben des Wals mit Luftkissen soll erst am Samstag stattfinden.

Reaktionen und Kritik

Die Rettungsaktion stößt auf unterschiedliche Reaktionen. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace beteiligt sich nicht an der Aktion und kritisiert sie: „Nach allen uns vorliegenden Informationen ist dieser Wal krank und stark geschwächt.“ Die Erfolgsaussichten bei einer Lebendbergung seien sehr gering und gingen mit einem hohen Verletzungsrisiko einher.

Meeresbiologe Boris Culik bewertet den Rettungsversuch zwar positiv, weist aber auf ein grundlegendes Problem hin: „Das Hauptproblem des Netzrestes in seinem Maul bleibt bestehen.“ Wenn der Wal nicht von den Netzresten befreit werden könne, sei es letztlich der Abtransport eines sterbenden Tieres.

Im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern äußerten sich die Fraktionen unterschiedlich. Der tierschutzpolitische Sprecher der Grünen, Harald Terpe, forderte: „Das Ministerium darf sich jetzt nicht von seiner Verantwortung für das Wohl des Tieres entbunden sehen.“

Großes öffentliches Interesse

Das Schicksal des Wales bewegt bundesweit die Gemüter. Zahlreiche Schaulustige sind nach Poel gereist, um die Rettungsaktion zu verfolgen. Die Polizei sichert das Gebiet ab und ahndet Verstöße gegen die Sperrzone mit Bußgeldern bis zu 5.000 Euro.

Für die Bewohner der Insel Poel hat der Wal-Hype das Leben verändert. Einige leiden unter den vielen Helfern und Schaulustigen, während andere mit dem Wal leiden und auf seine Rettung hoffen.

Die Rettungsinitiative betont, dass sie sich nach der Zeit des Tieres richtet. Tierärztin Janine Bahr van Gemmert sagte: „Menschen könnten einen Zeitplan machen, aber wir richten uns nach der Zeit des Tieres.“ Der Wal habe sich heute ein bisschen hin und her gewälzt, was eigentlich ein Zeichen dafür sei, dass er nicht verletzt ist.

Die kommenden Tage werden zeigen, ob die aufwendige Rettungsaktion erfolgreich sein wird und der Buckelwal tatsächlich den Weg zurück in die offene See finden kann.

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