Gestrandeter Wal vor Poel: Rettungsaktion geht in den vierten Tag
Die private Rettungsinitiative für den gestrandeten Buckelwal vor der Insel Poel setzt ihre Bemühungen am Sonntag fort, nachdem die Aktion bereits in den vierten Tag geht. Seit Donnerstag arbeiten Helfer daran, das geschwächte Tier lebend zurück in die Nordsee zu bringen. Ursprünglich war der Transport für Freitag geplant, doch bisher konnte der Wal nicht weggeschleppt werden.
Schwierige Vorbereitungen und Schutzmaßnahmen
Am Samstag verbrachten Helfer den gesamten Tag in der Nähe des Wals, brachten eine schwimmende Arbeitsplattform näher an das Tier und bedeckten seinen Rücken mit Tüchern zum Sonnenschutz. Laut der Tierärztin Janine Bahr-van Gemmert, die an dem Rettungsversuch beteiligt ist, war ein Transport ins offene Meer jedoch nicht möglich. Sie betonte, dass das Team von außen nicht unter Druck stehen wolle, weshalb der genaue Zeitplan nicht preisgegeben wurde. "Wir sind jetzt gut dabei", sagte Bahr-van Gemmert, gestand aber auch ein: "Wir wären gerne noch schneller."
Kritik von Experten und Verteidigung der Initiative
Wissenschaftler, Fachleute von Behörden und Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace äußerten Kritik an der Aktion. Sie sind sich einig, dass der Wal Ruhe brauche und weitere Eingriffe massive Schäden verursachen könnten. Ein Sprecher von Greenpeace erklärte, der Gesundheitszustand des Wals sei an der flacheren Atmung erkennbar, was auf Schwäche und Krankheit hindeute. "Wenn er strandet, wird die Atmung flacher und eher ein Seufzen", so der Meeresbiologe. Die Umweltschutzorganisation sieht wenig Chancen für eine Rettung und warnt, dass das Tier im besten Fall in der Nordsee ertrinken könnte.
Bahr-van Gemmert wies diese Kritik zurück und betonte, dass die Helfer den Wal vor Ort gesehen hätten und von seiner "reellen Chance" überzeugt seien. Sie beschrieb das Dilemma: "Zu sehen, wie der Wal versucht, sich aus seiner Lage rauszukämpfen, ist für mich kein Tierschutz. Und ihn in Ruhe sterben lassen ist es auch nicht, weil es keine Ruhe ist."
Technische Details und weitere Pläne
Die Rettungsinitiative plant, unter den Wal eine zwischen Pontons befestigte Plane zu führen, um ihn aus dem flachen Bereich zu bergen und Richtung Nordsee zu transportieren. Messungen des Umweltministeriums ergaben, dass der Buckelwal 12,35 Meter lang, 3,20 Meter breit und 1,60 Meter hoch ist. Am Samstag versuchten Helfer unter anderem, das Maul des Tieres zu kontrollieren, um zu prüfen, ob noch ein Stück Netz in den Barten steckt, was jedoch nicht gelang.
Der Wal liegt bereits den 20. Tag an derselben Position in der Kirchsee in der Wismarer Bucht. Trotz der anhaltenden Schwierigkeiten bleibt die Initiative optimistisch und setzt ihre Arbeit fort, in der Hoffnung, das Tier doch noch retten zu können.



