Tag 4 der Walrettung vor Poel: Santiano übt scharfe Kritik an privaten Rettern
Am vierten Tag der beispiellosen Rettungsaktion für den gestrandeten Buckelwal vor der Insel Poel in der Ostsee hat die Band Santiano in einem ausführlichen Statement scharfe Kritik an den privaten Helfern geübt. Die Shanty-Rocker, die auch als Botschafter des deutschen Komitees der UN-Ozeandekade fungieren, sprechen sich deutlich gegen die neuen Rettungsversuche aus und bezeichnen die Initiatoren als „selbsternannte Walretter“.
Santiano warnt vor Pseudorevolutionären und Eitelkeit
In ihren sozialen Medien äußerten die Musiker Bedenken, dass hier Wissenschaft und Expertise infrage gestellt würden. Sie kritisierten, dass „jeder dahergelaufene Trouble-Junkie seine Chance auf der großen Bühne der Arroganz, der Eitelkeit und des Pseudorevolutionären“ nutze. Santiano betonte, dass der Wal mittlerweile so gestresst und geschwächt sei, dass ein erfolgreicher Transport nur zu einem elenden Verrecken führen würde. Großflächige Hautabplatzungen sprächen zudem gegen weitere Eingriffe.
Rettungsaktion verzögert sich weiter
Unterdessen zieht sich die Rettungsaktion des etwa zwölf Meter langen Buckelwals weiter in die Länge. Ursprünglich war für Freitag der Transport in die Nordsee geplant, doch auch am Samstag und Sonntag gelang die Befreiung nicht. Die private Initiative, finanziert von Mediamarkt-Gründer Walter Gunz und Unternehmerin Karin Walter-Mommert, setzt auf ein Konzept mit Luftkissen und einer Transportplane zwischen Schwimmpontons. Am Sonntagmorgen begannen die Helfer mit dem Ausspülen des Schlicks unter dem Wal, doch der harte Grund verzögerte die Arbeiten.
Greenpeace sieht geringe Überlebenschancen
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace äußerte sich skeptisch zu den Erfolgsaussichten. Ein Sprecher sagte, die Chancen, dass der Wal in der Nordsee frei schwimme, seien gering, und er werde dort wahrscheinlich ertrinken. Der Wal sei durch Hunger und Netzreste im Maul stark geschwächt. Greenpeace beteiligt sich nicht an der Aktion und konzentriert sich stattdessen auf den allgemeinen Meeresschutz.
Behörden dulden, aber überwachen die Aktion
Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern unter Till Backhaus (SPD) duldet die Rettungsaktion, hat sie aber nicht genehmigt. Eine Sprecherin wies pauschalisierte Behördenkritik zurück und betonte, dass alle Schritte abgestimmt werden müssten. Am Samstag überwachten Behördenmitarbeiter die Vorbereitungen vom Wasser aus. Die Tierärztin Janine Bahr-van Gemmert, die an der Aktion beteiligt ist, sagte, es bestehe eine reelle Chance für den Wal, betonte aber auch Verzögerungen durch Genehmigungsprozesse.
Deutscher Ethikrat sieht Handlungsfähigkeit statt Ohnmacht
Der Deutsche Ethikrat kommentierte, dass das Drama um den Wal bei einigen Menschen ein Gefühl der Handlungsfähigkeit statt Ohnmacht auslöse. In Zeiten von Klimakrise und Kriegen biete die Rettung eine Möglichkeit, aktiv zu werden. Dies erkläre die große öffentliche Anteilnahme, auch bei Menschen ohne besondere Nähe zu Walen.
Aktueller Stand: Wal bleibt vorerst in der Bucht
Am Sonntag lag der Wal weitgehend bewegungslos in der Bucht vor Poel. Helfer brachten das Transportnetz in Sichtweite, um das Tier daran zu gewöhnen. DLRG-Kräfte sicherten den Einsatz mit fünf Booten und einem Jet-Ski. Walter Gunz äußerte sich optimistisch und verwies auf den „Wal-Flüsterer“ Sergio Bambaren, der einen guten Kontakt zum Tier aufgebaut habe. Dennoch bleibt unklar, wann der Transport tatsächlich beginnen kann.
Die Rettungsaktion hat das Leben auf Poel verändert, mit vielen Schaulustigen und Medien vor Ort. Während einige Bewohner die Aktion begrüßen, klagen andere über Störungen. Die Diskussion über Rettung oder Sterbebegleitung bleibt emotional aufgeladen, mit kontroversen Positionen von Experten, Politikern und der Öffentlichkeit.



