Rettungsversuche für gestrandeten Buckelwal vor Wismar werden eingestellt
Die dramatischen Rettungsbemühungen für den in der Wismarbucht festsitzenden Buckelwal werden nun offiziell eingestellt. Nach intensiven Versuchen, den Meeressäuger zu befreien, haben die Verantwortlichen beschlossen, das Tier an seinem aktuellen Liegeplatz in Ruhe zu lassen. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) bezeichnete die Situation als äußerst emotional und sprach von einer „einzigartigen Tragödie“.
Minister Backhaus: „Alles unternommen“
Umweltminister Till Backhaus erklärte, dass alle verfügbaren Mittel ausgeschöpft wurden, um dem Wal eine Überlebenschance zu geben. „Wir haben alles unternommen, um ihm seine Chance zu geben. Das ist eine einzigartige Tragödie. Die hat er sich aber so ausgesucht“, sagte der Minister. Um dem Tier den nötigen Frieden zu gewähren, wurde eine Sperrzone eingerichtet. Der Wal soll zur Ruhe kommen können, um schließlich sein Leben zu beenden.
Wissenschaftliche Einschätzung: Keine Hoffnung mehr
Burkard Baschek, wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Meeresmuseums, betonte, dass das Tier mit großer Wahrscheinlichkeit sterben wird. Die Aussichten auf eine Befreiung seien extrem gering. Der Wal zeigt deutliche Anzeichen von Schwäche: Seine Atemfrequenz war am Vormittag sehr unregelmäßig, teilweise mit Abständen von über vier Minuten zwischen den Atemzügen. Zudem liegen seine Brustflossen nah am Körper an, und er reagiert kaum noch auf äußere Einflüsse.
Baschek erklärte weiter: „Die Reaktion auf uns, auf unsere Präsenz, war quasi null.“ Die Bedingungen in der Bucht verschlechtern sich zusätzlich, da der Wasserstand voraussichtlich um 10 bis 15 Zentimeter sinken wird. Obwohl das Tier jetzt etwas freier liegt, sind die Erfolgsaussichten für weitere Rettungsversuche minimal.
„Maximale Ruhe und Respekt vor der Natur“
Der Experte begründete die Entscheidung, die Rettungsversuche einzustellen, mit ethischen Überlegungen: „Wir müssten ihn so massiv animieren, was aussichtslos wäre, weil er die Kraft nicht mehr hat. Und die Erfolgschancen sind so gering, dass wir das als reine Tierquälerei empfinden würden.“ Stattdessen plädiert Baschek für einen Ansatz der maximalen Ruhe und des Respekts vor der Natur.
Realistisch betrachtet hatte der Wal am Morgen seine letzte Gelegenheit zur Rettung, die er jedoch nicht nutzen konnte. „Der Ansatz der maximalen Ruhe und der Respekt vor der Natur gebietet es auch, irgendwann dann mal ihn gehen zu lassen“, fügte Baschek hinzu.
Hintergrund: Der Wal in der Wismarbucht
Der Buckelwal liegt seit längerer Zeit in flachem Wasser vor der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns. Bereits Anfang März war der Wal mehrfach an der Ostseeküste gesichtet worden, zunächst im Hafen von Wismar. Aktuell befindet er sich in der Kirchsee, einem Teil der Wismarbucht. Die anhaltende Präsenz des Wals hat in der Region für große Aufmerksamkeit und Betroffenheit gesorgt.
Die Entscheidung, die Rettungsversuche einzustellen, markiert das traurige Ende einer intensiven Bemühung, das Leben des Meeressäugers zu retten. Die Behörden und Experten betonen jedoch, dass dieser Schritt im Sinne des Tierwohls und aus Respekt vor der Natur notwendig ist.



