Rettungsaktion für gestrandeten Buckelwal vor Poel: Wind und Wasserstand erschweren den Transport
Der Fortgang der Rettungsaktion für den gestrandeten Buckelwal vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns bleibt ungewiss. Seit Tagen laufen intensive Vorbereitungen, um das rund zwölf Meter lange Tier zurück ins offene Meer zu bringen. Allerdings stellen steigender Wasserstand und auffrischender Wind die Helfer vor neue Herausforderungen.
Plan B wird vorbereitet: Wal könnte sich selbst befreien
Vertreter der privaten Rettungsinitiative zeigen sich trotz der Widrigkeiten zuversichtlich. Rechtsanwältin Constanze von der Meden erklärt, dass ein Plan B für den Fall vorbereitet wird, dass sich der Wal aus eigener Kraft freischwimmt. „Die DLRG-Boote sind auf Stand-by, um ihn dann guiden zu können“, sagt sie. Der Wal hatte sich in der Vergangenheit bereits einmal selbst befreien können, sich dann aber erneut festgesetzt.
Der ursprüngliche Plan sah vor, eine Plane unter den Wal zu ziehen und an Pontons zu befestigen, die von einem Schlepper gezogen werden sollten. So sollte das Tier bis in den Atlantik transportiert werden. Doch Walter Gunz, Mitgründer von MediaMarkt und einer der Geldgeber der Aktion, äußert sich pessimistisch: „Gestern hätten wir die richtige Wasserhöhe noch gehabt. Heute haben wir plötzlich 70 Zentimeter mehr“. Dies mache das Anbringen der Pontons unmöglich.
Bürokratie und Wetter erschweren die Rettung
Gunz beklagt zudem Verzögerungen durch bürokratische Hürden, die die Aktion um eineinhalb bis zwei Tage zurückgeworfen hätten. „Jetzt brauchen wir ein Wunder“, sagt er. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) weist diese Vorwürfe jedoch zurück. Die Behörden reagierten schnell und flexibel, betont er in einem Statement auf Poel.
Die Rettungsaktion wird vom Umweltministerium eng begleitet und mit Behördenvertretern abgestimmt. Backhaus verweist auf den erwarteten steigenden Wasserstand, der möglicherweise eine Chance für den Wal bieten könnte. Der Buckelwal liegt bereits seit 21 Tagen in der Wismarbucht vor der Insel Poel.
Zustand des Wals: Tierärzte zeigen sich optimistisch
Die leitende Tierärztin der Initiative, Janine Bahr-van Gemmert, berichtet von positiven Signalen. „Er atmet deutlich tiefer ein. Das ist ein gutes Zeichen“, sagt sie. Gemeinsam mit vier weiteren Tierärzten überwacht sie den Gesundheitszustand des Wals. Sie weist Bedenken zurück, dass der Rettungsversuch dem Tier schaden könnte: „Wir sind nicht hier, um irgendeinem Tier weiteres Leiden zuzufügen“.
Kritik von Wissenschaftlern und Fachleuten, die weitere Eingriffe für schädlich halten, weist Bahr-van Gemmert entschieden zurück. „Diese Leute haben diesen Wal ja nicht gesehen. Wir haben ihn vor Ort gesehen“, betont sie. Der Wal sei orientierungslos und geschwächt, doch die Helfer sind überzeugt, dass eine Rettung möglich ist.
GPS-Sender und weitere Maßnahmen geplant
Falls der Buckelwal befreit werden kann, plant das Umweltministerium, ihm einen GPS-Sender zu verpassen. „Damit wir genau wissen, wo er ist. Denn der Wal kann eben auch für längere Zeit abtauchen“, erklärt Backhaus. Dies würde eine kontinuierliche Überwachung ermöglichen.
Bereits am Sonntag wurden konkrete Maßnahmen umgesetzt: Eine Rinne vom tieferen Wasser in Richtung Wal wurde hergestellt, indem Schlick weggesaugt wurde. Die Plane liegt bereits im Wasser und ist für den Wal sichtbar. Die Vorbereitungen laufen seit Donnerstag auf Hochtouren.
Hintergrund: Wal seit März an der Ostseeküste unterwegs
Der Buckelwal war bereits seit Anfang März an der Ostseeküste gesichtet worden, zunächst im Hafen von Wismar, später in der Lübecker Bucht und bei Steinbeck. Das Tier hatte sich mehrfach in Netzen verfangen und wurde von Einsatzkräften sowie Meeresschützern der Organisation Sea Shepherd teilweise befreit. Vor Poel hat er sich nun zum dritten Mal festgesetzt.
Messungen des Umweltministeriums ergaben, dass der Wal 12,35 Meter lang, 3,20 Meter breit und 1,60 Meter hoch ist. Trotz seiner geschwächten Verfassung halten die Helfer an der Rettungsaktion fest. Die nächsten Stunden werden entscheidend sein, ob der Wal sich selbst befreien kann oder der Transport doch noch gelingt.



