Drama um gestrandeten Ostsee-Wal: Lage unverändert kritisch
Die Sorgen um den in der Bucht vor Wismar liegenden Buckelwal wachsen weiter. Das etwa 12 bis 15 Meter lange Tier bewegt sich kaum, atmet aber noch regelmäßig. Seit Sonntag liegt der Meeressäuger unverändert in der flachen Ostsee-Bucht und wird durchgängig von Experten und der Wasserschutzpolizei beobachtet.
Experten versuchen vergebens, den Wal zu animieren
Ein Team von Greenpeace und der Wasserschutzpolizei näherte sich am Montagmorgen mit einem Schlauchboot dem geschwächten Tier. „Wir haben versucht, ihn durch Lärm zu animieren“, erklärte Franziska Saalmann, Meeresschutz-Expertin von Greenpeace. „Dazu haben wir mit dem Paddel aufs Wasser geschlagen, um zu gucken, ob er sich bewegt. Da kam aber keine Reaktion zurück.“ Dies zeige deutlich, dass das Tier weiterhin stark geschwächt sei.
Der Wal atmet etwa alle fünf Minuten, was an einer kleinen Wasserwolke über seinem Körper zu erkennen ist. „Diese Atemfrequenz ist so weit in Ordnung“, sagte Saalmann. „Da scheint mir jetzt erst mal nichts Besorgniserregendes daran zu sein. Aber das ist etwas, was wir im Auge behalten.“
Sinkender Wasserstand erschwert Rettungsbemühungen
Ein wesentliches Problem ist der gesunkene Wasserstand in der Wismarer Bucht. Während am Sonntagnachmittag der Pegel noch 13 Zentimeter über Normalhöhennull lag, sank er in der Nacht zum Montag um fast 50 Zentimeter. „Dadurch ist es derzeit unwahrscheinlicher, dass der Wal sich freischwimmen kann“, erklärte die Greenpeace-Expertin.
Allerdings gibt es einen Hoffnungsschimmer: Den Angaben des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie zufolge soll der Wasserstand am frühen Dienstagmorgen wieder auf etwa 20 bis 30 Zentimeter über Normalhöhennull steigen. „Der Wasserstand soll ja auch wieder steigen. Er kann derweil noch mal Kraft sammeln durch die Ruhe, die wir ihm geben wollen“, so Saalmann.
Komplexe Rettungssituation und anhaltende Überwachung
Die Situation ist besonders komplex, weil unklar ist, ob der Wal nach einer möglichen Befreiung den Weg zurück in die Nordsee finden würde. „Wir wissen nicht genau, was für Krankheiten er eventuell hat“, sagte Saalmann im ZDF-Morgenmagazin. „Und ob sein Orientierungssinn und Allgemeinzustand so geschwächt sind, dass er einfach nicht richtig klarkommt.“
Die Überwachung des Wales erfolgt rund um die Uhr:
- Die Wasserschutzpolizei hat ein Schichtsystem eingerichtet
- Ein Sperrgebiet von 500 Metern um den Wal wurde eingerichtet
- Ein Küstenstreifenboot patrouilliert in der Bucht
- Möwen setzen sich hin und wieder auf den Wal und picken von seinem Rücken
Langer Leidensweg des Ostsee-Buckelwals
Das Drama um den Buckelwal zieht sich bereits seit Anfang März hin:
- Zunächst tauchte der Wal im Hafen von Wismar auf
- Später war er in der Lübecker Bucht und bei Steinbeck zu sehen
- Das Tier verfing sich mehrfach in Fischernetzen
- Einsatzkräfte und Sea Shepherd befreiten ihn von Netzteilen
- Vor Timmendorfer Strand strandete er erneut und befreite sich durch eine Bagger-Rinne
- Am Samstag strandete er erneut in der Wismarbucht
„Die Überlebenschancen werden nicht besser gerade“, resümierte Saalmann die ernste Lage. „Es ist eine schwierige Situation für ihn. Er lebt geschwächt in einem Lebensraum, der nicht auf ihn ausgelegt ist.“ Das Expertenteam will die Hoffnung jedoch nicht aufgeben und den Wal weiter unterstützen – entweder durch in Ruhe lassen oder durch gezielte Animation zum Freischwimmen.



