Denkmal für tierischen Helden: Minensuchratte Magawa in Stein verewigt
In einer bewegenden Zeremonie wurde in Kambodscha ein einzigartiges Denkmal enthüllt: Eine 2,20 Meter hohe Statue zu Ehren von Magawa, der wohl berühmtesten Minensuchratte der Welt. Die feierliche Enthüllung fand passend zum Internationalen Tag der Minenaufklärung statt und wurde von der Nationalhymne sowie dem Segen buddhistischer Mönche begleitet.
Ein Leben im Dienst der Menschheit
Fünf Jahre lang durchkämmte die Afrikanische Riesenhamsterratte Magawa verminte Gebiete in Kambodscha. Mit ihrer außergewöhnlichen Spürnase entdeckte sie mehr als hundert Landminen und Blindgänger – eine Leistung, die alle ihre Artgenossen übertraf. „Auch die Kleinsten können eine ganz große Rolle spielen“, betonte Ly Thuch, Vizepräsident der kambodschanischen Behörde für Minenräumung und Opferhilfe, während der Denkmalenthüllung.
Die belgische Organisation Apopo, welche die sogenannten HeroRATs ausbildet, bestätigte, dass es sich um das erste Monument dieser Art handelt. Magawa erlebte diese Würdigung nicht mehr selbst – der heroische Nager starb Anfang 2022 friedlich im Alter von acht Jahren.
Symbol gegen eine tödliche Gefahr
Das Denkmal steht im Zentrum der Kleinstadt Siem Reap, nur wenige Kilometer von den berühmten Tempelanlagen von Angkor entfernt. Besonders auffällig ist der Sockel: Er hat die Form einer Landmine, in die echte Fragmente entschärfter Sprengkörper eingelassen sind. Die Behörden hoffen, dass das Monument nicht nur an Magawas Leistung erinnert, sondern auch Touristen anlockt.
Der Internationale Tag zur Aufklärung über die Minengefahren findet seit 2005 jährlich am 4. April statt. Ziel ist es, über die tödlichen Gefahren von Landminen und Blindgängern aufzuklären – eine Notwendigkeit, die in Kambodscha besonders drängend ist.
Kambodschas minenverseuchte Vergangenheit
Während der Schreckensherrschaft der Roten Khmer unter Pol Pot (1975-1979) und dem anschließenden Bürgerkrieg wurden Millionen Minen verlegt – oft ohne Karten oder Dokumentation. Bis heute lauern unbekannte Mengen an Sprengkörpern im Boden. Ganze Landstriche sind unbewohnbar, Felder können nicht bestellt werden.
Laut dem globalen „Landmine Monitor“ gab es allein 2024 weltweit mehr als 6200 Minenopfer. 1945 Menschen wurden getötet, die anderen erlitten teils schwerste Verletzungen. Wie viele Landminen weltweit unter der Erde lauern, ist nicht sicher – Schätzungen gehen von Dutzenden Millionen aus.
Geniale Minensucher mit besonderen Fähigkeiten
Afrikanische Riesenhamsterratten wie Magawa haben sich als ideale Minensucher erwiesen. „Ratten sind leicht genug, um keine Minen auszulösen, und schnell genug, um große Flächen systematisch abzusuchen“, erklärt Tom Grundy, ein Sprecher von Apopo.
Die Arbeitsweise der Tiere ist beeindruckend:
- An Leinen geführt durchsuchen sie systematisch verminte Flächen
- Beim Geruch von Sprengstoff verharren sie oder beginnen zu scharren
- Dies signalisiert ihren Trainern die gefährliche Stelle
- Eine einzelne Ratte kann ein Tennisplatz-großes Gebiet in 30 Minuten absuchen
„Die Tiere sind stark futtermotiviert“, fügt Grundy hinzu. Belohnt werden sie bei ihrer lebensrettenden Arbeit vor allem mit Bananen und Erdnüssen.
Internationale Anerkennung zu Lebzeiten
Bereits 2020 erhielt Magawa als erste Ratte überhaupt die Goldmedaille der Tierschutzorganisation PDSA – die höchste internationale Ehrung für tierischen Mut. Bilder der struppigen Ratte mit dem Verdienstorden um den Hals gingen damals um die Welt.
Geboren wurde Magawa 2014 im ostafrikanischen Tansania, wo auch ihre Ausbildung begann. Die flinken Tiere arbeiten sich systematisch durch verminte Flächen und ermöglichen so die sichere Räumung durch menschliche Spezialisten.
Ein bleibendes Vermächtnis
Mit dem Denkmal ist Magawas außergewöhnliche Leistung nun dauerhaft sichtbar in Stein gemeißelt. Die Statue erinnert nicht nur daran, dass Tiere unter Einsatz ihres Lebens Menschen retten können, sondern mahnt auch, dass das Minenproblem an vielen Orten der Welt noch längst nicht gelöst ist.
Die erhobene Spürnase, langen Schnurrhaare und wachen Knopfaugen der überlebensgroßen Statue blicken nun über den Fluss Siem Reap – ein stummer Zeuge für Mut, Hingabe und die fortwährende Gefahr, die von vergessenen Kriegsrelikten ausgeht.



