Aldi reagiert auf Tierschutzkampagne: Höhere Standards für Garnelen bis 2035
Aldi kündigt Tierschutzmaßnahmen für Garnelen an

Aldi setzt auf mehr Tierschutz in der Garnelenproduktion

Die Deutschen verzehren jährlich schätzungsweise 2,5 Milliarden Garnelen, was diese Tiere zu den am häufigsten konsumierten Lebewesen macht. Viele dieser Garnelen stammen aus industrieller Aquakultur, oft aus asiatischen oder lateinamerikanischen Ländern, wo Tierwohl bisher kaum Beachtung fand. Nun reagiert der Discounter Aldi auf Kritik von Tierschutzorganisationen und kündigt umfangreiche Maßnahmen an.

Kampagne bringt Bewegung in die Branche

Das International Council for Animal Welfare (ICAW) hatte in einer Kampagne auf Missstände in der Garnelenproduktion aufmerksam gemacht. Besonders kritisiert wurde die gängige Praxis, Garnelen vor der Schlachtung in Eiswasser zu bringen, was nicht immer zuverlässig betäubt und zu qualvollem Ersticken bei Bewusstsein führen kann. Laut aktuellem Forschungsstand gilt die elektrische Betäubung als tierschutzgerechteste Methode.

Jonas Becker vom ICAW kommentiert: "Wir stehen hier vor dem vermutlich größten Tierschutz-Versprechen, das jemals gemacht wurde." Die Ankündigung von Aldi Nord und Süd betrifft geschätzt etwa 2,14 Milliarden Tiere pro Jahr.

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Konkrete Zeitpläne für Umstellung

Aldi Nord teilte mit, dass sich das Unternehmen gemeinsam mit Aldi Süd und weiteren Partnern an einer Studie zur elektrischen Betäubung beteiligt, die 2028 abgeschlossen sein soll. Ab diesem Zeitpunkt beginnt Aldi bei seinen Warmwassergarnelen der Eigenmarke mit der Umstellung auf elektrische Betäubung oder andere durch die Studie bestätigte Maßnahmen.

Das Ziel ist die vollständige Umsetzung bis 2035. Zudem verpflichtet sich Aldi, ab 2028 jährlich transparent über den Stand der Umsetzung von Betäubungsmethoden vor der Schlachtung zu berichten.

Weitere Verbesserungen in der Zucht

Neben der Schlachtung adressiert Aldi auch die umstrittene Augenstielablation, bei der Muttertieren in der Zucht ein Auge abgeschnitten wird, um die Eiproduktion zu steigern. Das Unternehmen hat sich verpflichtet, diese Praxis bei Weißfußgarnelen bis 2029 und bei Riesengarnelen bis spätestens 2030 abzuschaffen.

Diese Maßnahme betrifft ausschließlich die Zuchtpopulation und nicht die direkt verkauften Tiere. Für Bio-Shrimps gilt das Ablationsverbot bereits jetzt.

Vorreiterrolle im deutschen Einzelhandel

Laut ICAW ist Aldi der erste deutsche Supermarkt, der einen konkreten Zeitplan für den Garnelen-Tierschutz veröffentlicht hat. Im Vereinigten Königreich haben sich mittlerweile alle großen Supermärkte mit ähnlichen Plänen zur Umstellung auf elektrische Betäubung verpflichtet, und auch in Frankreich und den Niederlanden ziehen erste Händler nach.

Die Tierschutzorganisation stellt nun die Frage, wie sich andere deutsche Einzelhändler positionieren werden. Die Ankündigung von Aldi könnte somit eine Signalwirkung für die gesamte Branche haben und zu höheren Standards in der Aquakultur führen.

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