Tausende Meeresgänse erobern Vorpommern: Weißwangengänse zeigen spektakuläres Comeback
Meeresgänse erobern Vorpommern: Weißwangengänse im Comeback

Tausende Meeresgänse erobern Vorpommern: Weißwangengänse zeigen spektakuläres Comeback

Noch vor etwa 60 Jahren waren Meeresgänse in Vorpommern eine absolute Seltenheit und im Binnenland kaum zu beobachten. Heute bevölkern Tausende Weißwangengänse regelmäßig die Haffwiesen, das Peenetal und andere Regionen in Vorpommern. Naturreporter Norbert Warmbier dokumentiert dieses faszinierende Naturschauspiel mit beeindruckenden Fotos und Beobachtungen.

Von bedrohter Art zur Erfolgsgeschichte

Die Weißwangengans, auch Nonnengans genannt aufgrund ihrer charakteristischen schwarz-weißen Kopffärbung, die an die traditionelle Tracht katholischer Nonnen erinnert, stand einst kurz vor dem Aussterben. Weltweit gab es kaum 35.000 Exemplare dieser eleganten Meeresgänse. Dank internationaler Schutzmaßnahmen hat sich die Situation dramatisch verbessert.

Die Ramsar-Konvention, ein internationales Übereinkommen zum Schutz von Feuchtgebieten, zu dem sich auch Russland verpflichtete, spielte dabei eine entscheidende Rolle. Während der Einflug nach Vorpommern früher nur in geringer Anzahl aus den subarktischen Tundragebieten Russlands erfolgte, hat sich dieses Bild grundlegend gewandelt.

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Spektakuläre Bestandszunahme in Europa

Der Bestand der Weißwangengans hat sich in Europa und Deutschland von einer einst bedrohten Art zu einer sehr erfolgreichen Population entwickelt, die stark zugenommen hat. Die Gesamtzahl der in Westeuropa überwinternden Weißwangengänse stieg von wenigen Tausend in der Mitte des 20. Jahrhunderts auf heute mehr als eine Million Tiere.

Seit den 1970er- und 1980er-Jahren haben sich die Brutgebiete aus der Arktis nach Südwesten in die Niederlande, nach Deutschland und ins Baltikum ausgedehnt. Wahrscheinlich brüten heute in Norddeutschland und am Rhein insgesamt 1100 Weißwangengans-Paare.

Vorpommern als wichtiger Rastplatz

In Vorpommern sind mittlerweile tausende Weißwangengänse regelmäßig zwischen der Insel Usedom, dem Greifswalder Bodden (bis zu 15.000 Exemplare), dem Peenetal, der Haffregion und dem Galenbecker See (oftmals über 2.000 Exemplare) zu beobachten. Naturreporter Norbert Warmbier gelang es mehrfach, Einflüge selbst zur Brutzeit von diesen kleinen, schmucken Meeresgänsen von bis zu acht Exemplaren im Trupp in den Renaturierungsflächen im Peenetalmoor zwischen Loitz und Demmin, um Anklam, am Putzarer See und am Greifswalder Bodden zu dokumentieren.

Weitere Meeresgänse in der Region

Nicht nur Weißwangengänse finden in Vorpommern ideale Bedingungen vor. Auch die Population der in den subarktischen Tundren brütenden, nur gut entengroßen dunkelbäuchigen Ringelgans hat im Überwinterungsgebiet Wattenmeer mit jetzt 80.000 Exemplaren einen Höchststand erreicht. Gelegentlich erfolgen auch Einflüge von Trupps mit bis zu 20 Exemplaren in den Greifswalder Bodden und an der Ostseeküste von Vorpommern-Greifswald.

Diese Meeresgans konnte auch in Weißwangenganstrupps im Binnenland, so am Putzarer See und Großen Koblentzer See bei Pasewalk, entdeckt werden. Ein spektakuläres Foto zeigt Blessgans, Ringelgans und Saatgans aus Russland, die gemeinsam im Naturschutzgebiet Anklamer Stadtbruch rasten.

Erfolgreicher Naturschutz und Herausforderungen

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Weißwangengans ein herausragendes Beispiel für einen erfolgreichen Naturschutz ist, der zu einer massiven Bestandszunahme und einer Ausdehnung des Brutareals in Europa geführt hat. Die Art ist durch die EU-Vogelschutzrichtlinie streng geschützt, doch kann sie in Deutschland durch Sonderregelungen in Feld- und Wiesenkulturen, wo nachweislich durch ständigen Nahrungsflug erhebliche landwirtschaftliche Schäden entstehen, bejagt werden.

Für Naturliebhaber bietet Vorpommern ein einzigartiges Schauspiel: Wer dem wundervollen Klang der Umwelt lauschen und beim Anblick von Wildsäugern, Adlern, Silberreihern und Blühwundern Stress abbauen möchte, kann bei geführten Naturwanderungen Kraft tanken. Die Weißwangengans und ihre Verwandten zeigen, wie erfolgreich international koordinierter Naturschutz sein kann – ein Hoffnungsschimmer für bedrohte Arten weltweit.

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