Bund fördert Wiedervernässung von Mooren als Geschäftsmodell für Landwirte
Bund fördert Wiedervernässung von Mooren für Landwirte

Geschäftsmodell Moor: Bund fördert Wiedervernässung für Klimaschutz und Landwirtschaft

Mit staatlicher Förderung will Bundesumweltminister Carsten Schneider die klimaschonende Bewirtschaftung von Mooren attraktiver gestalten. Der SPD-Politiker betonte in Berlin, dass Moore so wieder ihre natürliche Funktion als Klima-Anlage zurückerlangen könnten, die sie über Jahrtausende erfüllt haben. Diese Initiative zielt darauf ab, Landwirte finanziell zu unterstützen, die auf nasse Flächen setzen, etwa durch den Anbau von Pflanzen für Papier oder Kartons oder die Haltung von Wasserbüffeln, die mit feuchten Böden gut zurechtkommen.

Moore als Klimaschutz-„Verbündete“ und ihre Bedeutung

Mehr als 90 Prozent der ursprünglichen Moorböden in Deutschland sind heute trockengelegt, nur noch rund 100.000 Hektar bleiben nass. Die Förderung soll diese Fläche um 90.000 Hektar erweitern, was einer fast Verdopplung entspricht. Moore können große Mengen schädlicher Treibhausgase speichern und leisten so einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Im trockenen Zustand zersetzen sich die torfigen Böden und geben Kohlenstoff ab, während eine Wiedervernässung diesen Prozess stoppt oder sogar umkehrt.

Umweltverbände loben die Pläne als Meilenstein

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) bezeichnete die Förderung als Meilenstein und betonte, dass nasse Moore in Zeiten von Dürre und Starkregen unverzichtbar seien. Sie speichern Wasser, sichern Ernten und stabilisieren die Trinkwasserversorgung. Allerdings forderte der Nabu auch schnellere Genehmigungsverfahren, Anreize für die Rückhaltung von Wasser und eine klare Verankerung des Moorschutzes in der Raumplanung. Der Deutsche Naturschutzring nannte die Pläne einen „Game Changer“ und hob hervor, dass die Wiedervernässung einer der wirksamsten Hebel sei, um Treibhausgasemissionen in der Landnutzung zu senken.

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Historische Trendwende und wirtschaftliche Perspektiven

Bundesumweltminister Schneider sprach von einer historischen Trendwende im Verhältnis zwischen Mensch und Natur nach Jahrhunderten der Entwässerung. Die Grundidee ist, dass eine schonende Bewirtschaftung der wertvollen Flächen sich finanziell lohnen soll. Deutschland gilt mit diesem Ansatz als Pionier in Europa. Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU), der die Förderung mit erarbeitet hat, sieht darin eine riesige Chance für die Forst- und Landwirtschaft. Er betonte, dass Moorböden wiederzuvernässen Klimaschutz als Geschäftsmodell bedeute, mit neuen Einkommenschancen wie dem Anbau von Schilf als Baustoff oder der Haltung von Wasserbüffeln.

Förderdetails und finanzielle Unterstützung

Die Bundesregierung stellt bis Ende 2029 rund 1,75 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds bereit, die von der EU-Kommission bereits genehmigt wurden. Förderfähig sind die Wiedervernässung, der Ausgleich von Wertverlusten bei Eigentum und Nutzung sowie der Aufbau neuer Wertschöpfungsketten für Produkte aus Moorpflanzen, wie Fasern für Papier oder Baumaterialien. Zuschüsse können bis zu 100 Prozent betragen, und Bewerben können sich Eigentümer, Bewirtschafter und Verbände. Schneider betonte, dass niemand gezwungen werde, seine Flächen nass zu bewirtschaften, sondern es um Zusammenarbeit mit Landwirten gehe.

Auswirkungen auf Klima und Landwirtschaft

Obwohl Moore nur einen kleinen Teil der Landesfläche ausmachen, verursachen sie etwa 7 Prozent der deutschen Treibhausgas-Emissionen, über 50 Millionen Tonnen. Durch die Förderung soll nicht nur die Klimabilanz verbessert, sondern auch die wirtschaftliche Nutzung von Moorflächen gesichert werden. Rund sieben Prozent der deutschen Agrarfläche entfallen auf entwässerte Moorböden, und eine nassere Bewirtschaftung kann dazu beitragen, Wasser in der Fläche zu halten und den Grundwasserspiegel zu stabilisieren. Diese Maßnahmen reichen laut Schneider weit über die geförderte Fläche hinaus und bieten eine echte Zukunftsperspektive für Moor-Regionen und landwirtschaftliche Betriebe.

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