Sturmtief »Nils« hinterlässt Spur der Verwüstung in Südwesteuropa
Das Sturmtief »Nils« hat über Südwesteuropa gewütet und dabei massive Schäden verursacht. In Frankreich und Spanien gilt die höchste Unwetterwarnstufe, während in Portugal eine Autobahnbrücke nach einem Deichbruch teilweise eingestürzt ist. Die Folgen des extremen Wetterphänomens sind verheerend.
Todesopfer und massive Stromausfälle in Frankreich
In Frankreich forderte der Sturm ein menschliches Leben. Ein Lastwagenfahrer kam im Südwesten des Landes ums Leben, nachdem sein Fahrzeug von herabstürzenden Ästen getroffen wurde. Dies bestätigte Innenminister Laurent Nuñez. Darüber hinaus waren am frühen Morgen rund 850.000 Haushalte im Süden Frankreichs ohne Stromversorgung, wie Medien unter Berufung auf den Versorger Enedis berichteten.
Der französische Wetterdienst Météo France bezeichnete den Sturm als von seltener Kraft. In der Nacht fegten Sturmböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 160 Kilometern pro Stunde über das Land. Fünf Départements wurden mit der höchsten Unwetterwarnstufe Rot belegt. Der Bahnverkehr war teilweise eingestellt, und auch auf den Straßen kam es zu erheblichen Einschränkungen.
Orkanböen auf Mallorca und Alarm in Katalonien
Auch auf der spanischen Urlaubsinsel Mallorca wurden Orkanböen registriert. In Berglagen maß der Wetterdienst Aemet Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 Kilometern pro Stunde. Über mögliche Opfer oder größere Schäden auf der Insel wurde bislang nichts bekannt.
In der spanischen Region Katalonien, zu der auch Barcelona gehört, riefen die Behörden ebenfalls die Alarmstufe Rot wegen extremen Windes aus. Vorsorglich wurden die Schulen geschlossen. Eine Person wurde durch einen umstürzenden Baum schwer verletzt, wie der Zivilschutz mitteilte. Mehrere Bahn- und Straßenverbindungen waren zeitweise durch umgestürzte Bäume blockiert.
Portugal: Autobahnbrücke nach Deichbruch eingestürzt
In Portugal führten die heftigen Unwetter zu einem dramatischen Ereignis: Eine Autobahnbrücke stürzte teilweise ein. Das Teilstück der A1 zwischen Lissabon und Porto brach am Mittwochabend nach einem Deichbruch am Fluss Mondego nahe der Stadt Coimbra in sich zusammen. Infrastrukturminister Miguel Pinto Luz bestätigte den Vorfall.
Glücklicherweise gab es bei dem Einsturz keine Toten oder Verletzten. Der betroffene Autobahnabschnitt wurde in beide Richtungen gesperrt. Der Minister erklärte bei einem Besuch am Unglücksort, dass es Wochen dauern werde, bis die Brücke wieder befahrbar sei. Um den Deich provisorisch auszubessern, wurden mehr als ein Dutzend Lastwagen mit Schotter eingesetzt.
Klimawandel verschärft die Situation auf der Iberischen Halbinsel
Die Iberische Halbinsel leidet besonders unter den Auswirkungen des Klimawandels. In den vergangenen Wochen hatte es bereits schwere Unwetter gegeben, bei denen in Portugal mindestens sieben Menschen ums Leben kamen. Die Sachschäden werden auf mindestens vier Milliarden Euro geschätzt. In dieser Woche drohen erneut starke Regenfälle und Überschwemmungen.
Seit Jahren sind die Menschen in der Region extremen und immer längeren Hitzewellen ausgesetzt, die oft schon vor Beginn des Sommers auftreten. Im Herbst und Winter folgen dann zunehmend Starkregen und Überschwemmungen. Diese klimatischen Extreme stellen die betroffenen Länder vor immense Herausforderungen.
Politische Konsequenzen in Portugal
Die portugiesische Regierung steht wegen ihres Umgangs mit den Unwettern massiv in der Kritik. Nach dem Rücktritt von Innenministerin Maria Lúcia Amaral muss sich die Regierung von Ministerpräsident Luís Montenegro am Freitag im Parlament den Fragen der Abgeordneten stellen. Die anhaltenden Wetterextreme und deren Folgen fordern nicht nur humanitäre und infrastrukturelle Maßnahmen, sondern auch politische Antworten.



